LoreArc
goblin
1 / 1
Goblin Alle ansehen

Goblin

Goblin · Das listige kleine Volk — Räuber, die von Zahl und List leben

Der Goblin ist der verbreitetste 'kleine Pluender-Humanoid' der modernen englischsprachigen Fantasy, abstammend von den boshaften Kleinfeen der mittelalterlichen europaeischen Folklore und kodifiziert ueber drei Textebenen: die viktorianische Kinderliteratur in Christina Rossettis 'Goblin Market' (1862) und George MacDonalds 'The Princess and the Goblin' (Edinburgh, 1872), J.R.R. Tolkiens 'Der Hobbit' (1937), Kapitel vier bis sechs, die Goblins der Nebelberge, und das Original-Boxset von Dungeons & Dragons (1974) von Gary Gygax und Dave Arneson. Goblins sind neunzig bis hundertzwanzig Zentimeter gross, mit drahtigem Wuchs, ueberdimensionalen Ohren und Nasen, gelbgruener oder aschfarbener Haut, gelben Augen und scharfen Eckzaehnen. Sie leben in Stammeswarrens in Hoehlen, Ruinen und dunklen Waeldern und ernaehren sich von Fallen, Hinterhalten und Raubzuegen. Ihre Einzelkampfkraft ist niedrig — Herausforderungsgrad 1/4 (sieben Trefferpunkte, Ruestungsklasse fuenfzehn) im Monster Manual der fuenften D&D-Edition (2014) — aber Zahl, Schlaue und Improvisation machen sie zur dauerhaften Bedrohung. Ihre Gesinnung wurde im AD&D Monster Manual von 1977 als Neutral Boese festgelegt. Dieselbe Linie zeigt sich in den Greenskins von Warhammer Fantasy (ab 1983), den Gringotts-Goblins in J.K. Rowlings 'Harry Potter' (ab 1997), den Kezan-Goblins von Blizzards 'World of Warcraft' (ab 2004) und in den postkolonialen Lesarten von R.F. Kuangs 'Babel' (2022).

Ursprung

Die direkte Etymologie ist altfranzoesisch 'gobelin' ('kleiner boshafter Geist') aus dem zwoelften bis dreizehnten Jahrhundert, im vierzehnten Jahrhundert als mittelenglisches 'gobelyn' entlehnt und bei Shakespeare als 'goblin' verankert; weiter zurueck wird die Form mit dem lateinischen 'cobalus' (griechisch 'kobalos', ein bergmanns-quaelender Stollengeist) und dem deutschen 'kobold' der Bergbaufolklore in Verbindung gebracht. Der moderne Fantasy-Archetyp wird durch das viktorianische Paar Christina Rossettis 'Goblin Market' (1862) und George MacDonalds 'The Princess and the Goblin' (Edinburgh, 1872) fixiert, das Tolkien direkt beeinflusste. Tolkien verankerte die Ikonografie in 'Der Hobbit' (1937), Kapitel vier bis sechs, und verwendete ab der zweiten Auflage 1951 'goblin' und 'orc' als Synonyme — eine Gleichsetzung, die in 'Der Herr der Ringe' (1954-55) durchgehend wirksam ist. Dieser Tolkien-Goblin gelangte ins TSR-Original-Boxset von 1974 von Gygax und Arneson und wurde im AD&D Monster Manual von 1977 als lehrbuchhafter schwacher Humanoid (CR 1/4, Neutral Boese) kodifiziert. Das Design wird durch das Monstrous Compendium (1990), das Monster Manual der dritten Edition (2000) und das Monster Manual der fuenften Edition (2014) unveraendert weitergetragen.

Merkmale

  • Neunzig bis hundertzwanzig Zentimeter gross, drahtiger Wuchs
  • Gelbgruene oder aschfarbene Haut, ueberdimensionale Ohren und Nase, gelbe Augen
  • Scharfe Eckzaehne; kaempft in Pluender-Trupps mit gekruemmten Dolchen und Kurzboegen
  • Lebt in Stammeswarrens in Hoehlen, Ruinen und dunklen Waeldern
  • Ueberwaeltigt durch Zahl, Fallen, Hinterhalte und Pluender-Taktik
  • Herausforderungsgrad 1/4, Neutral Boese, in D&D den Hobgoblin-Herren untergeordnet

Geschichten

Dient als kanonische Schwacher-Mob-Pluender-Truppe in Tabletop-Rollenspielen und als Standardfigur fuer Erzaehlungen ueber die Schlaue der Unterlegenen, die Bedrohung durch Masse und die Sicht eines verachteten Volkes. Moderne Adaptionen differenzieren den Goblin nach Beruf — Bankiers und Metallschmiede bei den Gringotts-Goblins in 'Harry Potter', Haendler und Ingenieure bei den Kezan-Goblins in 'World of Warcraft', orkverbuendete Greenskins in Warhammer.

Schwäche

Geringe Einzelkampfkraft und eine feige Ader: Faellt der Haeuptling (Hobgoblin oder Goblin-Boss), zerfaellt der Trupp. Gier und innerer Streit fuehren oft zur Selbstvernichtung; einige abgeleitete Spiele uebernehmen Tolkiens 'sonnenanfaelliger Ork'-Zug auch fuer den Goblin.

Kulturelle Bedeutung

Die Figur ist eine Verschmelzung viktorianischer Kinderliteratur (MacDonald) und Tolkien-Moderne, ueber D&D in die englischsprachige Fantasy nach 1980 als 'kleine Pluender-Rasse' eingegangen. In der Literatur des einundzwanzigsten Jahrhunderts — R.F. Kuangs 'Babel' (2022), den Werken N.K. Jemisins — wird sie zunehmend als koloniale Allegorie des verachteten Volkes gelesen.

In der Popkultur

Christina Rossettis 'Goblin Market' (1862), George MacDonalds 'The Princess and the Goblin' (1872), J.R.R. Tolkiens 'Der Hobbit' (1937), das TSR-Original-Boxset von D&D (1974), das AD&D Monster Manual (1977), das Monster Manual der fuenften Edition (2014), J.K. Rowlings 'Harry Potter und der Stein der Weisen' (1997), Blizzards 'World of Warcraft' (ab 2004), Games Workshops Warhammer Fantasy (ab 1983) und R.F. Kuangs 'Babel' (2022).

Related