
Glefe
Die Stangenwaffe mit einschneidiger Klinge
Die Glefe ist eine mittelalterliche europäische Stangenwaffe: eine gebogene, einschneidige Klinge von 45 bis 60 cm Länge auf einem 180 bis 210 cm langen Holzschaft. Sie ist auf das Hauen und nicht auf das Stoßen ausgelegt; die gekrümmte Klinge fügt tiefe Schnittwunden zu, und viele Varianten tragen einen Haken am Klingenrücken, um berittene Krieger aus dem Sattel zu ziehen. Besonders wirksam war die Glefe, wenn Fußtruppen gegen Reiterei standen oder Engstellen wie Tore und Brücken zu verteidigen hatten. Sie war im 14. bis 16. Jahrhundert in ganz Europa, vor allem in Frankreich, Italien und der Schweiz, weit verbreitet.
Ursprung
Die Glefe taucht im 14. Jahrhundert in europäischen Arsenalen auf und bleibt bis zur Vorherrschaft der Feuerwaffen im 16. Jahrhundert im Gebrauch. Der Name kommt vom französischen glaive ("Schwert"), das selbst auf das lateinische gladius zurückgeht. Gebogene Stangenwaffen derselben Familie sind in fast allen Kulturen unabhängig entstanden: das japanische Naginata, das chinesische Guandao (Guan Yus Grünes Drachen-Halbmond-Schwert), das koreanische Woldo, die russische Sownja. In Europa gilt die Entwicklung aus landwirtschaftlichen Geräten wie der Sense als wahrscheinlichste Herkunft.
Merkmale
- Gebogene, einschneidige Klinge (45–60 cm), häufig mit Rückenhaken
- Schaft aus Esche oder Hickory, Gesamtlänge etwa 180–210 cm
- Stangenwaffe, auf Hieb- und Schnittwirkung spezialisiert
- Hakenvarianten zum Vom-Sattel-Ziehen von Reitern
- Hochwirksame Infanteriewaffe gegen Kavallerie
- Gewicht etwa 2–2,5 kg, beidhändig geführt
Geschichten
Fußtruppen schwangen die Glefe in weiten Bögen, um Pferde oder Ritter im Augenblick des Anpralls niederzustrecken. Ebenso geschätzt war sie für die Verteidigung von Engstellen — Toren, Brücken, Treppen —, wo Piken kaum zur Geltung kamen. Englische Fußsoldaten trugen Glefen während des gesamten Hundertjährigen Krieges, und die Bürgermilizen der spätmittelalterlichen Schweiz schlugen damit gepanzerte Ritter bei Sempach (1386) und Arbedo (1422). Die gekrümmte Schneide eignete sich auch hervorragend, um Lücken im Plattenpanzer zu finden.
Schwäche
Zum Stoßen ungeeignet und im geschlossenen Verband durch die Pike (4–5 m) reichweitenmäßig übertroffen, brauchte die Glefe viel Schwungraum und war im dichten Schulter-an-Schulter-Glied unhandlich. Mit der Verbreitung des Luntenschlosses im 16. Jahrhundert ging der schwere Reiterangriff zurück — und damit auch die Daseinsberechtigung der Glefe.
Kulturelle Bedeutung
Die Glefe wurde zum Sinnbild spätmittelalterlicher Bürgermilizen und Söldnertruppen und ist eng mit den Schweizer Reisläufern verbunden, die sie neben der Hellebarde führten. Die Zeremonialwaffen der vatikanischen Schweizergarde erinnern bis heute an ihre Form. Das englische Wort glaive driftete später in die Dichtung ab und wurde von Shakespeare bis Tolkien zum poetischen Synonym für "Schwert".
In der Popkultur
Standardausrüstung in Tabletop-RPGs von Dungeons & Dragons bis Pathfinder und feste Größe in Miniaturenspielen wie Warhammer. Der Science-Fiction-Film Krull (1983) übertrug den Namen auf eine fünfklingige Bumerangwaffe; dieses Bild — eine schleuderbare Klingenscheibe — ist seither in zahlreichen Videospielen und Fantasy-Werken aufgegriffen worden. Die Insektenglefe in Monster Hunter und diverse "Glaive"-Waffen in Skyrim und Diablo II stehen in dieser Tradition.
Trivia
- Die in modernen Fantasy-Medien als Wurfwaffe dargestellte "Glaive"-Form geht ausschließlich auf den Film Krull (1983) zurück und hat mit der historischen Stangenwaffe nichts gemein.
- Mehrere Schweizer Infanteriesiege über habsburgische Ritter — Morgarten (1315), Sempach (1386) — wurden mit Glefen und Hellebarden errungen und markieren den Anfang vom Ende des europäischen Ritterzeitalters.
- Das koreanische Kampfkunsthandbuch Muyedobotongji führt eine eng verwandte gebogene Stangenwaffe namens Woldo ("Mondklinge") als eigene Disziplin auf; die Beherrschung des Woldo gehörte zur militärischen Beamtenprüfung der Joseon-Zeit.
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