
Flegel
Die Kettenwaffe des Mittelalters
Der Flegel ist eine Schlagwaffe mit einem metallenen Kopf, einer Kugel mit oder ohne Stacheln, durch eine Kette mit einem Stiel verbunden. Weil die Kette den Kopf frei schwingen laesst, gilt sein Hauptvorteil darin, dass er ueber oder um einen feindlichen Schild herum schwingen kann, um dahinter zu treffen. Die gaengige einhaendige Form hat einen Stiel von etwa 40 bis 60 cm und eine Kette von etwa 30 bis 50 cm, insgesamt etwa 80 bis 110 cm. Wie weit dieser bestachelte, einhaendige Kettenflegel jedoch wirklich gebraucht wurde, ist unter Gelehrten umstritten: Er erscheint in mittelalterlichen Abbildungen und Berichten, doch echte erhaltene Stuecke sind sehr selten, sodass manche Historiker an seiner Verbreitung zweifeln. Man nimmt an, dass er aus dem landwirtschaftlichen Dreschflegel zum Schlagen von Getreide zur Waffe gemacht wurde.
Ursprung
Der Flegel soll im mittelalterlichen Europa aus dem landwirtschaftlichen Dreschflegel zum Schlagen von Getreide hervorgegangen sein. Sein Anfang war der Bauer, der den Dreschflegel, einen langen Stiel und einen kuerzeren Schlagbalken durch Leder oder Kette verbunden, zur Waffe machte. Besonders in den Hussitenkriegen des Boehmen des 15. Jahrhunderts nahmen die von Jan Zizka gefuehrten Bauernheere den aus dem Dreschflegel entwickelten Kriegsflegel, auf Tschechisch den Cep, als Hauptwaffe, und sein Gebrauch ist klar belegt. Der dem Publikum vertraute bestachelte einhaendige Flegel hingegen erscheint in Abbildungen des 14. bis 16. Jahrhunderts, ist aber unter echten Funden so selten, dass die Debatte ueber seine wirkliche Verbreitung andauert.
Merkmale
- Ein Aufbau aus Stiel, Kette und metallenem Kopf, einer Kugel
- Ein biegsamer Aufbau, der um einen Schild schwingen kann, um dahinter zu treffen
- In der einhaendigen Form ein Stiel von etwa 40 bis 60 cm und eine Kette von etwa 30 bis 50 cm
- Aus dem landwirtschaftlichen Dreschflegel zum Schlagen von Getreide entwickelt
- Von umstrittener geschichtlicher Verbreitung, da echte Funde selten sind
- In einer Hand oder mit beiden gefuehrt
Geschichten
Die Staerke des Flegels lag in seiner schwer vorhersehbaren Bahn. Ein starrer Streitkolben oder ein Schwert wird von einem Schild aufgehalten, doch ein an einer Kette haengender Kopf konnte ueber oder um einen Schild schwingen, um den dahinter geschuetzten Feind zu treffen. Er war auch wirksam darin, die Wucht des Schwungs in den einzigen schmalen Punkt des Kopfes zu buendeln und den Stoss durch den Panzer zu tragen. Vor allem konnte, wie bei den Bauernheeren der Hussitenkriege, Fussvolk, das sich keine teuren Waffen leisten konnte, ein Ackergeraet wie es war zur Waffe nehmen, sodass der Kriegsflegel als Hauptstuetze eines Volksheeres diente.
Schwäche
Die Schwaeche des Flegels ist die Kehrseite seiner Biegsamkeit. Ein an einer Kette haengender Kopf ist schwer genau zu zielen, und einmal geschwungen, ist er schwer anzuhalten oder umzulenken, sodass bei einem Fehlschlag sein Rueckschlag auf den Fuehrenden selbst zurueckkommen kann. Er kann nicht zum Parieren in der Verteidigung gebraucht werden wie ein Schwert. Vor allem traegt er, weil der Kopf weit ausschwingt, in engem Raum oder dichter Formation eine grosse Gefahr, selbst die eigenen Kameraden zu verwunden, sodass er ohne genug Platz und Geschick eine gefaehrlich zu handhabende Waffe war.
Kulturelle Bedeutung
Der Flegel ist ein Sinnbild des Volksaufstands, der ein Ackergeraet zur Waffe nahm. Der Anblick des boehmischen Bauernheeres mit Dreschflegeln, das sich in den Hussitenkriegen einem regulaeren Ritterheer entgegenstellte, wird als Szene erinnert, die die Macht in der Waffe des gemeinen Mannes zeigte. Der bestachelte einhaendige Flegel hingegen hat sich in der modernen Volksvorstellung als eine der mittelalterlichsten Waffen festgesetzt, doch eben seine geschichtliche Wirklichkeit und Verbreitung sind umstritten, und er wird oft als Fall angefuehrt, der zeigt, wie ein romantisch aufgeblaehtes Bild der Geschichte entsteht.
In der Popkultur
Der Flegel ist eine der beliebtesten mittelalterlichen Waffen in Fantasy und Spielen. In unzaehligen Rollen- und Actionspielen einschliesslich Dungeons and Dragons und in Filmen mittelalterlicher Kulisse wird das Schwingen einer bestachelten Kugel an einer Kette als der Inbegriff der brutalen, maechtigen Waffe gezeichnet, oft als sinnbildliche Waffe eines Ritters oder Schurken. Bemerkenswerterweise ist dieser einhaendige Flegel, den das Publikum fuer den mittelalterlichsten haelt, hoechstwahrscheinlich ein romantisch aufgeblaehtes Bild spaeterer Zeit, und die Fiktion hat nur dazu beigetragen, diesen grellen Eindruck weiter zu verfestigen.
Trivia
- Der Flegel geht aus dem landwirtschaftlichen Dreschflegel hervor, einem Geraet aus langem Stiel und kurzem Balken, biegsam verbunden, zum Schlagen von Getreide, und in den Hussitenkriegen des Boehmen des 15. Jahrhunderts nahm das von Jan Zizka gefuehrte Bauernheer den daraus entwickelten Kriegsflegel, den Cep, als Hauptstuetze.
- Der dem Publikum vertraute bestachelte einhaendige Kettenflegel ist unter echten Funden so selten, dass viele Stuecke in Museen und Sammlungen fuer romantische Nachbildungen des 19. Jahrhunderts gehalten werden, und manche Historiker bezweifeln, dass er je eine gaengige Schlachtfeldwaffe war.
- Die Kette ist sowohl die Staerke des Flegels als auch seine Gefahr: Sie laesst den Kopf um einen Schild schwingen, um dahinter zu treffen, doch er kann nicht genau gezielt, nicht zum Parieren gebraucht werden und kann auf den Fuehrenden zurueckschlagen, was ihn fuer den Kampf in dichter Formation unter Verbuendeten ungeeignet macht.
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