
Yamata-no-Orochi (achtgegabelter Riesenschlangendrache) ist die ikonischste vielkoepfige Schlange der japanischen Mythologie, niedergeschrieben im fruehen achten Jahrhundert in den beiden Gruendungschroniken des japanischen Staates: dem 'Kojiki' (712) des Ō no Yasumaro und dem 'Nihon Shoki' (720), kompiliert unter Prinz Toneri. Die Schlange traegt acht Koepfe und acht Schwaenze, und ihr Leib ist so gewaltig, dass er 'acht Taeler und acht Ruecken bedeckt, mit Zypressen und Zedern auf dem Ruecken, und der Bauch ist staendig entzuendet und blutig'. Sie erscheint jaehrlich am Hi-Fluss (heute Hii) im Land Izumo (oestliche Praefektur Shimane) und fordert eines der Maedchen des Alten Paares Ashinazuchi und Tenazuchi als Tribut. Nachdem sie sieben der acht Toechter verschlungen hat, naht sich die letzte, Kushinada-hime, als der vom Himmel verbannte Sturmgott Susanoo nach Izumo herabsteigt. Susanoo braut yashiori-no-sake (achtfach destillierten Wein) und fuellt acht grosse Bottiche, die er vor acht Toren aufstellt, sodass Orochis acht Koepfe in je einem Bottich trinken. Sobald die acht Koepfe sinnlos betrunken sind, schlaegt er sie und die acht Schwaenze mit dem goettlichen Schwert Totsuka-no-Tsurugi ab. Beim Hieb in den letzten Schwanz schartet die Klinge an einem darin verborgenen Gegenstand: dem Kusanagi-no-Tsurugi (auch Ame-no-Murakumo-no-Tsurugi), einem der Drei Heiligen Schaetze des japanischen Kaiserhauses, heute aufbewahrt im Atsuta-Schrein in Nagoya, Praefektur Aichi.
Ursprung
Die direkten Textquellen sind das 'Kojiki' (712), Japans aelteste erhaltene Chronik, kompiliert von Ō no Yasumaro, und das 'Nihon Shoki' (720), kompiliert unter Prinz Toneri auf kaiserlichen Befehl; eine regionale Variante steht im 'Izumo no kuni Fudoki' (733) im Abschnitt zum Bezirk Ou. Die mythische Geographie weist auf das Tal des Hii-Flusses um die heutige Stadt Unnan in der Praefektur Shimane, wo der Yaegaki-Schrein in Kakeya Kushinada-hime und der Sase-Schrein in Kisuki den Orochi-Ritus pflegen. In der vergleichenden Mythologie ordnen Georges Dumézil (1898-1986) und Mircea Eliade (1907-1986) die Episode als ostasiatische Variante des indogermanischen Chaoskampfes (Sturmgott gegen vielkoepfigen Drachen) ein, neben Indra gegen Vritra, Thor gegen Jörmungandr, Marduk gegen Tiamat und Heracles gegen die Lernaeische Hydra; die Einordnung wurde in den 1970er Jahren durch die japanischen Mythologen Matsumoto Nobuhiro und Mishina Shōei verfeinert.
Merkmale
- Achtkoepfiger, achtschwaenziger Riesenschlangendrache
- Leib umspannt acht Taeler und acht Ruecken, mit Zypressen und Zedern auf dem Ruecken
- Erscheint jaehrlich im Hii-Tal von Izumo und fordert eine Jungfrau
- Wird von Susanoo besiegt, der acht Bottiche yashiori-no-sake bereitstellt, um die acht Koepfe zu betrinken
- Aus seinem Schwanz kommt das Kusanagi-no-Tsurugi, einer der Drei Heiligen Schaetze Japans
- Ausgangspunkt der Heiratsmythen von Susanoo und Kushinada-hime
Geschichten
Vorbild-Bossfigur der japanischen Heldensage, verehrt und nachgestellt in den Schreinen Yaegaki, Sase und Inata um die Stadt Unnan in der Praefektur Shimane, wo im Juli jaehrlich ein Orochi-Fest den Mythos nachspielt. In der modernen Popkultur findet sich die Figur in Akira Toriyamas 'Dragon Ball' (ab 1984), in Masashi Kishimotos 'Naruto' (1999-2014) als Orochimaru, in der Orochi-Linie von Atlus' 'Megami Tensei'-Reihe und in der Gigantamax-Form des Pokemon Duraludon in 'Pokemon Schwert & Schild' (Nintendo, 2019).
Schwäche
Kanonisch ist die entscheidende Schwaeche der Alkohol — sobald alle acht Koepfe yashiori-no-sake getrunken haben und eingeschlafen sind, ist die Schlange wehrlos. Toedliche Wunden traegt sie nur durch das goettliche Totsuka-no-Tsurugi davon; gewoehnliche Klingen scharten oder zerbrechen am Kusanagi im letzten Schwanz, wie Susanoos eigene Klinge.
Kulturelle Bedeutung
Die Erzaehlung wird in der vergleichenden Mythologie regelmaessig als ostasiatische Variante des indogermanischen Chaoskampfes zitiert — Indra gegen Vritra, Thor gegen Jörmungandr, Marduk gegen Tiamat, Heracles gegen die Lernaeische Hydra. Die yashiori-no-sake-Taktik wird als mythische Grundlage der japanischen Sake-Brautradition gelesen.
In der Popkultur
Ō no Yasumaros 'Kojiki' (712), das kaiserliche 'Nihon Shoki' (720), das 'Izumo no kuni Fudoki' (733), die Verehrung an den Schreinen Yaegaki, Sase und Inata in Unnan (Praefektur Shimane), Akira Toriyamas 'Dragon Ball' (ab 1984), Masashi Kishimotos 'Naruto' (1999-2014) mit Orochimaru, die Orochi-Linie von Atlus' 'Megami Tensei' und der Gigantamax-Duraludon aus 'Pokemon Schwert & Schild' (2019).

