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Hydra

Hydra · Lernaische Schlange — Vielköpfiges mythisches Ungeheuer

Die Hydra (griechisch Hydra, lateinisch Hydra) ist das beruhmteste vielkopfige Ungeheuer der griechischen Mythologie, genauer die Lernaische Hydra nach ihrem Sumpfsitz bei Lerna in der Peloponnes nahe Argos. Sie ist die Tochter des Typhon und der Echidna, Schwester von Kerberos, Chimaira und Orthros, und wurde von der Gottin Hera eigens als Prufung fur Herakles aufgezogen. Die Kopfzahl ist im Standardbericht neun, in Varianten sieben, funfzig oder hundert; ein zentraler Kopf ist unsterblich. Ihre kennzeichnende Fahigkeit ist Regeneration: wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei nach. Atem und Blut sind toedlich giftig. Als zweite der zwolf Arbeiten des Herakles fiel sie dem Helden, dem sein Neffe Iolaos jede abgetrennte Halsstelle mit einer Fackel ausbrannte, schliesslich zum Opfer; den unsterblichen Kopf begrub er unter einem grossen Felsen. Mit dem Blut der Hydra trankte er seine Pfeile, eine Kette von Vergiftungen, die durch den Rest der griechischen Mythologie laeuft.

Ursprung

Der fruheste literarische Beleg ist Hesiods Theogonie, Verse 313 bis 318, achtes Jahrhundert v. Chr., wo die Hydra als Kind von Typhon und Echidna neben Kerberos, Chimaira und Orthros erscheint und von Hera als Prufung fur Herakles aufgezogen wird. Die kanonische Darstellung der zweiten Arbeit ruht auf der Bibliotheke des pseudo-Apollodor II.5.2 (erstes bis zweites Jahrhundert n. Chr.), die neun Kopfe, den fackeltragenden Iolaos, den riesigen Krebs Karkinos und die Bestattung des unsterblichen Kopfes festschreibt. Diodorus Siculus IV.11, Hygins Fabulae 30 und 151, Pausanias II.37.4 und Vergil Aeneis VI fuhren die Uberlieferung aus. Alkaios nennt neun, Simonides funfzig, Euripides in seinem Herakles hundert Kopfe; die Variation ist also selbst Motiv. Schwarzfigurige Vasen ab dem sechsten Jahrhundert v. Chr. sowie Metopen des Zeustempels von Olympia und Wandmalereien aus Pompeji bezeugen die feste Ikonografie.

Merkmale

  • Vielkopfiger Schlangenleib, kanonisch neun, variant von sieben bis hundert
  • Regenerativ: aus jedem abgeschlagenen Kopf wachsen zwei nach
  • Ein zentraler Kopf ist unsterblich
  • Atem und Blut sind toedlich giftig
  • Massiver Schlangenleib, amphibisch im Sumpf von Lerna
  • Personlich von Hera als Prufung fur Herakles aufgezogen

Geschichten

Die Hydra ist die ikonische Gegnerin der zweiten Arbeit des Herakles und fester Bestandteil der griechischen Kunst. Schwarzfigurige Vasen, die Metopen des Zeustempels von Olympia und pompejanische Wandmalereien zeigen den Kampf. In der Astronomie ist das Sternbild Hydra, von Ptolemaus in den Almagest aufgenommen, das groesste der heutigen 88 IAU-Sternbilder; das suedliche Sternbild Hydrus tragt den gleichen Namen. In der Biologie tragen die Susswasserpolypen der Gattung Hydra, von Leeuwenhoek 1702 beobachtet und 1744 von Abraham Trembley als regenerationsfahig nachgewiesen, den mythischen Namen unmittelbar. In der Popkultur erscheint die geheime Organisation HYDRA von Marvel Comics, geschaffen von Joe Simon und Jack Kirby in Strange Tales 135 (1965).

Schwäche

Jede abgetrennte Halsstelle muss sofort mit Feuer ausgebrannt werden, sonst wachsen sofort zwei Kopfe nach. Bei pseudo-Apollodor wartet Iolaos mit einer Fackel auf jeden Hieb. Der zentrale unsterbliche Kopf liesst sich nicht toeten und wurde von Herakles unter einem grossen Felsen begraben. Manche Darstellungen lassen die Hydra ausserhalb ihres Sumpfs an Kraft verlieren. Heras Riesenkrabbe Karkinos greift Herakles waehrend des Kampfes am Fuss an und wird zertrampelt; Hera erhebt ihre Seele zum Sternbild Krebs.

Kulturelle Bedeutung

Die Hydra ist mehr als ein Ungeheuer: sie ist der Archetyp des 'Boese, das durch Schlagen wachst', und damit eine der staerksten Tropen der westlichen Literatur und politischen Rhetorik. Das siebenkoepfige Tier in Dantes Inferno und in Offenbarung 13 teilt die Hydra-Bildlichkeit; Shakespeares Coriolanus nennt den Pobel eine 'many-headed Hydra'. Englische politische Karikaturen des achtzehnten Jahrhunderts stellen Korruption als Hydra dar. Die Historiker Marcus Rediker und Peter Linebaugh haben in The Many-Headed Hydra (2000) den atlantischen Sklavenhandel und proletarische Aufstande unter diesem Bild rekonstruiert. Das Sternbild Hydra umfasst 1303 Quadratgrad, mehr als jedes andere IAU-Sternbild. Die Marvel-Organisation HYDRA fuhrt das Motiv ins einundzwanzigste Jahrhundert.

In der Popkultur

Hesiod, Theogonie 313-318 (8. Jh. v. Chr.) — die Lernaische Hydra als Kind von Typhon und EchidnaPseudo-Apollodor, Bibliotheke II.5.2 (1.-2. Jh. n. Chr.) — kanonische Erzaehlung der zweiten ArbeitDiodorus Siculus IV.11 und Hygin, Fabulae 30 — vollstaendige Ausgestaltung des KampfesOvid, Metamorphosen Buch IX — die vergifteten Pfeile und ihre FolgenEuripides, Herakles — Hydra mit hundert KopfenVergil, Aeneis Buch VI — die Hydra an den Toren der UnterweltDante, Inferno — siebenkopfiges Tier in mittelalterlicher christlicher Allegorie

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