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vritra
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Vritra (Sanskrit Vṛtra) ist der maechtigste boese Drache-Schlange der vedischen indischen Mythologie und der aelteste belegte Beleg fuer das indogermanische Chaoskampf-Motiv (Sturmgott gegen vielkoepfige Schlange) im erhaltenen Textbestand. Der Sanskritname stammt selbst von der Verbwurzel vṛ ('bedecken, einschliessen'), also 'der Einhuellende, der Verschliesser'. Vritra wird als grosse beinlose Schlange (ahi, 'Schlange') oder als ringfoermiger Berg dargestellt. Seine Kernrolle ist die Verkoerperung der Duerre: indem er sich mit seinem Leib um die sieben grossen Stroeme (Sapta Sindhu) des indischen Subkontinents wickelt, haelt er die Wasser gefangen und bringt der Menschheit Durst und Tod. Er wohnt in einer Festung aus neunundneunzig konzentrischen Vorhoefen (pura). Sein ewiger Gegner ist der Donnergott Indra; das Duell Indra-Vritra ist die zentrale Schlacht des vedischen Korpus, am vollstaendigsten erzaehlt im Rigveda 1.32 — Indra erhaelt von dem goettlichen Schmied Tvaṣṭṛ die Vajra ('Donnerkeil' oder 'Diamantkeule'), durchbricht die neunundneunzig Vorhoefe und spaltet Vritras Kopf; die in seinem Leib gefangenen sieben Stroeme stuerzen hervor und bringen den Subkontinent zum Leben. Im spaeteren Hinduismus (Mahābhārata, Bhāgavata Purāṇa) wird Vritra als Bruder von Tvaṣṭṛs Sohn Viśvarūpa neu erzaehlt, urspruenglich Indras Freund, durch goettlichen Verrat getoetet, wodurch Indra die Suende der brahmahatyā ('Toetung eines Brahmanen') auf sich laedt.

Ursprung

Die direkte Textquelle ist der Rigveda (kompiliert um 1500-1200 v. u. Z. von indo-arischen Stammen im Punjab), wo das Indra-Vritra-Duell ueber die Mandalas 1, 2, 3, 4, 6 und 10 verstreut ist; die vollstaendigste Schlachtszene steht in Rigveda 1.32, fuenfzehn Verse lang, oft als das Wesen der vedischen Indra-Hymnen bezeichnet. Die vergleichende Mythologie klassifiziert die Erzaehlung als aeltesten erhaltenen Fall des indogermanischen Chaoskampfes — Indra gegen Vritra, griechischer Zeus gegen Typhon, nordischer Thor gegen Jörmungandr, mesopotamischer Marduk gegen Tiamat, hethitischer Teshub gegen Illuyanka — eine Einordnung, die Georges Dumézil (1898-1986) in 'Ouranós-Váruna' (1934) und 'Loki' (1948) sowie Calvert Watkins (1933-2013) in 'How to Kill a Dragon: Aspects of Indo-European Poetics' (Oxford University Press, 1995) verfeinert haben. Die spaetere hinduistische Umdeutung — die Toetung von Tvaṣṭṛs Sohn Viśvarūpa und Indras daraus folgende Suende der brahmahatyā — findet sich im Mahābhārata (erstes bis viertes Jahrhundert u. Z.), im Bhāgavata Purāṇa (achtes bis zehntes Jahrhundert) und im Viṣṇu Purāṇa.

Merkmale

  • Grosse beinlose Schlange (ahi) oder ringfoermiger Berg
  • Sanskritname 'der Einhuellende, der Verschliesser' (von der Wurzel vṛ, 'bedecken')
  • Verkoerperung der Duerre, die sieben Stroeme (Sapta Sindhu) in seinem Leib gefangen haltend
  • Wohnt in neunundneunzig konzentrischen Vorhoefen (pura)
  • Ewiger Gegenspieler Indras; kanonisches Beispiel des Sturmgott-gegen-Schlange-Chaoskampfes
  • Nur durch Indras goettliche Vajra zu toeten; Schwachstelle ist der Kopf

Geschichten

Der Vritra-Mythos diente urspruenglich als vedische Erklaerung des Monsuns auf dem indischen Subkontinent und gilt heute in der vergleichenden Mythologie Dumézils und Watkins' als der lehrbuchhafte aelteste Beleg des indogermanischen Chaoskampfes. Moderne Adaptionen sind die Vritra-Bossfiguren in Atlus' 'Megami Tensei'-Reihe und der spielbare Charakter Vritra in 'Smite' (2014) von Hi-Rez Studios.

Schwäche

Vritras entscheidende Schwachstelle ist sein Kopf, verwundbar nur durch die goettliche Vajra, geschmiedet von Tvaṣṭṛ. Die neunundneunzig konzentrischen Festungen sind formidabel, doch eine spaetere Variante im Mahābhārata erklaert, dass Indra in der Daemmerung durch Schaum eindrang — weder Wasser noch Land, weder Tag noch Nacht, weder Mensch noch Tier —, um die Schutzbanne zu umgehen.

Kulturelle Bedeutung

Der Mythos wird in der vergleichenden Mythologie als aeltestes kanonisches Beispiel des indogermanischen Chaoskampf-Motivs gelesen (Sturmgott gegen Schlange), mit Parallelen im griechischen Zeus gegen Typhon, im nordischen Thor gegen Jörmungandr, im mesopotamischen Marduk gegen Tiamat und im hethitischen Teshub gegen Illuyanka. Er gilt als grundlegende mythische Erklaerung von Duerre und Regen in der indo-arischen Tradition.

In der Popkultur

Rigveda 1.32 (um 1500-1200 v. u. Z.), Indra-Vritra-Hymnen in den Mandalas 1, 2, 3, 4, 6 und 10 des Rigveda, das Udyoga Parva des Mahābhārata (erstes bis viertes Jahrhundert u. Z.), das Bhāgavata Purāṇa (achtes bis zehntes Jahrhundert), Georges Dumézils 'Ouranós-Váruna' (1934) und 'Loki' (1948), Calvert Watkins' 'How to Kill a Dragon' (Oxford University Press, 1995), der Vritra der 'Megami Tensei'-Reihe von Atlus und der Vritra von Hi-Rez Studios' 'Smite' (2014).

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