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Greif

Greif · Legendärer Löwenadler — Mythisches Wesen mit Adler- und Löwenmerkmalen

Der Greif (Griffin, Gryphon, griechisch gryps, lateinisch gryphus) ist ein zusammengesetztes heiliges Wesen aus Adlerkopf, Schwingen und Vorderbeinen sowie Lowenrumpf, Hinterbeinen und Schwanz, das den 'Konig der Lufte und Konig der Erde' vereint. Die fruhesten Darstellungen finden sich um 3000 v. Chr. im alten Mesopotamien (Susa) und in Agypten der Naqada-III-Zeit; im minoischen Thronsaal zu Knossos (um 1500 v. Chr.) erscheinen Greifen als konigliche Wachter. Die Griechen verlegten sie an den fernen Norden Skythiens, wo sie gegen die einaugigen Arimaspoi ewige Schlacht um Gold fuhren. Im mittelalterlichen Europa wurde der Greif zur beliebtesten heraldischen Figur und galt als Sinnbild gottlichen Konigtums, der Gerechtigkeit und der zweifachen Natur Christi. Dantes Purgatorio zeigt einen Greifen, der den Wagen der Kirche zieht; moderne Fantasy von C. S. Lewis bis J. K. Rowling pflegt das Motiv weiter.

Ursprung

Die Greifenikonografie reicht in das spate vierte Jahrtausend vor Christus im Alten Orient zuruck. Susa-Siegel und agyptische Naqada-III-Paletten zeigen den Adler-Lowen-Mischling als koniglichen Wachter. Die fruheste griechische Literaturquelle ist die verlorene Arimaspea des Aristeas von Prokonnesos (siebtes Jahrhundert v. Chr.), die vom Krieg der Greifen mit den einaugigen Arimaspoi um Gold berichtete. Herodot, Historien Buch III und IV, verortet die Greifen im fernen Norden Skythiens, vermutlich im Altai-Gebirge. Ktesias' Indika und Aelians De natura animalium wiederholen die Uberlieferung. Isidor von Sevilla, Etymologiae im siebten Jahrhundert, standardisierte die mittelalterliche Ikonografie, und das Aberdeen Bestiarium und MS Bodley 764 (zwolftes und dreizehntes Jahrhundert) festigten die Form. Die Altertumswissenschaftlerin Adrienne Mayor hat 1994 in The First Fossil Hunters argumentiert, das Greifenbild sei aus der Begegnung skythischer Goldnomaden mit den geschnabelten Protoceratops-Fossilien des Altai entstanden.

Merkmale

  • Adlerkopf, Schwingen und Vorderbeine; Lowenkorper, Hinterbeine und Schwanz
  • Scharfer Schnabel, gekrummte Krallen und kraftvolle Lowenmuskulatur
  • Starker Flieger und gewandter Bodenjager zugleich
  • Sammler von Gold und Edelsteinen, der sein Nest mit Schatzen auskleidet
  • Heraldisches Sinnbild von Gerechtigkeit, Konigtum und gottlicher Autoritat
  • Lebenslange Paarbindung, einsam fortlebend nach Verlust des Partners

Geschichten

Der Greif ist eine fest verankerte heraldische Figur. Er erscheint im Wappen Edinburghs, am Trinity College Oxford, im Wappen der Herzoge von Pommern, im Staatswappen Lettlands und vielen deutschen Adelshausern. Dantes Purgatorio (Gesang XXIX) lasst ihn den Wagen der Kirche ziehen, und die Markusbasilika in Venedig tragt Greifenreliefs des dreizehnten Jahrhunderts. Der Eingang der Kongressbibliothek in Washington wird von Greifenfiguren flankiert, und das Logo von Vauxhall Motors stammt vom Greif Edinburghs. Auch Hogwarts Haus Gryffindor in Harry Potter ist nach diesem Tier benannt.

Schwäche

Die Uberlieferung kennt keinen formellen Fressfeind, doch der ewige Gegner des Greifen sind die einaugigen Arimaspoi, mit denen er seit Herodot um Gold streitet. Mittelalterliche Bestiarien notieren, dass Greifen Pferde und sogar Menschen heben konnen, was eher als Bedrohung denn als Schwache gilt. Bei Dante ist der Greif als Sinnbild der gottlichen Natur unfehlbar. Die wesentliche moderne Schwache ist wissenschaftlich: Die vergleichende Mythenforschung seit dem neunzehnten Jahrhundert hat den Greif aus dem Reich der wirklichen Tiere in das der reinen Ikonografie verwiesen.

Kulturelle Bedeutung

Der Greif ist weniger ein Ungeheuer als ein langlebiges ikonografisches Zeichen. Geboren aus der mesopotamisch-agyptischen Konigssymbolik, durchgereicht durch die griechisch-romische Literatur, theologisiert im mittelalterlichen Christentum als Allegorie der zwei Naturen Christi (Dantes Purgatorio ist der locus classicus), wurde er im Renaissance-Adel zum Sinnbild von Gerechtigkeit, Wachsamkeit und Mut. Edinburgh, Pommern, Lettland und zahlreiche englische Colleges tragen Greifenwappen. Im Osten lieferten sasanidische Persiens-Kunst und byzantinische Seide Greifen weiter an islamische Keramik und Textilien. Heute bleibt das Motiv in Harry Potters Gryffindor, im kanonischen Greif von Dungeons and Dragons und im Logo von Vauxhall Motors prasent.

In der Popkultur

Herodot, Historien Buch III und IV (5. Jh. v. Chr.) — Greifen huten skythisches Gold gegen die ArimaspoiAristeas von Prokonnesos, Arimaspea (7. Jh. v. Chr., fragmentarisch) — der Krieg der Greifen und ArimaspoiKtesias, Indika und Aelian, De natura animalium — indische und skythische GreifenuberlieferungIsidor von Sevilla, Etymologiae (7. Jh.) — Standard des mittelalterlichen GreifenDante Alighieri, Goettliche Komodie, Purgatorio Gesang XXIX (1308-1320) — der Greif zieht den Wagen der KircheLudovico Ariosto, Orlando Furioso (1532) — der Hippogriff, Nachkomme von Greif und StuteLewis Carroll, Alice im Wunderland (1865) — der Greif an der Seite der Suppen-Schildkrote

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