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Elf

Elf · Volk des Waldes — Langlebigkeit, Magie, Hüter der Natur

Die Standardrasse der modernen Fantasy: lange, spitze Ohren, schlanke und anmutige Gestalt, Lebensspannen von Jahrhunderten oder Jahrtausenden, tiefe Verbundenheit mit der Natur und Meisterschaft an Bogen und elbischer Magie. Das aelteste direkte Zeugnis sind die altnordischen álfar in Snorri Sturlusons Prosa-Edda (um 1220) und im Codex Regius (um 1270); durch Shakespeares Ein Sommernachtstraum (1595-96) und Spensers The Faerie Queene (1590-96) trat die Gestalt in die englische Literatur ein, und J. R. R. Tolkien gab ihr in The Lord of the Rings (1954-55) und The Silmarillion (1977) das edle, nahezu unsterbliche Hochrassenbild, das seither Standard ist.

Ursprung

Die aeltesten direkten Namen sind das altnordische álfar (Singular álfr) und das altenglische ælf. Snorri Sturlusons Prosa-Edda, Gylfaginning Kap. 17 (um 1220), schreibt, die Ljosalfar seien heller als die Sonne und die Dökkálfar schwaerzer als Pech und wohnten unter der Erde; der Codex Regius (GKS 2365 4to, um 1270, heute im Arni-Magnusson-Institut in Reykjavik) bewahrt in Voluspa und Alvíssmál die Namen vieler álfar und des Elbenkoenigs Alvíss. Das altenglische Beowulf (um 1000 Hs. Cotton Vitellius A. xv, British Library) nennt in Zeile 112 eotenas, ylfe und orcneas als Sippe Kains, und die angelsaechsische medizinische Sammlung Lacnunga (zehntes Jahrhundert, Harley MS 585) ueberliefert den Spruch Wið færstice gegen den Pfeil der Elben. In der spaeteren germanischen Tradition wurden Alb / Elbe als Wald- und Quellgeister erfasst, und Goethes Erlkonig (1782) ist die dunkle Variation. Shakespeares Ein Sommernachtstraum (1595-96) brachte Puck, Oberon und Titania, Edmund Spensers The Faerie Queene (1590-96) die Feenkoenigin in den englischen Literaturkanon; Lord Dunsanys The King of Elfland's Daughter (G. P. Putnam's Sons, 1924) wurde die unmittelbare Bruecke zur Fantasy des zwanzigsten Jahrhunderts. J. R. R. Tolkien kristallisierte das Modell: aus den Entwuerfen seit 1916 (The Book of Lost Tales, History of Middle-earth Bd. 1-2, 1983-84) entstanden The Hobbit (Allen & Unwin, 1937), The Lord of the Rings (1954-55) und The Silmarillion (1977), in denen die Elben in Eldar und Avari mit Unterstaemmen (Vanyar, Noldor, Teleri, Sindar, Umanyar) gegliedert und mit den Kunstsprachen Quenya und Sindarin ausgestattet werden. Gary Gygax' Dungeons & Dragons (TSR, 1974) uebernahm Tolkiens Namen weitgehend; das Advanced Dungeons & Dragons Monster Manual (1977) und das Players Handbook der zweiten Edition (1989) legten die Unterrassen High Elf, Wood Elf, Aquatic Elf und Dark Elf fest.

Merkmale

  • Statur etwa eins achtundsechzig bis eins fuenfundachtzig Meter, schlank und anmutig, mit langen spitzen Ohren
  • Lebensspanne von rund 750 bis 1.200 Jahren in der fuenften D&D-Edition; bei Tolkien faktisch unsterblich, ihre Seelen kehren in die Hallen Mandos zurueck
  • Bogen und leichtes Schwert sowie Magie der Natur, der Illusion und der Heilung; in der fuenften D&D-Edition immun gegen Schlaf und widerstaendig gegen Bezauberung
  • Tiefe Verbindung mit der Natur — sie sprechen mit Wald-Pflanzen und Tieren und sind unter Stern- und Mondlicht wacher als unter der Sonne
  • Hochentwickelte Kunstsprachen: Quenya (finnische Phonologie, lateinische Morphologie) und Sindarin (walisische Phonologie) bei Tolkien, das Elvish der D&D-Tradition

Geschichten

Elben erscheinen als Hueter der Wildnis, als Bewahrer alten Wissens und als Gegenstueck zur sterblichen Menschheit. Tolkiens Galadriel und Elrond sind die letzten grossen Elbenherrscher Mittelerdes, und der Waldelb Legolas — der Seite an Seite mit dem Zwerg Gimli kaempft — ist der Archetyp des Gefaehrten-Elben. Seit der fuenften D&D-Edition gehoeren Elben zu den meistgespielten nichtmenschlichen Rassen in den veroeffentlichten Statistiken. Warcrafts Nachtelfen (Warcraft III, 2002), die Bosmer der Elder Scrolls (ab 1994) und die Aen Seidhe in Andrzej Sapkowskis Witcher-Reihe (supeRNOWA, ab 1990er Jahren) sind die kanonischen modernen Varianten. Kanehito Yamadas Manga Frieren: Beyond Journey's End (Shogakukan, 2020-) versetzt die Elbe in den japanischen Millennial-Registern: eine tausendjaehrige Magierin lernt durch den Tod ihrer menschlichen Gefaehrten, was Zeit und Freundschaft bedeuten koennen.

Schwäche

Die lange Lebensspanne erzeugt Verschlossenheit, Verachtung der kurzen Menschenzeit und Widerstand gegen Veraenderung. Tolkiens Feanor ist das Modell: in seiner Besessenheit fuer die Silmarils verlaesst er Valinor, bringt den Fluch ueber sein Volk und entfacht das erste Bruder-Toten. Langsame Vermehrung erschwert das Wachstum, und die Distanz der Elben zur menschlichen Geschichte kann in Passivitaet umschlagen, wenn ihre Waelder gefaellt werden — Sapkowskis Aen Seidhe, durch wachsende menschliche Koenigreiche bis an die Ausloeschung getrieben, zeigen diese Tragoedie unverhohlen. Mechanisch tauschen Elben in der fuenften D&D-Edition Lebenspunkte und goettliche Magienaehe gegen Immunitaet gegen Schlaf und Bezauberung.

Kulturelle Bedeutung

Der Elb ist eine der zentralen Figuren der vergleichenden indogermanischen Mythologie. Jacob Grimm fasste in der Deutschen Mythologie (1835, Kap. 17) die germanischen Alb- / Elbe-Ueberlieferungen erstmals systematisch zusammen; die Brueder Grimm trugen sie mit Die Wichtelmaenner (KHM 39, 1812) in den literarischen Kanon. Die viktorianischen Feenmaler — John Anster Fitzgerald und Richard Dadd mit The Fairy Feller's Master-Stroke (1841, Tate London) — schufen die visuelle Grundlage des neunzehnten Jahrhunderts. In seinem Brief Nr. 163 von 1955 schrieb Tolkien, die Elben seien 'verkoerperte Kuenstler und Musiker, eine Art ewiger Kinder', eine Formel, die den Kanon des zwanzigsten Jahrhunderts verankerte. Indessen nannte Clement Clarke Moore im Gedicht A Visit from St. Nicholas (1823) den Weihnachtsmann 'a right jolly old elf', und von dort baute die amerikanische Populaerkultur — Keebler-Elben in der Werbung von 1968, Haddon Sundbloms Coca-Cola-Weihnachtsmann von 1931 — die parallel laufende Ikonografie des kleinen Weihnachtselbs, sodass die tolkiensche Hochelfe und der amerikanische Weihnachtselb zwei parallele Traditionen bilden.

In der Popkultur

Snorri Sturluson, Prosa-Edda (um 1220) — Ljosalfar und Dökkálfar in Gylfaginning Kap. 17Codex Regius (GKS 2365 4to, um 1270) — Voluspa, Alvíssmál, Elbenkoenig AlvíssAltenglisches Beowulf (Hs. Cotton Vitellius A. xv, um 1000, British Library), Zeile 112 — eotenas, ylfe, orcneasWilliam Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (1595-96) — Puck, Oberon, TitaniaEdmund Spenser, The Faerie Queene (1590-96) — englische literarische KanonisierungJohann Wolfgang von Goethe, Erlkonig (1782) — dunkle germanische VariationJacob Grimm, Deutsche Mythologie (1835) — wissenschaftliche Synthese der germanischen ElbenueberlieferungLord Dunsany, The King of Elfland's Daughter (G. P. Putnam's Sons, 1924) — Bruecke zur Fantasy des zwanzigsten JahrhundertsJ. R. R. Tolkien, The Hobbit (Allen & Unwin, 1937), The Lord of the Rings (1954-55), The Silmarillion (1977) — entscheidender KanonGary Gygax, Dungeons & Dragons Erstausgabe (TSR, 1974) und Advanced Dungeons & Dragons Monster Manual (1977) — Standardspielerrasse

Trivia

  • Das altenglische aelf bildet das zweite Glied vieler angelsaechsischer Eigennamen: Alfred (Aelfraed, 'Elben-Rat'), Aelfwine ('Elben-Freund') und so fort; Tolkien zitierte als Oxforder Anglistikdozent dieses Etymon haeufig.
  • Tolkien schrieb in Brief 163 von 1955 an W. H. Auden, Quenya verbinde finnische Phonologie, lateinische Morphologie und griechisches Lexikon, und Sindarin habe er an dem in Oxford gelernten Walisischen orientiert.
  • Der Vergleich TSR gegen Tolkien Estate von 1977 (Aktenstand vor einem Gericht in Wisconsin) stellte fest, dass 'Hobbit' geschuetzt sei und in Dungeons & Dragons in 'Halfling' umbenannt werden muesse, dass aber 'Elf', 'Dwarf' und 'Orc' Gattungsbegriffe seien, die TSR weiter nutzen duerfe.
  • Eine einzige Zeile in Clement Clarke Moores Gedicht A Visit from St. Nicholas von 1823 — 'a right jolly old elf' — ist der Ursprung der gesamten amerikanischen Bildtradition des kleinen Weihnachtselbs, einer Tradition, die von der tolkienschen Hochelfe vollkommen unabhaengig ist.

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