
Handkanone
Die früheste tragbare Feuerwaffe
Die Handbüchse (Handrohr, hand cannon) ist die erste persönliche Feuerwaffe der Menschheit, erfunden im China der Yuan-Dynastie des 13. Jahrhunderts (Mongolenreich). Von denkbar einfacher Bauart — ein kurzes Eisenrohr am Ende eines Holzstabs (Schaft) — wurde sie mit Pulver und einem Geschoss (einer Kugel aus Blei, Stein oder Eisen) geladen und gezündet, indem man eine glühende Lunte oder Kohle an das Zündloch an der Seite des Laufs hielt. Der Schütze klemmte den Schaft meist unter den Arm oder legte ihn auf eine Auflage und zündete mit der anderen Hand. Ihre Treffsicherheit war erbärmlich, das Laden dauerte Minuten und die Gefahr eines Rohrkrepierers war real, doch ihre rüstungsbrechende Wucht und der donnernde Knall samt Flamme — für Mensch und Pferd entsetzlich — waren gewaltig. Diese primitive Büchse ist der Ausgangspunkt jeder folgenden Feuerwaffe, von der Luntenbüchse über die Muskete bis zum modernen Gewehr.
Ursprung
Das Schwarzpulver wurde in China erfunden, und die Handbüchse mit ihrem Metalllauf erschien ebenfalls zuerst im China der Yuan-Dynastie des 13. Jahrhunderts. Das älteste erhaltene Stück ist die Heilongjiang-Handbüchse von etwa 1288, die als älteste Feuerwaffe mit Metalllauf der Welt gilt. Chinas Pulver- und Feuerwaffentechnik gelangte durch die mongolischen Eroberungen und die islamische Welt nach Westen, und im frühen 14. Jahrhundert war die Handbüchse (handgonne) auch in Europa im Gebrauch. Dort entwickelte sie sich neben der Armbrust als Infanteriefeuerwaffe, und als sie im 15. Jahrhundert zur Luntenbüchse (Arkebuse) mit Abzugszündung verfeinert wurde, verschwand die Handbüchse allmählich.
Merkmale
- Eisenrohr + Holzschaft — denkbar einfache Bauart
- Erste persönliche Feuerwaffe der Menschheit
- Gezündet, indem man eine Flamme direkt ans Zündloch hielt
- Erbärmliche Treffsicherheit, Laden in Minuten
- Rüstungsbrechende Wucht
- Der psychische Schrecken von Knall und Flamme
Geschichten
Auf dem Schlachtfeld war ihr Hauptzweck, in einer Salve auf die feindliche Formation zu feuern und diese durch Wucht und den Schrecken von Knall, Rauch und Flamme in Unordnung zu bringen — sie war keine Waffe, um einen bestimmten Mann zu treffen. Da das Laden langsam war, setzte man sie zu vielen in Reihen mit wechselndem Schuss ein oder führte sie aus der Deckung von Schilden, Spießen oder Wagen. Vor allem in den Hussitenkriegen (1419–1434) setzte das böhmische Bauernheer Jan Žižkas Handbüchsen auf Streitwagen (die Wagenburg) und schlug wiederholt schwer gepanzerte Kreuzritter. Auf eine Auflage oder eine Mauer gestützt, ließen sich Rückstoß und Zielprobleme etwas mindern.
Schwäche
Ihre Treffsicherheit war so schlecht, dass das Zielen auf ein bestimmtes Ziel kaum möglich war, und das Laden dauerte Minuten, sodass es kein Schnellfeuer gab. Das Hantieren mit losem Pulver und das Zünden von Hand machten Fehlzündungen und Rohrkrepierer zu einer realen Gefahr, und Regen oder Nässe, die das Pulver durchweichten, machten das Schießen ganz unmöglich. Der Schütze brauchte eine Hand zum Zünden, sodass Zielen und Haltung unstet waren, und der Rauch verstellte die Sicht. Diese Schwächen wurden allmählich behoben, als die Luntenbüchse des 15. Jahrhunderts eine abzugsbetätigte Zündung und einen Schulterschaft brachte.
Kulturelle Bedeutung
Die Handbüchse öffnete die Tür zum 'Zeitalter des Schwarzpulvers', dem Ausgangspunkt, an dem das von Rüstung und Burgmauern geschützte Zeitalter des Ritters und Adligen zu sinken begann. Da ein kurz ausgebildeter Gemeiner nun mit einem einzigen Schuss einen gepanzerten Ritter fällen konnte, vollendete die Feuerwaffe entscheidend die 'Nivellierung des Schlachtfelds', die die Armbrust begonnen hatte. Die Handbüchse ist auch ein Sinnbild einer der größten Technologieübertragungen der Geschichte — chinesisches Pulver und Feuerwaffen, die über die Mongolen und die islamische Welt nach Europa gelangten. Das tschechische Wort dafür, píšťala, wird oft als Ursprung von 'Pistole' angeführt.
In der Popkultur
Die Handbüchse erscheint als 'das erste Gewehr' in Werken, die im Spätmittelalter und in der frühen Pulverzeit spielen. Der Handkanonier (Hand Cannoneer) von Age of Empires II ist das klassische Beispiel, und vertraut ist sie auch als die frühen Büchsenschützen von Total War und Mount & Blade. Das 'Hand Cannon' des Science-Fiction-Spiels Destiny — eine Waffe der Revolverklasse — entlehnt den historischen Namen, im Einklang mit dem modernen Gebrauch von 'hand cannon' für eine große, kräftige Pistole. Meist wird sie als 'langsam und ungenau, aber verheerend im einzelnen donnernden Schuss' dargestellt.
Trivia
- Die älteste erhaltene Feuerwaffe mit Metalllauf ist die Heilongjiang-Handbüchse von etwa 1288 aus dem China der Yuan-Dynastie — ein entscheidendes Fundstück für den Ursprung der Feuerwaffen.
- Schwarzpulver und die ersten Feuerwaffen begannen allesamt in China und erreichten Europa im frühen 14. Jahrhundert über das Mongolenreich und die islamische Welt — eine der folgenreichsten Technologieübertragungen der Geschichte.
- Die in den Hussitenkriegen vom böhmischen Bauernheer verwendete Handbüchse, die píšťala, wird oft als Ursprung des Wortes 'Pistole' angeführt und hinterließ ein sinnbildliches Beispiel dafür, wie gemeines Fußvolk mit Feuerwaffen ein Ritterheer besiegte.
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