
Falchion
Das einschneidige Hiebschwert des Mittelalters
Das Falchion ist ein einschneidiges einhaendiges Hiebschwert des mittelalterlichen Europa, gepraegt von einer Klinge, die sich zur Spitze hin verbreitert. Mit einer Klinge von etwa 60 bis 80 cm legt die hackmesserartige Form, die sich am Ende weitet, den Schwerpunkt zum vorderen Teil der Klinge und macht es stark fuer einen schweren, axtartigen Hieb. Einschneidig mit geradem Ruecken, soll es sich aus Schlachtmessern und landwirtschaftlichen Geraeten entwickelt haben. Es erschien um das 11. Jahrhundert und wurde bis ins 16. in ganz Europa gebraucht, und da es einfacher und billiger zu machen war als das kostbare Ritterschwert mit seinem kreuzfoermigen Griff, wurde es dem gemeinen Fussvolk in Masse ausgegeben. Echte erhaltene Stuecke sind jedoch sehr selten, sodass vieles von dem, was wir vom Falchion wissen, durch mittelalterliche Handschriftenmalerei und Bildhauerei ueberliefert ist.
Ursprung
Das Falchion ist ein einschneidiges Schwert, das um das 11. Jahrhundert in Europa erschien und bis ins 16. gebraucht wurde. Es soll sich aus den Schneidwerkzeugen des Schlachters und des Bauern und aus der Tradition des Sax, des germanischen einschneidigen Messers, entwickelt haben und setzte sich als die billige, praktische Waffe in der Hand des gemeinen Fussvolks durch. Es erscheint besonders haeufig in den Abbildungen und der Bildhauerei der Kreuzzugszeit (1096 bis 1291), was darauf hindeutet, wie weit es im wirklichen Kampf gebraucht wurde. Da selbst ein Fussvolksmann ohne foermliche Schwertausbildung mit einem einfachen Hieb wirksam sein konnte, verbreitete es sich als eine volkstuemliche Waffe, leichter zu handhaben als das Schwert.
Merkmale
- Eine einseitige Schneide, die sich zur Spitze hin verbreitert (etwa 60 bis 80 cm)
- Eine hackmesserartige Form fuer einen kraftvollen Hieb
- Ein Schwerpunkt zum vorderen Teil der Klinge gelegt
- Eine einfache und billige Bauweise
- Eine dem gemeinen Fussvolk in Masse ausgegebene Waffe
- Ein Gewicht von etwa 600 g bis 1 kg
Geschichten
Das Falchion war die Waffe des gemeinen Fussvolksmanns, der keine foermliche Schwertkunst gelernt hatte. Dank der sich zur Spitze hin verbreiternden Klinge und des nach vorn gelegten Gewichts hatte selbst die einfache Handlung des kraeftigen Niederhackens, ohne verwickelte Technik, die Kraft, tief ins Fleisch zu schneiden. Es wurde gewoehnlich in einer Hand mit einem kleinen Schild, einem Buckler, oder einem grossen Schild in der anderen gefuehrt und war gegen einen nicht recht gepanzerten Feind besonders wirksam. Leicht zu handhaben und billig, sodass es in jede Hand gegeben werden konnte, war sein praktischster Vorteil und der groesste Unterschied zum Ritterschwert, das eine Ausbildung in der Schwertkunst verlangte.
Schwäche
Die Schwaeche des Falchion ruehrt daher, dass es ein einschneidiges Hiebschwert ist. Mit der Schneide nur auf einer Seite ist es schlecht im geraden Stoss, und da es auf den schweren Hieb spezialisiert ist, sind auch seine Verteidigungsbewegungen wie das genaue Parieren begrenzt. Vor allem sagte gegen einen Feind in hartem Plattenpanzer der Hieb kaum etwas aus, sodass es fuer den Kampf gegen Panzer ungeeignet war. Das heisst, das Falchion war eine Waffe, die gegen einen ungepanzerten Feind glaenzte, aber seine Grenzen waren klar, einem schwer gepanzerten Ritter von vorn zu begegnen.
Kulturelle Bedeutung
Das Falchion ist eine Waffe, die fuer das Schwert des gemeinen Mannes des Mittelalters sinnbildlich steht. Wo das Ritterschwert mit seinem kreuzfoermigen Griff ein Sinnbild von Rang und Rittertum war, war das Falchion die billige, praktische Waffe des Fussvolks. Bemerkenswerterweise wurde das Falchion in der mittelalterlichen Kunst oft in die Hand eines Soldaten niederen Standes oder eines Henkers gelegt oder in die einer Gestalt, die als der Feind gezeichnet wurde, eines sarazenischen Soldaten, Goliaths, eines Verfolgers, als ein ikonographisches Zeichen, im Gegensatz zum kreuzfoermigen Schwert des edlen Ritters gesetzt. Dies ist zum Teil Kunst, die die Tatsache widerspiegelt, dass das Falchion wirklich die schlichte, grobe Klinge des gemeinen Fussvolksmanns war.
In der Popkultur
Das Falchion erscheint reichlich in mittelalterlichen Handschriftenabbildungen wie der Maciejowski-Bibel, durch die seine Form bis heute ueberlebt. In Fantasy und Spielen erscheint es gewoehnlich als eine Klasse schwerer, starker Hiebwaffe, doch seine Form ist oft anders als das geschichtliche Falchion: das Falchion der Fiktion wird gewoehnlich als ein tief gebogenes Schwert wie ein Krummsaebel gezeichnet, waehrend das wirkliche Falchion einen nahezu geraden Ruecken und eine sich zur Spitze hin verbreiternde Klinge hatte. Es ist eine fesselnde Waffe, deren Name vertraut, deren wahre Form aber weithin falsch bekannt ist.
Trivia
- Falchions, die als echte Funde ueberliefert sind, sind sehr selten; das bekannteste ist das Conyers-Falchion von etwa dem 13. Jahrhundert, in der Kathedrale von Durham in England aufbewahrt und mit der Legende verbunden, dass Sir John Conyers den Sockburn Worm, ein drachenartiges Ungeheuer, erschlug, und die meisten anderen Bilder des Falchion kommen uns durch Handschriftenmalerei und Bildhauerei zu.
- In der mittelalterlichen Kunst wurde das Falchion oft in die Hand eines Soldaten niederen Standes oder eines Henkers oder einer Feindgestalt wie eines Sarazenen oder Goliaths gezeichnet, als ikonographisches Zeichen, dem kreuzfoermigen Schwert des edlen Ritters entgegengesetzt, was die Tatsache widerspiegelt, dass das Falchion wirklich die billige, grobe Klinge des Fussvolks war.
- Das Falchion soll sich aus den Schneidwerkzeugen des Schlachtens und der Landwirtschaft und aus der Tradition des einschneidigen Sax-Messers entwickelt haben und ist dem deutschen Grossen Messer nahe, doch in der modernen Fantasy und in Spielen wird es gewoehnlich falsch als ein tief gebogenes Schwert wie ein Krummsaebel gezeichnet.
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