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Der chinesische long ist der Archetyp des ostasiatischen Drachen, die Quelle, von der der koreanische cheongnyong, der japanische ryu und der vietnamesische long abstammen. Sein Bild laeuft ununterbrochen vom Neolithikum — der C-foermige Jadedrache der Hongshan-Kultur (um 3500-3000 v. u. Z., 1971 in Ongniud (Innere Mongolei) ausgegraben, heute Kulturgut erster Klasse im Nationalmuseum Chinas in Peking) und der Muschelmosaikdrache der Yangshao-Kultur in Xishuipo bei Puyang (um 5300 v. u. Z., 1987 ausgegraben) — bis zu Xu Shens 'Shuowen Jiezi' (100 u. Z.), das den Drachen als 'Anfuehrer der schuppigen Tiere' definiert, zu Wang Fus 'Qianfu Lun' der spaeten Han, das die 'neun Aehnlichkeiten' (Hirschgeweih, Kamelhaupt, Hasenaugen, Schlangenhals, Muschelbauch, Karpfenschuppen, Adlerklauen, Tigersohlen) erstmals systematisiert, und zu Li Shizhens 'Bencao Gangmu' (1578). Die fuenfzehige Pfote als kaiserliches Monogramm wurde durch das Ritualedikt des Hongwu-Kaisers von 1393 festgelegt und blieb bis zum Ende der Qing in Kraft; Fuersten waren auf vier Zehen begrenzt, das Volk auf drei. Der long ist in einem Fuenf-Richtungen-Farbsystem geordnet — Azurdrache (Osten), Weisser (Westen), Zinnoberroter (Sueden), Schwarzer (Norden), Gelber (Zentrum) — und gilt als Bringer des Regens, Herrscher der Fluesse und Verkoerperung kosmischer Gerechtigkeit; er ist das einzige mythische Wesen im Zwoelftierzyklus, und ein im Drachenjahr geborenes Kind teilt das Auspicium des Kaisers.

Ursprung

Der archaeologische Prototyp ist der C-foermige Hongshan-Jadedrache (um 3500-3000 v. u. Z., Ongniud, Innere Mongolei, 1971), heute Kulturgut erster Klasse im Nationalmuseum Chinas, und der Muschelmosaikdrache von Xishuipo bei Puyang (um 5300 v. u. Z., 1987 ausgegraben). Der Textursprung verlaeuft ueber Xu Shens 'Shuowen Jiezi' (100), Wang Fus 'Qianfu Lun' (Ende erstes Jahrhundert) mit den neun Aehnlichkeiten, Guo Pus (276-324) Kommentar zum 'Klassiker der Berge und Meere' (Shanhaijing), der die Untertypen yinglong, zhulong, jiaolong und chilong fixiert, und die Song-Ming-Sammelwerke 'Taiping Yulan' (983) sowie Li Shizhens 'Bencao Gangmu' (1578). Die fuenfzehige kaiserliche Regelung stammt aus dem Ritualedikt Hongwus von 1393.

Merkmale

  • Neun Aehnlichkeiten: Hirschgeweih, Kamelhaupt, Hasenaugen, Schlangenhals, Muschelbauch, Karpfenschuppen, Adlerklauen, Tigersohlen und der Drachenleib selbst
  • Fuenf Zehen fuer den Kaiser, vier fuer Fuersten, drei fuer das Volk — durch das Hongwu-Edikt von 1393 fixiert
  • Fuenf-Richtungen-Farbsystem: Azur (Osten), Weiss (Westen), Zinnoberrot (Sueden), Schwarz (Norden), Gelb (Zentrum)
  • Die Wunschkugel in den Kiefern als Sinnbild von Weisheit, Macht und Mond
  • Bringt im Flug Wolken und Sturm, zentral im kaiserlichen Regenritus und im volkstuemlichen Drachenkoenig-Tempelkult
  • Einziges mythisches Wesen im Zwoelftierzyklus; das Drachenjahr ist ein kaiserliches Jahr

Geschichten

Dient als absolutes Emblem der kaiserlichen Autoritaet auf dem Drachengewand (longpao), auf dem Thron der Verbotenen Stadt und auf dem kaiserlichen Siegel und als zentrales Bild des volkstuemlichen Regenrituals, der Drachenkoenig-Tempel und des Drachentanzes. Seine Ikonografie ist das Modell, aus dem sich der koreanische cheongnyong, der japanische ryu und der vietnamesische long ableiten.

Schwäche

In der mythischen Ordnung ist der Drache mit dem Phoenix, dem Qilin und der Schwarzen Schildkroete gepaart; wird die Balance gestoert, geraet die kosmische Ordnung ins Wanken. Die Lehre vom Mandat des Himmels bindet die heilige Autoritaet des long unmittelbar an die kaiserliche Tugend — korrupte Herrschaft schwaecht auch den Drachen.

Kulturelle Bedeutung

Der long ist vierfaches Symbol kaiserlicher Autoritaet, kosmischer Ordnung, Fruchtbarkeit und Gerechtigkeit; der reichste erhaltene Bildkanon ist das Ming-Qing-Drachengewand und die Drachenreliefs der Verbotenen Stadt (Palastmuseum Peking). Bedeutende Werke sind Ma Yuans Song-zeitliche 'Wasserstudien' und die Qing-Hofgemaelde von Giuseppe Castiglione (Lang Shining).

In der Popkultur

Hongshan-C-Jadedrache (um 3500-3000 v. u. Z.), Xu Shens 'Shuowen Jiezi' (100), Wang Fus 'Qianfu Lun' (Ende erstes Jahrhundert), Guo Pus Kommentar zum Shanhaijing (viertes Jahrhundert), Song-Enzyklopaedie 'Taiping Yulan' (983), Li Shizhens 'Bencao Gangmu' (1578), Drachenreliefs der Verbotenen Stadt (1406-1420), der goettliche Shenlong in 'Dragon Ball' (Akira Toriyama, ab 1984), Mushu in Disneys 'Mulan' (1998) und D&Ds 'Oriental Adventures' (1985).

Verwandte Einträge

imugi

Der Imugi ist der koreanische 'unvollendete Drache', eine gewaltige Schlange, die tausend Jahre lang in tiefen Bergteichen, unter Wasserfaellen und in verborgenen Hoehlen Askese ueben und sittliches Verdienst sammeln muss, bevor sie die Wunschkugel (yeouiju) erhaelt und als wahrer Drache aufsteigen kann. Sie wird als Schlange von ungewoehnlicher Dicke und beschuppten Wuchses dargestellt, mit dem Ansatz kleiner Hoerner auf der Stirn; dasselbe Bild kehrt in Volkserzaehlungen aus den Provinzen Suedpyongan, Gangwon und Suedjeolla wieder. Der fruehste koreanischsprachige schriftliche Beleg ist Hong Man-jongs 'Sun-o-ji' (1678), waehrend die systematischste Quelle die Feldarbeit von Son Jin-tae (1900-1950?) — veroeffentlicht als 'Forschungen zur koreanischen Volkserzaehlung' (1947) — und Im Seok-jaes zwoelfbaendige 'Sammlung koreanischer muendlicher Erzaehlungen' (Pyongminsa, 1987-1993) ist, die ueber zweihundert Imugi-Erzaehlungen unter den Typen 'Imugi und das Maedchen' und 'Drachenteich' anordnet. Das koreanische Standardwoerterbuch definiert ihn als 'eine grosse Schlange, die nicht zum Drachen werden konnte'; die koreanische Volkskunde liest ihn als Verschmelzung des chinesischen Jiao-Schlangendrachen mit dem einheimischen Schlangenkult. Die moderne Wiederaufnahme findet sich im Manhwa 'Land des Windes' (Kim Jin, ab 1992), im Hollywoodblockbuster 'D-War' (2007, Regie Shim Hyung-rae) und im Manhwa 'Myojin Imugi' (Jeong Ju-yeon, 2014).