
Rundschild
Von der Antike bis zum Mittelalter weit verbreiteter Rundschild
Der Rundschild ist der Zweig des Schildes, der aus einer flachen Scheibe einer einzigen runden Flaeche gemacht ist, und seine klarste Gestalt ist der runde Schild, den der Wikingerkrieger Skandinaviens im 8. bis 11. Jahrhundert trug. Er war aus leichten Holzbrettern, meist aus Linde oder Tanne, etwa fuenfundsiebzig bis neunzig Zentimeter im Durchmesser, mit kreuzweisem Faserverlauf zusammengefuegt, mit einem eisernen Schildbuckel (Boss) in der Mitte, der die Faust des Mannes deckte, und im Inneren des Bosses einem kurzen Griff, der mit einer Hand gehalten wurde. Mit drei bis fuenf Kilogramm Gewicht war er leicht genug, um in einer Hand frei geschwungen zu werden, verglichen mit den grossen Drachenschilden und runden Targen desselben Zeitalters, und der Boss selbst wurde als Waffe gebraucht, der gerade auf das Gesicht oder die Schwerthand des Feindes geschlagen wurde. In der Schildmauer (skjaldborg), in der die Krieger in einer einzigen Linie standen und ihre Schilde leicht ueberlappten, hatte derselbe Schild seinen groessten Sitz, waehrend ein Krieger, der einen allein trug, mit Schwert und Axt je in einer Hand, hin und her stroemte und kaempfte.
Ursprung
Der Rundschild selbst stand schon am fruehesten Ort, an dem die Menschenhand einen Schild machte, und der Aspis Griechenlands, der Parma der roemischen Reiterei und die Rundschilde der Kelten und Germanen stehen alle in derselben Linie. Der Ort, an dem der flache einhaendige Rundschild des Wikingers, wie wir ihn uns vorstellen, Fuss fasste, wird im spaeten 7. Jahrhundert Skandinaviens gehalten, mit den Rundschilden der frueheren germanischen Voelker und der Angelsachsen als seiner Mutter. Der praechtige Rundschild mit einem verzierten Boss aus dem Schiffsgrab von Sutton Hoo im oestlichen England des fruehen 7. Jahrhunderts steht am fruehesten Sitz derselben Linie. Dieselbe Gestalt wurde im spaeten 8. Jahrhundert zum Standard des Wikingerzeitalters, und am Schiffsgrab von Gokstad in Norwegen von etwa 880 wurden vierundsechzig Rundschilde, abwechselnd schwarz und gelb bemalt, an einem Ort ans Licht gebracht und zeigen auf einen Blick, wie ein einziger Schild desselben Zeitalters im Lager in Linie stand. Dieselbe Linie wich vom spaeten 11. Jahrhundert an dem Drachenschild allmaehlich, lebte aber in der Hand des Fussmanns bis ins 14. Jahrhundert weiter.
Merkmale
- Eine flache runde hoelzerne Scheibe von etwa fuenfundsiebzig bis neunzig Zentimetern im Durchmesser
- Eine Struktur, in der ein runder eiserner Boss in der Mitte die Faust deckte
- Ein zentraler Griff einer kurzen Stange im Boss, mit einer Hand gehalten
- Ein leichtes Gewicht von etwa drei bis fuenf Kilogramm, frei in einer Hand geschwungen
- In der Schildmauer (skjaldborg) stand er in einer einzigen Linie, um eine Mauer zu bilden
- Bemalt mit kuehnen geometrischen Zeichen und mythischen Gestalten, die die Identitaet des Kriegers nannten
Geschichten
Der Rundschild war das gepaarte Geraet des Wikingerkriegers, der ihn in einer Hand und ein Schwert oder eine Axt in der anderen hielt. Dasselbe einzelne Stueck wandte oft den Hieb des Feindes ab, statt ihn flach aufzunehmen, indem es die Mitte mit dem Boss schraeg vorhielt, und derselbe Boss wurde oft gerade auf das Gesicht oder die Hand des Feindes geschlagen. Der grosse Sitz war die Formation, die Schildmauer genannt wurde, in der Krieger in einer einzigen Linie standen und dieselben Schilde leicht ueberlappten und eine grosse Wand bildeten, die Pfeile, Speere und Axthiebe gleichermassen auffing. In der Schlacht bei Maldon im oestlichen England 991 und an den drei Schlachten bei Fulford, Stamford Bridge und Hastings, die in einem Jahr 1066 in England aufeinander folgten, prallten die Fussvoelker beider Seiten mit demselben Schild aufeinander, und der Teppich von Bayeux ueber Hastings zeigt die Schildmauer aus Rundschilden der angelsaechsischen Housecarls in einer einzigen Linie in seinem Geweb gewebt. Wenn der Krieger an einem Ort stand, wurde der Schild auf den Ruecken geschlungen, und auf dem Marsch wurde er mit einem Lederriemen, der Guige, ueber die Schulter getragen.
Schwäche
Die groesste Schwaeche des Rundschildes wuchs aus seiner Leichtigkeit. In einer Hand getragen und frei geschwungen, war er aus duennen Holzbrettern gewoben, und so spaltete ein schwerer Axthieb ihn leicht, und zwei oder drei Schilde in einem Kampf wurden oft zerbrochen, und so behandeln die Wikingersagas denselben Schild oft wie ein Stueck zum Aufbrauchen. Die Front war fest genug, doch die Seite und das Bein des Mannes, der ihn trug, blieben stets blank, und so erreichte ein Feind, der von der Seite herumkam, die Hand unmittelbar. Der Boss wurde selbst als Waffe gebraucht, und so war die Hand an dieser Stelle sogleich verwundet, wenn der Boss durch den Hieb eines Feindes abgeschlagen wurde. So halten die Sagas oft fest, dass das Aufschlagen eines neuen Bosses und das Wechseln eines zerbrochenen Schildes das Werk des Alltags war. Als der groessere Drachenschild und der Heater Shield, der ihm folgte, vom spaeten 11. Jahrhundert an denselben Sitz nahmen, gab derselbe Schild seinen Platz in der Hand des Fussmanns langsam ab.
Kulturelle Bedeutung
Der Rundschild ist das klarste visuelle Zeichen der Wikingerkriegerkultur, und die Farben und Zeichen, die auf seiner Flaeche gemalt waren, waren ein einzelnes Stueck Gemaelde, das die Identitaet eines Kriegers des Sagas-Zeitalters von ferne nannte. Die vierundsechzig Rundschilde, abwechselnd schwarz und gelb bemalt, die am Schiffsgrab von Gokstad in Norwegen ans Licht gebracht wurden, sind das klarste Zeugnis jenes Sitzes und zeigen auf einen Blick, wie ein Schild von etwa 880 an einem Ort in Linie stand. Der praechtige Rundschild mit einem verzierten Boss aus dem Schiffsgrab von Sutton Hoo im oestlichen England des 7. Jahrhunderts, mit den kuehnen Tierzeichen am Boss, fuellt den fruehesten Sitz derselben Linie. Vor allem hatten die Wikinger den Brauch, denselben Schild neben dem toten Krieger zu legen, und die Saga-Literatur haelt oft fest, dass das Zerbrechen desselben Schildes eine einzige Tat war, die sowohl den Entschluss des Kriegers als auch seine Bereitschaft, dem Tod zu begegnen, zugleich kennzeichnete. So stand der Rundschild als ein einzelnes Stueck, an dem die Identitaet und die Seele eines Mannes eines Zeitalters beide wohnten, nicht als ein einzelnes Stueck Kriegsgeraet allein.
In der Popkultur
Der Rundschild ist das klarste visuelle Zeichen in Filmen, Historiendramen und Spielen ueber das Wikinger- und das angelsaechsische Zeitalter. Die flachen Rundschilde, die die Wikingerkrieger in Der 13. Krieger (1999), den Thor-Filmen und The Northman (2022) tragen, sind sein vertrautestes Antlitz, und die Historiendramen Vikings (2013-2020) und The Last Kingdom (2015-2022) fuellen fast jede Szene mit demselben Schild, mit bemaltem Boss und allem. Die Aktions-Rollenspiele Assassin's Creed Valhalla (2020) und God of War: Ragnarok (2022) geben die Gestalt des Wikingerkriegers wieder, der den Rundschild in einer Hand und die Axt oder das Schwert in der anderen traegt, und die Strategiespiele Total War Saga: Thrones of Britannia und Crusader Kings III setzen denselben Schild am Sitz des Fussvolks vom 9. bis 11. Jahrhundert. Filme zeichnen jedoch den Rundschild oft zu dick und zeigen ihn kaum je zerbrechend, und truebten so die Wahrheit, dass dasselbe Stueck im Grunde ein Stueck zum Aufbrauchen an einem Sitz war.
Trivia
- Am Schiffsgrab von Gokstad in Norwegen von etwa 880 wurden vierundsechzig Rundschilde, abwechselnd schwarz und gelb bemalt, zusammen ans Licht gebracht, und diese stehen als die klarste Quelle dafuer, wie ein einziger Wikingerschild an einem Sitz in Linie stand.
- An der Schlacht bei Hastings, die 1066 in England gefochten wurde, trafen der Drachenschild des Normannen und der Rundschild des Angelsachsen an einem Ort aufeinander, wie in den Teppich von Bayeux gewebt, und so zeigt dasselbe Jahr, dass es auch ein Ort war, an dem ein einzelner Schild ein Zeitalter hinter sich liess.
- Die Wikinger-Sagaliteratur haelt oft fest, dass das Auswechseln eines zerbrochenen Schildes durch einen neuen das Werk des Alltags war, und vor allem hielt der Brauch, denselben Schild neben dem toten Krieger zu legen, den Rundschild als ein einzelnes Stueck, an dem die Identitaet und die Seele des Kriegers wohnten, nicht als ein einzelnes Stueck Kriegsgeraet allein.
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