
Pegasos
Pegasus · Geflügeltes Pferd — Legendäres Wesen der griechischen Mythologie
Pegasus (griechisch Pegasos) ist das gefluegelte Pferd der griechischen Mythologie, geboren aus dem Blut der Medusa, als Perseus ihr Haupt abschlug und das Blut sich mit dem Schaum des Meeres mischte. Sein Bruder, im selben Augenblick geboren, ist der goldschwertfuehrende Riese Chrysaor. Hesiods Theogonie 280-286 leitet den Namen vom griechischen pege ('Quelle, Brunnen') ab, da der Schaum, aus dem Pegasus aufstieg, als Meeresquelle gedacht war. Der Held Bellerophon, dem Athene einen goldenen Zaum gab, baendigte Pegasus an der Quelle Peirene in Korinth und erschlug mit ihm die Chimaira, sein beruehmtester Auftritt. Die Musenquelle Hippokrene auf dem Helikon, ihnen geheiligt, soll dort entsprungen sein, wo Pegasus mit dem Huf den Boden traf, sodass das Pferd auch Sinnbild dichterischer Eingebung wurde. Als Bellerophon in seinem Stolz auf Pegasus zum Olymp aufsteigen wollte, sandte Zeus eine Bremse, die das Pferd stach und den Helden abwarf, doch Pegasus erreichte den Olymp sicher und wurde Traeger der Blitze des Zeus. Am Himmel ist er als Sternbild Pegasus verewigt.
Ursprung
Die fruheste literarische Erwaehnung ist Hesiods Theogonie 280-286 (achtes Jahrhundert v. Chr.), wo Pegasus und sein Bruder Chrysaor aus dem abgeschlagenen Hals der Medusa hervorspringen, als Perseus zuschlaegt. Hesiod gibt die Etymologie des Namens als pege ('Quelle'), denn der Blut-Schaum, aus dem Pegasus geboren wurde, war eine Meeresquelle. Die Ilias VI.181 ff. in der Erzaehlung des Glaukos erwaehnt erstmals den Tod der Chimaira. Pindars 13. Olympische und 7. Isthmische Ode entwickeln die Partnerschaft von Bellerophon und Pegasus. Die kanonische Erzaehlung steht in der Bibliotheke des pseudo-Apollodor II.3.2 (erstes bis zweites Jahrhundert n. Chr.), die Athene mit dem goldenen Zaum und die Baendigung des Pegasus an der korinthischen Quelle Peirene festschreibt. Ovids Metamorphosen IV und V vollenden die lateinische Rezeption, und das Sternbild Pegasus tritt im zweiten Jahrhundert in Ptolemaios' Almagest unter die 48 klassischen Sternbilder ein, erhalten in der modernen IAU-Liste der 88.
Merkmale
- Schneeweisses gefluegeltes Pferd
- Geboren aus dem abgeschlagenen Hals der Medusa zusammen mit seinem Bruder Chrysaor
- Der Name leitet sich vom griechischen pege ('Quelle, Brunnen') ab
- Schlaegt mit dem Huf den Helikon und oeffnet die Musenquelle Hippokrene
- Begleiter Bellerophons beim Tod der Chimaira
- Traeger der Blitze des Zeus auf dem Olymp
Geschichten
Pegasus ist eine der haeufigsten Figuren der griechischen Kunst: Wappen Korinths auf seinen Silberstatern ab dem sechsten Jahrhundert v. Chr., gemalt auf schwarz- und rotfigurigen Vasen neben Bellerophon, gesetzt in pompejanische Wandmalereien, roemische Mosaike und byzantinische Seiden. In der Astronomie haelt sich das Sternbild Pegasus, in Ptolemaios' Almagest gelistet, in der modernen IAU 88; sein Grosses Quadrat des Pegasus ist ein kanonischer Herbst-Marker des Nordhimmels. Die Renaissance brachte die Pegasus-Gemaelde Andrea Mantegnas und Sandro Botticellis, und die Barockdecke Pietro da Cortonas etablierte die Figur als Sinnbild der Musen. In moderner Zeit halten das TriStar-Pictures-Logo (1984), das British-Airways-Logo von 1984, die Pegasus-Statue in Minneapolis und unzaehlige nach dem Sternbild benannte Astronomie-Werkzeuge die Ikonografie lebendig.
Schwäche
Pegasus hat selten erklaerte persoenliche Schwaechen; die konstitutive Grenze ist die Frage, wer ihn reiten darf. Die Bibliotheke des pseudo-Apollodor macht klar, dass Pegasus nicht von beliebiger Hand bestiegen werden kann: nur der Traeger des goldenen Zaums der Athene kann ihn baendigen. Bellerophon selbst konnte Pegasus an der korinthischen Quelle Peirene nicht fangen, ohne Athenes Traumvision und ihr Geschenk des Zaums. Als Bellerophon, im Stolz gewachsen, auf Pegasus zum Olymp aufsteigen wollte, sandte Zeus eine Bremse, die das Pferd stach und den Helden abwarf, womit die symbolische Grenze festgelegt wurde, dass Pegasus' Ruecken fuer Sterbliche ohne goettliche Vollmacht nicht sicher ist. Nach seiner Katasterismose ins Sternbild Pegasus ist das Pferd den Menschenhelden ueberhaupt nicht mehr verfuegbar.
Kulturelle Bedeutung
Pegasus ist kein bloss mythisches Tier, sondern die Allegorie dichterischer Eingebung. Die Musenquelle Hippokrene am Helikon, geoeffnet durch den Huf des Pegasus, wird mit Hesiods eigenem dichterischem Anruf zu Beginn der Theogonie identifiziert, und diese Tradition brachte die Renaissance-Figur des Pegasus des Dichters hervor, der Verkoerperung der dichterischen Begeisterung. Dante ruft Pegasus kanonisch im Paradies XVIII an, und ab dem siebzehnten Jahrhundert wurde Pegasus zum festen Frontispiz-Motiv europaeischer Gedichtbaende. In der Astronomie bleiben das Sternbild Pegasus und sein Grosses Quadrat der kanonische Marker des herbstlichen Nordhimmels; in der Heraldik fixieren der Pegasus des Inner Temple in London, das British-Airways-Logo von 1984 und das TriStar-Pictures-Logo von 1984 die moderne Rezeption. In der Gegenwart wird die Figur in J. K. Rowlings Harry Potter, Disneys Hercules (1997) und den Dungeons-and-Dragons-Monsterhandbuechern weiter erneuert.
In der Popkultur
Hesiod, Theogonie 280-286 (8. Jh. v. Chr.) — Pegasus und Chrysaor aus Medusas Blut geborenHomer, Ilias VI.181 ff. — Pegasus und der Tod der Chimaira in der Erzaehlung des GlaukosPindar, 13. Olympische und 7. Isthmische Ode — Partnerschaft Bellerophon und PegasusPseudo-Apollodor, Bibliotheke II.3.2 (1.-2. Jh. n. Chr.) — kanonische Bellerophon-ErzaehlungOvid, Metamorphosen IV und V — lateinische RezeptionPtolemaios, Almagest (2. Jh.) — Pegasus unter den 48 klassischen SternbildernDante, Paradies XVIII — kanonische Neulesung des Pegasus
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