Lamia
Schlangenunterleibige Verführerin · Unheilvolle Gestalt der griechischen Mythologie
Ein Monster der griechischen Mythologie, mit menschlichem Frauenoberkoerper und gewaltigem Schlangenleib. Einst die schoene Koenigin Libyens und Geliebte des Zeus, verlor sie durch die Eifersucht Heras alle ihre Kinder; aus Trauer und Zorn verwandelte sie sich in ein Wesen, das nachts die Kinder anderer Muetter raubt und verschlingt (Diodor von Sizilien, Bibliotheca historica 20.41, 1. Jh. v. Chr.). Hera entzog ihr zusaetzlich den Schlaf durch den Fluch, dass ein Auge sich nie schliessen sollte; in Plutarchs Variante (Ueber die Neugier 2) nimmt Lamia ihre Augen heraus und legt sie in eine Schale. Philostratos in Apollonios von Tyana 4.25 (3. Jh. n. Chr.) erzaehlt, wie eine Lamia den jungen Menippos verfuehrt und vom Philosophen Apollonios bei der Hochzeit entlarvt wird — die Quelle, die John Keats in seinem Gedicht Lamia (Lamia, Isabella, the Eve of St. Agnes, and Other Poems, Taylor & Hessey, 1820) zur tragischen Liebenden umarbeitet.