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Lorica segmentata

Segmentierte Plattenrüstung der römischen Legionen

Die Lorica segmentata ist der Schienenpanzer des antiken roemischen Legionaers, ein Aufbau aus mehreren gebogenen Eisenplatten, oder Baendern, durch Lederriemen und bronzene Schnallen und Haken verbunden, um den Rumpf und die Schultern zu umschliessen. Hauptsaechlich im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. gebraucht, gleiten ihre waagerecht ueberlappenden Guertelbaender und Schulterschuetze mit der Bewegung des Koerpers wie der Panzer eines Hummers, um ihn zu schuetzen. Staerker gegen Hiebe und Pfeile als das Kettenhemd (die Lorica hamata) gleichen Gewichts und doch leicht genug, um die Beweglichkeit zu wahren, liess sie sich fuer den Transport auf dem Marsch in einige Teile zerlegen. Auf den Reliefs der Trajanssaeule im Einzelnen gemeisselt, wurde sie zum Sinnbild der roemischen Legion. Der Name Lorica segmentata ist jedoch nicht antik, sondern ein spaeterer, im 16. Jahrhundert gegebener, und der Name, den die Roemer dafuer tatsaechlich gebrauchten, ist nicht ueberliefert.

Ursprung

Die Lorica segmentata erschien um das fruehe 1. Jahrhundert n. Chr. im roemischen Heer und wurde rund zwei Jahrhunderte lang, bis ins 3., als Panzer des Legionaers gebraucht. Ihre fruehste Form geht auf den Kalkriese-Typ aus dem Gebiet des Teutoburger Waldes zurueck und veraenderte sich spaeter in den Corbridge- und den Newstead-Typ. Statt das aeltere Kettenhemd ganz abzuloesen, wurde dieser Panzer neben ihm getragen, und vom 3. Jahrhundert an, als sich die Gliederung und das Nachschubwesen des roemischen Heeres aenderten, verschwand er allmaehlich und wich wieder dem Kettenhemd und dem Schuppenpanzer. Das heisst, die Segmentata war nur die Form, die einen Zeitabschnitt des roemischen Panzers darstellte, nicht das, was jede Epoche und jede Truppenart trug.

Merkmale

  • Mehrere gebogene Eisenplatten, oder Baender, durch Lederriemen und Schnallen verbunden
  • Schutz auf Rumpf und Schultern fuer die Beweglichkeit
  • Staerker gegen Hiebe und Pfeile als das Kettenhemd gleichen Gewichts
  • Auf dem Marsch in einige Teile zerlegbar fuer den Transport
  • Auf der Trajanssaeule und anderen antiken Resten im Einzelnen dargestellt
  • Der Name Segmentata ist eine spaetere Praegung des 16. Jahrhunderts

Geschichten

Die Lorica segmentata war der Standard-Rumpfpanzer des roemischen Legionsfussvolks, ueber einem dicken gepolsterten Untergewand getragen. Die waagerecht ueberlappenden Eisenbaender bewegten sich wie gleitend, wenn sich der Koerper beugte und streckte, sodass sie, schwerer Plattenpanzer wie sie war, die Kampfbewegung des Legionaers, in dichter Formation das Schwert zu ziehen und zu stossen, nicht behinderte. Zusammen mit dem Helm und dem grossen Schild, dem Scutum, ausgeruestet, schuetzte sie den Rumpf fest vor Hieben und Geschossen und liess doch freies Kaempfen zu. Da sie mit Lederriemen und Schnallen geschlossen wurde, liess sie sich verhaeltnismaessig leicht an- und ablegen, und auf dem Marsch wurde sie in einige Teile zerlegt und auf dem Ruecken getragen.

Schwäche

Die Schwaeche der Lorica segmentata liegt in ihrem Schutzbereich und der Muehe der Wartung. Da sie nur Rumpf und Schultern bedeckte, liess sie Arme und Beine ungeschuetzt, und vor allem korrodierten oder verrotteten die vielen kleinen Beschlaege wie Lederriemen, Schnallen und Haken und das Leder selbst und rissen leicht, sodass sie haeufige Wartung brauchte. Obwohl die Teile genormt waren, musste sie eher mit staendigen kleinen Reparaturen gepflegt werden, als dass man eine Ruestung ganz lange am Stueck gebrauchte wie beim Kettenhemd. Letztlich wich sie vom 3. Jahrhundert an wieder dem einfacheren, robusteren, leichter zu wartenden Kettenhemd und Schuppenpanzer.

Kulturelle Bedeutung

Die Lorica segmentata ist der Panzer, der in der modernen Volksvorstellung die roemische Legion und das Reich selbst symbolisiert. Die Gestalt des Legionaers im Guertelband-Panzer, auf den Reliefs der Trajanssaeule gemeisselt, wurde zum Bild, das bei den Worten roemischer Soldat in den Sinn kommt. Dies vereinfacht jedoch die Wirklichkeit etwas: das roemische Heer trug im selben Zeitraum nicht weniger Kettenhemd und Schuppenpanzer, und die Hilfstruppen trugen gewoehnlich Kettenhemd; die Segmentata war nie der Panzer jedes roemischen Soldaten. Dass selbst der Name Segmentata in der Renaissance gepraegt wurde, zeigt, wie das Bild, das wir vom roemischen Panzer haben, entstand.

In der Popkultur

Die Lorica segmentata fehlt nie als sinnbildlicher Panzer des Legionaers in Werken ueber Rom. Sie wird als Standardgewand des roemischen Legionaers im Film Gladiator, der Serie Rom und Strategiespielen wie Rome Total War gezeichnet. Ihre eigentuemliche Form aus ueberlappenden waagerechten Baendern wird als Sehzeichen gebraucht, das auf einen Blick sagt, dies ist das roemische Heer. In der Fiktion wird die Segmentata jedoch oft jedem roemischen Soldaten ungeachtet der Epoche und der Truppenart angelegt, sodass die geschichtliche Tatsache, dass das Kettenhemd ebenso oder haeufiger war, verdeckt wird.

Trivia

  • Der Name Lorica segmentata, gegliederter Panzer, ist nicht antik, sondern eine spaetere Praegung des 16. Jahrhunderts, und der Name, mit dem die Roemer diesen Panzer tatsaechlich benannten, ist nicht ueberliefert.
  • Das sinnbildliche Bild des Legionaers in Segmentata kommt groesstenteils von der Trajanssaeule (um 113 n. Chr.), doch das wirkliche roemische Heer trug Kettenhemd (Lorica hamata) und Schuppenpanzer (Lorica squamata) nicht weniger, und die Hilfstruppen trugen gewoehnlich Kettenhemd, sodass die Segmentata nie allgemein war.
  • Unser Wissen davon, wie dieser Panzer gebaut war, kommt groesstenteils aus archaeologischen Funden, vor allem dem Corbridge-Hort des roemischen Britannien, der die Beschlaege und Baender gut bewahrte und eine genaue Rekonstruktion ermoeglichte (der Corbridge-Typ), waehrend die frueheren und spaeteren Spielarten Kalkriese- und Newstead-Typ heissen.

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