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fafnir
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Fáfnir ist der tragische Drache der nordischen Sage, verzeichnet in der altislaendischen 'Völsunga saga' des spaeten dreizehnten Jahrhunderts und in den Lieder-Edda-Stuecken 'Reginsmál' und 'Fáfnismál', die im Codex Regius (GKS 2365 4to, um 1270) bewahrt sind und heute im Árni-Magnússon-Institut in Reykjavik liegen. Dasselbe Material erscheint im fruehen dreizehnten Jahrhundert im mittelhochdeutschen 'Nibelungenlied' als der Schatz-Drache, den Siegfried erschlaegt. Fáfnir war urspruenglich ein Zwerg, einer der drei Soehne des Koenigs Hreiðmarr; aus Gier nach dem als Suehnegold fuer den unabsichtlich getoeteten, in einen Otter verwandelten Bruder Otr erlegten Hort — der den vom Zwerg Andvari verfluchten Ring Andvaranaut enthielt — toetete er seinen Vater, vertrieb seinen Bruder Regin und verwandelte sich in einen giftspeienden, beinlosen Wurm (wyrm), der auf dem Gold lag. Der Held Sigurðr (mittelhochdeutsch Siegfried) hob mit Regins Schwert Gramr eine Hinterhaltsgrube an Fáfnirs Pfad zur Traenke und stach den Drachen von unten durch den schuppenlosen Bauch; das Trinken des Blutes verlieh ihm die Sprache der Voegel, das Essen des gebratenen Herzens das Wissen aller Dinge. Die Episode ist die unmittelbare Vorlage fuer Richard Wagners 'Der Ring des Nibelungen' (1869-1876) und fuer Smaug in J.R.R. Tolkiens 'Der kleine Hobbit' (1937).

Ursprung

Die direkten Textquellen sind die 'Völsunga saga' (spaetes dreizehntes Jahrhundert) und die Edda-Lieder 'Reginsmál' und 'Fáfnismál' im Codex Regius (um 1270), heute im Árni-Magnússon-Institut in Reykjavik; dieselbe Geschichte kehrt im fruehen 'Nibelungenlied' wieder. Die indogermanische Vergleichsmythologie, vor allem die Arbeiten von Georges Dumézil (1898-1986), liest die Fáfnir-Toetung als germanische Variante des Sturm-/Schlangenkampfes — Indra gegen Vritra, Thor gegen Jörmungandr. Die Ramsund-Ritzung in Soedermanland, Schweden (Ende elftes Jahrhundert), ist die aelteste erhaltene bildliche Darstellung der Toetung Fáfnirs durch Sigurðr aus der Grube.

Merkmale

  • Urspruenglich ein Zwerg, durch Goldgier in einen riesigen Drachen verwandelt
  • Vom Fluch des Ringes Andvaranaut gebunden, was den tragischen Bogen markiert
  • Beinloser Wurmkoerper (wyrm), die kanonische germanische Drachenform
  • Speit Gift und liegt auf dem Hort, den er bewacht
  • Von Sigurðr aus einer Hinterhaltsgrube am Flussufer mit Gramr durch den schuppenlosen Bauch erstochen
  • Sein Blut schenkt die Vogelsprache, sein gebratenes Herz das Wissen aller Dinge

Geschichten

Fungiert als Endgegner des nordischen Helden-Initiations-Zyklus, als Gruendungsfall des Schatzhort-Fluch-Motivs und als Lehrbuchvorlage des tragischen Drachen in Wagner- und Tolkien-Fantasy.

Schwäche

Der schuppenlose Bauch ist die toedliche Schwachstelle, und der feste Weg von der Hoehle zur Traenke macht ihn fuer einen Grubenhinterhalt anfaellig; psychisch ist er an den verfluchten Ring gebunden und kann den Hort nicht lassen.

Kulturelle Bedeutung

Die Sigurðr-Fáfnir-Episode ist ein Standardthema mittelalterlicher skandinavischer Bildkunst — Ramsund-Ritzung (elftes Jahrhundert, Schweden), Schnitzwerke der Stabkirche Urnes (zwoelftes Jahrhundert, Norwegen) — und gelangte im neunzehnten Jahrhundert ueber Wagners 'Der Ring des Nibelungen' in den europaeischen Opernkanon.

In der Popkultur

Lieder-Edda 'Fáfnismál' (dreizehntes Jahrhundert), 'Völsunga saga' (spaetes dreizehntes Jahrhundert), 'Nibelungenlied' (fruehes dreizehntes Jahrhundert), Ramsund-Runenritzung (elftes Jahrhundert), Schnitzwerke der Stabkirche Urnes (zwoelftes Jahrhundert), Wagners 'Der Ring des Nibelungen' (1869-1876), Smaug in Tolkiens 'Der kleine Hobbit' (1937) und Fritz Langs Stummfilm 'Die Nibelungen' (1924).

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