
Amphicyon
Amphicyon · Bärenhund — Großes urzeitliches Raubtier
Die Amphisbaena (griechisch Amphisbaina, 'die in beide Richtungen geht') ist eine sagenhafte zweikoepfige Schlange der griechisch-roemischen Mythologie, mit je einem Kopf an beiden Enden des Leibes und faehig, in jede Richtung vorwaerts zu gleiten. Ihr Name verbindet griechisch amphis (beide Seiten) mit bainein (gehen). Der roemische Dichter Marcus Annaeus Lucanus erzaehlt im neunten Buch der Pharsalia, dass die Amphisbaena unter den Wuestenschlangen entstand, als Perseus die abgeschlagene Haupt der Medusa ueber Libyen trug und ihr Blut auf den Sand tropfte. Plinius der Aeltere, Naturalis Historia VIII.35, notiert trocken, die Amphisbaena sei die einzige Schlange mit zwei Koepfen, 'als ob ein Mund nicht genuege, ihr Gift zu verschuetten'. Sie war eine Standardfigur mittelalterlicher Bestiarien und der Heraldik, und Jorge Luis Borges nahm sie 1957 in sein Buch der imaginaeren Wesen wieder auf.
Ursprung
Die fruheste eindeutige Erwaehnung steht in den Theriaka des Nikander von Kolophon, einem griechischen Lehrgedicht ueber Giftiges aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Der mythologische Ursprung wird durch Lucans Pharsalia IX.708-728 (um 65 n. Chr.) festgeschrieben: das Heer Catos durchquert die libysche Wueste und trifft auf die Schlangen, die aus Medusas Blut hervorgegangen sind, darunter Dipsas, Seps, Aspis und die zweikoepfige Amphisbaena. Plinius Naturalis Historia VIII.35, Aelian De natura animalium IX.23, Silius Italicus Punica III.317-318 und Isidor von Sevilla Etymologiae XII.4.20 aus dem siebten Jahrhundert festigten die Beschreibung. Damit war die Amphisbaena ein Standardlemma der mittelalterlichen Bestiarien, besonders des Aberdeen Bestiariums und des Manuskripts Bodley 764 aus dem zwoelften und dreizehnten Jahrhundert.
Merkmale
- Zwei Koepfe, einer an jedem Ende des Leibes
- Faehig, in beide Richtungen vorwaerts zu gleiten
- Ein Kopf schlaeft, der andere wacht; niemals wehrlos
- Aus Medusas Blut in der libyschen Wueste geboren
- Beide Koepfe giftig
- Kaeltebestaendig; nach Plinius selbst im tiefen Winter beweglich
Geschichten
Die antike Medizin verwendete die Amphisbaena als Talisman. Plinius Naturalis Historia XXX schreibt, eine schwangere Frau, die eine lebende Amphisbaena bei sich traegt, koenne keine Fehlgeburt erleiden; ihre Haut um einen Wanderstab gewickelt schuetze vor Kaelte. In der mittelalterlichen Heraldik erscheint sie auf der Grabplatte des Ritters William de Buslingthorpe aus Northamptonshire (1372) und in den englischen und franzoesischen Wappenhandbuechern des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Dante ruft sie im fuenfundzwanzigsten Gesang des Inferno bei der Verwandlung der Diebe auf, und John Milton nennt sie in Paradise Lost X.524 unter den Schlangen, in die Satan und seine Anhaenger verwandelt werden. In der Moderne findet sich der Stoff bei Jorge Luis Borges im Buch der imaginaeren Wesen (1957) und im Monsterhandbuch von Dungeons and Dragons.
Schwäche
Antike Quellen nennen kaum einen Fressfeind. Spaetere Tradition lehrt, dass die Amphisbaena, da aus Medusas Blut geboren, gegen die goettliche Sichel des Perseus anfaellig bleibt. Renaissance-Allegorien spotten ueber sie, wenn beide Koepfe gleichzeitig in dieselbe Richtung wollen und sich gegenseitig blockieren. Die moderne Zoologie identifiziert die mythische Beschreibung seit den 1960er-Jahren als naturkundliches Missverstaendnis der grabenden Reptilien aus der Familie Amphisbaenidae, deren stumpfer Schwanz dem Kopf gleicht und die rueckwaerts durch ihre Gaenge gleiten koennen. Die Schwaeche ist also weniger mythisch als natuerlich.
Kulturelle Bedeutung
Die Amphisbaena ist nicht bloss eine Schlange, sondern ein Embleme der Doppeldeutigkeit. Mittelalterliche Bestiarien lesen sie als die geteilte Seele, die Heuchelei, die Suende des doppelten Sinns. In der Heraldik stehen die beiden Koepfe fuer Wachsamkeit und Klugheit nach allen Seiten. Dante verwendet sie fuer Diebe und Verraeter, Milton fuer die Verwandlung gefallener Engel, und Borges nennt sie 'die Schlange der zwei Gesichter der Seele'. In der modernen Zoologie hat Carl von Linne im Systema Naturae 1758 die Gattung Amphisbaena der grabenden Reptilien benannt und damit den mythischen Namen in die wissenschaftliche Systematik eingeschrieben. Das Motiv lebt in Dungeons and Dragons und in heraldischen Wappen moderner Institutionen fort.
In der Popkultur
Nikander von Kolophon, Theriaka (2. Jh. v. Chr.) — fruheste eindeutige ErwaehnungLucan, Pharsalia IX.708-728 (um 65 n. Chr.) — aus Medusas Blut in der libyschen Wueste geborenPlinius d. A., Naturalis Historia VIII.35 — 'die einzige Schlange mit zwei Koepfen'Aelian, De natura animalium IX.23 und Silius Italicus, Punica III.317-318Isidor von Sevilla, Etymologiae XII.4.20 (7. Jh.) — Standardlemma der mittelalterlichen BestiarienDante, Inferno XXV und John Milton, Paradise Lost X.524Jorge Luis Borges, Buch der imaginaeren Wesen (1957) — Wiederkanonisierung im 20. Jahrhundert
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