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Zweihänder

Das massive Großschwert der Landsknechte

Der Zweihaender ist das grosse beidhaendige Schwert, das unter den deutschen Landsknecht-Soeldnern des 16. Jahrhunderts nur die Elite der Doppelsoeldner fuehrte. Mit etwa 150 bis 180 cm Gesamtlaenge und 2 bis 3,5 kg Gewicht ist er mehr als doppelt so gross wie ein gewoehnliches Einhandschwert. Sein kennzeichnendstes Merkmal sind die Parierhaken: ein Paar aus der Klinge ragender Nasen, die eine feindliche Waffe auffangen oder beiseitehaken. Der Klingenteil oberhalb dieser Haken, das Ricasso, bleibt ungeschaerft, sodass man ihn in Leder wickeln oder mit blosser Hand greifen kann, was das Halbschwert erlaubt, also das kurze Fuehren des Schwertes wie ein Speer auf engem Raum. So lang und schwer er war, konnte ein einziger Schwung mehrere Pikenschaefte zugleich beiseiteschlagen.

Ursprung

Der Zweihaender entstand im fruehen 16. Jahrhundert in Deutschland fuer die Landsknecht-Soeldner. Herkoemmlich wird er als Waffe gegen die damals das Schlachtfeld beherrschenden schweizerischen und deutschen Pikengevierte erklaert, als Mittel, in den dichten Wald der gesenkten Spiesse einzubrechen. Sein Gebrauch trat in den grossen Pikenschlachten der Italienischen Kriege hervor, etwa bei Marignano 1515. Mit der Zeit wurden jedoch neben dem Kampf-Zweihaender auch riesige beidhaendige Bidenhaender von ueber 2 m Laenge gefertigt; zu gross und schwer fuer den wirklichen Kampf, waren sie eher fuer Geltung und Zeremonie als fuer das Schlachtfeld bestimmt.

Merkmale

  • Etwa 150 bis 180 cm Gesamtlaenge, 2 bis 3,5 kg Gewicht
  • Parierhaken, ein Paar Nasen an der Klingenmitte
  • Ein ungeschaerftes Ricasso, das man fuer den Nahkampf greifen kann
  • Eine Elitewaffe, den Doppelsoeldnern vorbehalten
  • Zum Einbrechen in Pikengevierte entwickelt
  • Auch eine wellenklingige Spielart gibt es, das Flammenschwert oder die Flamberge

Geschichten

Die Aufgabe des Zweihaenders war gefaehrlich und einfach. Der Doppelsoeldner trat vor das eigene Fussvolk und stuermte gerade auf das feindliche Pikengeviert zu, schlug mit der grossen Klinge die dicht gesenkten Spiessschaefte beiseite oder fegte sie weg und oeffnete eine Luecke, in die seine Kameraden eindringen konnten. Griff er das Ricasso und fuehrte das Schwert kurz, konnte er auch im engen Gewuehl wie ein Spiessmann stechen und schieben, waehrend die Parierhaken eine feindliche Waffe wegfingen oder hakten. Im Kern war es eine mit beiden Haenden und dem ganzen Koerper geschwungene Waffe und passte daher am besten zur Rolle des Stossfussvolks, das im offenen Feld die vorderste Reihe einer feindlichen Formation aufbrach.

Schwäche

Schwer und riesig, braucht er Zeit fuer einen Schwung, und ein Fehlhieb laesst leicht eine Bloesse fuer einen Gegenschlag, ehe der Fuehrende sich fangen kann. Auf engem Raum oder im dichten Gewuehl wird die Laenge selbst zur Last und das Schwert laesst sich nicht recht schwingen, und draengt ein Feind mit Dolch oder Kurzschwert in seine Reichweite hinein, ist der Fuehrende im Nachteil. Vor allem bedeutete der Sturm des Doppelsoeldners, allein mitten in die feindliche Linie zu springen, sodass die Verluste hoch waren, und als sich im spaeteren 16. Jahrhundert Feuerwaffen und Taktik wandelten, schwand der Gefechtswert des grossen Zweihaenders rasch.

Kulturelle Bedeutung

Der Zweihaender ist ein Sinnbild der deutschen Soeldnerkultur der Renaissance und besonders des grosspurigen Bildes des Landsknechts. Der Doppelsoeldner wurde, wie sein Name sagt, fuer die Uebernahme der gefaehrlichsten Aufgabe mit doppeltem Sold bezahlt und wurde zusammen mit dem Landsknecht in seiner ueppigen geschlitzten Tracht zu einem Sinnbild der Zeit. In spaeterer Zeit verliess er das Schlachtfeld und ueberlebte als zeremonieller Bidenhaender der Staedte und Hoefe, gebraucht in Umzuegen und als Waffe der Wache. In den Niederlanden und Friesland soll der sagenhafte Riesenheld Grutte Pier (Pier Gerlofs Donia) ein riesiges beidhaendiges Schwert gefuehrt haben, und ein echtes, ihm zugeschriebenes Schwert von ueber 2 m Laenge ist in einem Museum erhalten.

In der Popkultur

Der Zweihaender erscheint in Fantasy und Spielen oft als Inbegriff des riesigen beidhaendigen Schwertes. Die Grossschwerter von Action-Rollenspielen wie Dark Souls und Elden Ring und das Bild der gewaltigen Klinge, die Guts in Berserk schwingt, haben den Eindruck dieser Familie weit verbreitet. Die wellenklingige Flamberge (das Flammenschwert) wird ebenso in vielen Spielen und Comics als schicke, beinahe flammenartige Spielart gezeichnet. In der Fiktion wird er jedoch oft zu einem unrealistisch schweren und dicken Grossschwert uebertrieben, sodass sein historisches Gewicht von etwa 2 bis 3,5 kg und sein urspruenglicher Zweck, in Pikengevierte einzubrechen, selten genau wiedergegeben werden.

Trivia

  • Der Elitesoldat, der den Zweihaender trug, der Doppelsoeldner, wurde fuer die gefaehrliche Aufgabe, mitten in den Feind zu stuermen, mit dem doppelten Sold eines gewoehnlichen Soldaten bezahlt, und eben daher kommt sein Name.
  • Das Fries Museum in Leeuwarden in den Niederlanden bewahrt ein riesiges beidhaendiges Schwert von etwa 2,15 m Laenge und rund 6,6 kg, das dem sagenhaften friesischen Riesenhelden Grutte Pier (Pier Gerlofs Donia) zugeschrieben wird.
  • Das Flammenschwert (die Flamberge), die Spielart mit einer wie eine Flamme gewellten Klinge, hatte ein bedrohliches Aussehen und erzeugte beim Aufeinandertreffen ein Zittern in der Klinge des Gegners; es war bei zeremoniellen Zweihaendern und Wachschwertern besonders beliebt.

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