
Lorica hamata
Kettenrüstung des römischen Legionärs
Die Lorica Hamata ist die Ruestung, die die roemische Legion am laengsten trug, und der lateinische Name hamata kommt vom hamus, dem Haken, und bedeutet den Brustpanzer aus gehakten Ringen. Kleine Eisenringe, jeder mit vier Nachbarn verknuepft, wurden wie zu einem Tuch zusammengewoben, und es wechselten sich Reihen vernieteter Ringe und Reihen geschlossener, durchstossener Ringe ab, und dieses Gewebe ist sein deutlichstes Kennzeichen. Eine einzige Garnitur bestand aus mindestens zwanzigtausend und hoechstens dreissigtausend Ringen, und auf den Schultern war eine doppelte Lage hinzugefuegt, die einen festen Sitz gegen den Hieb von oben bildete. Die Lorica Segmentata mit Laminarplatten ist das bekannteste Zeichen Roms in Film und Historiendrama, aber in Wahrheit fasste die Hamata viel frueher Fuss und lebte viel laenger, und wurde gleichermassen von den Hilfstruppen, der Reiterei und vielen Legionaeren getragen. Eine Garnitur wog etwa zehn bis fuenfzehn Kilogramm, nicht viel mehr als die Segmentata, und mit dem grossen Vorteil, dass ein durchtrennter Ring an Ort und Stelle im Lager ersetzt werden konnte, nahm die Hamata den Platz des praktischsten einzelnen Ruestungsstuecks im Felde ein.
Ursprung
Die Erfindung des Kettenpanzers wird den Kelten Mitteleuropas etwa im 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus zugeschrieben, und Rom, im Kontakt mit den Kelten Norditaliens und Galliens, nahm dasselbe Handwerk in sein eigenes Heer auf. Polybios im 2. Jahrhundert vor Christus haelt in seinen Historien bereits fest, dass es einen Mann im Kettenpanzer in der roemischen Linie gab, und die Gestalt der Lorica Hamata wird im Platz der Hannibalischen Kriege des spaeten 3. Jahrhunderts vor Christus als fest gesetzt gehalten. Dieselbe Garnitur wurde im spaeten Republik und in Caesars Eroberung Galliens (58-50 v. Chr.) zur Kernruestung des roemischen Fussvolks, und auch als die Lorica Segmentata im fruehen 1. Jahrhundert nach Christus neben ihr Platz nahm, verbrachten die beiden ein Zeitalter zusammen. Als die Segmentata im spaeten 3. Jahrhundert allmaehlich verschwand, nahm die Hamata ihren Sitz wieder ein, und derselbe Sitz lief weiter ins spaete Reich und in das byzantinische Heer und wurde schliesslich der direkte Vorfahre des mittelalterlichen europaeischen Kettenhemds. So steht die Lorica Hamata als seltener Fall einer einzigen Ruestung, die ueber sieben Jahrhunderte einer Zivilisation hinwegging.
Merkmale
- Ein Gewebe aus zwanzigtausend bis dreissigtausend kleinen Eisenringen, wie zu einem Tuch zusammengelegt
- Eine Struktur, in der Reihen vernieteter Ringe und Reihen durchstossener geschlossener Ringe wechselten
- Ein fester Sitz auf den Schultern durch eine doppelte Lage
- Etwa zehn bis fuenfzehn Kilogramm Gewicht, ein Ausgleich von Beweglichkeit und Verteidigung
- Ein praktisches Stueck, das im Lager an Ort und Stelle durch das Ersetzen eines durchtrennten Rings ausgebessert werden konnte
- Ein Gebrauch, der etwa siebenhundert Jahre lief, vom 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 5. Jahrhundert des Westreiches
Geschichten
Die Lorica Hamata erreichte als einzige Garnitur das roemische Fussvolk fast jedes Zeitalters, von der Manipellegion der Republik bis zu den Comitatenses, den Feldtruppen, des spaeten Reiches. Darin trug der Mann eine dicke Tuchtunika, zog die Hamata ueber den Kopf auf die Schultern und band sie dann an der Huefte mit einem Lederguertel, sodass das Gewicht der Ruestung zwischen Schulter und Huefte verteilt war. Dieselbe Garnitur hielt gegen die schneidenden und schlitzenden Schaerfen der grossen Schwerter der Kelten und Germanen und gegen die Falx der gallischen und dakischen Kriege, und tat ihr Werk jeweils einmal. In Caesars Eroberung Galliens (58-50 v. Chr.), in Trajans Dakischen Kriegen (106 n. Chr.) und weiter bis zur Krise des 3. Jahrhunderts und den Barbareneinfaellen des spaeten Reiches nahm dieselbe Gestalt den Hieb an einem Ort auf. Dieselbe Ruestung wurde auch im Sitz des Reiters weit getragen, und die Hilfsreiterei und der spaetere Kataphrakt trugen beide denselben Kettenpanzer unter einer leichten aeusseren Lage. Indem eine einzige Ruestung jeden Sitz eines Heeres beruehrte, ist die Lorica Hamata die dickste einzelne Linie der roemischen Militaergeschichte.
Schwäche
Die groesste Schwaeche der Lorica Hamata lag gegen den Stich und den schweren Schlag des Knueppels. Das Kettengewebe, wie ein Tuch gewoben, war stark gegen die schneidende Schaerfe, aber gegen eine Ahlspitze, die genau auf einen Punkt getrieben wurde, sammelten sich die Ringe an jenem Ort an einem Punkt und oeffneten sich, und so war es schwach gegen den Hieb einer Stangenwaffe wie der Falcata oder der dakischen Falx, oder gegen den Schlag eines grossen Kettenhammers. Ferner hatte das Kettenhemd nicht eine einzige grosse Flaeche, die den Stoss zur Seite wandte, sondern ein Gewebe, das den Stoss an einem Punkt sammelte, sodass, wenn dieselbe Stelle immer wieder getroffen wurde, eine grosse Quetschung oder ein Bruch dort blieb, und so musste ein dickes Tuchgewand stets darunter getragen werden. Das Gewicht erreichte zehn bis fuenfzehn Kilogramm, und dasselbe Gewicht hing ganz auf den Schultern, sodass lange Maersche in derselben Ruestung zu einer grossen Last fuer Schulter und Huefte des Fussmanns wurden. Vor allem nahm eine einzige Garnitur fast einen Monat der Arbeit eines einzigen Ruestungsmeisters in Anspruch, sodass dieselbe Ruestung keineswegs billig war und eine lange Zeit noetig war, bis eine ganze Legion im gleichen Aufzug stand.
Kulturelle Bedeutung
Die Lorica Hamata ist eine einzige Ruestung, die ueber sieben Jahrhunderte einer Zivilisation, die Roms, an einem Sitz lief, und sie steht selbst als das Zeugnis, dass ein einziges Kriegsgeraet den laengsten Weg einer Zivilisation gehen kann. An der Trajanssaeule, die in Rom errichtet wurde, um Trajans Dakische Kriege (106 n. Chr.) zu kennzeichnen, stehen die Lorica Hamata und die Lorica Segmentata zusammen an einem Ort, und die anderen Sitze derselben Zeit, die Reliefs Pompejis, die Lagerfunde der germanischen Grenze und die Ringgarnituren, die in den Lagern Britanniens und der Donau ausgegraben wurden, zeigen am klarsten, dass die beiden Ruestungen desselben Sitzes einander nicht verdraengten, sondern einander ergaenzten. Vor allem lief dasselbe Kettengewebe nach dem Fall Roms unverandert weiter in den byzantinischen und germanischen Nachfolgereichen und wurde zum direkten Vorfahren des mittelalterlichen europaeischen Kettenpanzers, des Kataphrakten des Byzantiniums des 6. Jahrhunderts, des Ritters der Karolinger des 8. Jahrhunderts und des Hauberks der Normannen des 11. Jahrhunderts. So ist die Lorica Hamata eine Linie einer einzigen Ruestung, die nicht zum Ende eines Zeitalters, sondern darueber hinaus in ein anderes lief.
In der Popkultur
Die Lorica Hamata in Filmen, Historiendramen und Spielen ueber Rom ist lange hinter der Lorica Segmentata, dem Zeichen der Epoche, verborgen geblieben und gewinnt langsam ihren eigenen Sitz zurueck. Im HBO-Historiendrama Rom (2005) ist das gleiche Kettengewebe am Sitz der Hilfstruppen und der Reiterei klar gezeichnet und fuellt den Bildschirm neben der Segmentata, und das dunkle Kettengewebe, das Maximus in Gladiator (2000) traegt, steht ebenfalls in derselben Linie. In Ridley Scotts Gladiator II (2024), dem BBC-Historiendrama Britannia und am byzantinischen Sitz in Koenigreich der Himmel erscheint dieselbe Ruestung oft. Die Strategiespiele Total War: Rome II, Imperator: Rome und Civilization VI setzen das Hilfstruppen-Kettengewebe und die Eliteplattenruestung der Legion getrennt und zeigen die beiden Linien nebeneinander, und im Aktions-Rollenspiel Ryse: Son of Rome und in Assassin's Creed: Origins, an den roemischen Sitzen in Kleopatras Aegypten, erscheint dieselbe Garnitur des Kettenpanzers an vielen Stellen.
Trivia
- Die Erfindung des Kettenpanzers selbst wird den Kelten Mitteleuropas etwa im 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus zugeschrieben, und Rom, im Kontakt mit den Kelten Norditaliens und Galliens, nahm dasselbe Handwerk in sein eigenes Heer auf, sodass die Lorica Hamata als seltener Fall einer einzigen Ruestung steht, die aus der Hand des Feindes in die eigene Hand uebergeht und zum Zeichen der eigenen Zivilisation wird.
- An der Trajanssaeule, die in Rom errichtet wurde, um Trajans Dakische Kriege (106 n. Chr.) zu kennzeichnen, stehen die Lorica Hamata und die Lorica Segmentata zusammen an einem Ort, und es ist das klarste einzelne Stueck Bezeugung, dass die beiden Ruestungen ein Zeitalter zusammen verbrachten.
- Eine einzige Garnitur Lorica Hamata bestand aus zwanzigtausend bis dreissigtausend kleinen Eisenringen, und fast ein Monat der Arbeit eines einzigen Ruestungsmeisters war noetig, um eine zu weben, sodass es eine ganze Legion (etwa fuenftausend Mann) im gleichen Aufzug ebenso viel Zeit und Kosten erforderte wie der ganze jaehrliche Kriegshaushalt eines Stadtherrn.
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