LoreArc
bahamut
1 / 1
Alle ansehen

Bahamut vereint zwei voneinander unabhaengige Traditionen unter einem Namen. Die erste ist der kolossale Kosmos-Fisch der mittelalterlich-arabischen Kosmographie, belegt im Werk 'ʿAjāʾib al-makhlūqāt' (dreizehntes Jahrhundert) des Zakariyyā al-Qazwīnī (1203-1283) und in Ibn al-Wardīs 'Perle der Wunder'; er schwimmt unter dem Stier Kuyūthā und traegt die sieben Schichten der Erde. Jorge Luis Borges fuehrte die Ueberlieferung mit seinem 'Manual de zoología fantástica' (Manuel Peña, Buenos Aires, 1957), spaeter dem 'Buch der imaginaeren Wesen', in die spanisch- und englischsprachige Literatur ein. Die zweite Tradition ist der Platindrache von Dungeons & Dragons, eingefuehrt von Gary Gygax in 'Supplement III: Eldritch Wizardry' (TSR, 1976) und weitergebaut im AD&D 'Monster Manual' (1977), in 'Deities & Demigods' (1980), 'Draconomicon' (1990), im 'Monster Manual' der fuenften Edition (2014) und in 'Fizban's Treasury of Dragons' (2021). Der D&D-Bahamut ist der platinschuppige Gott der Gerechtigkeit, der Ehre und der Wahrheit, Koenig der fuenf metallischen Drachen (Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Messing), begleitet von sieben uralten Golddrachen, wandelt als bescheidener alter Weiser durch die Welt und steht in ewiger Gegnerschaft zur chromatischen Koenigin Tiamat.

Ursprung

Die direkte Quelle ist al-Qazwīnīs Kosmographie aus dem dreizehnten Jahrhundert, in der Bahamut ein Riesenfisch ist, dessen arabischer Name auf 'baḥr' (Meer) zurueckgeht; die Gestalt divergiert vom biblischen Behemoth aus Hiob 40 zum Meeresgiganten der arabischen Kosmologie. Borges nahm den Eintrag 1957 in das 'Manual de zoología fantástica' auf und brachte ihn so in die spanische und englische Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts; eine englische Fassung von Norman Thomas di Giovanni erschien 1969. Der D&D-Bahamut wurde 1976 in Gygax' Erweiterung 'Eldritch Wizardry' benannt und 1980 in James Wards 'Deities & Demigods' als Drachengott der Gerechtigkeit und Ehre festgelegt; 'Fizban's Treasury of Dragons' (2021) erhebt ihn zu einem metallischen Schoepfungs-Ahnen.

Merkmale

  • Platinfarbene Schuppen ueber einem Koerper von ueber sechzig Metern Laenge
  • Koenig der fuenf metallischen Drachen — Gold, Silber, Kupfer, Bronze und Messing
  • Begleitet von sieben uralten Golddrachen als persoenliche Leibgarde
  • Wandelt als alter, bescheidener Mensch verkleidet durch die Welt
  • Ewig der Tiamat, der Koenigin der fuenf chromatischen Drachen, entgegengesetzt
  • Seit 'Eldritch Wizardry' (1976) als Gott der Gerechtigkeit, Ehre und Wahrheit kanonisiert

Geschichten

Dient im Pen-and-Paper-Rollenspiel als Patron und letzter Mentor rechtschaffen-guter Helden; seine Platinschuppen und die sieben Golddrachen sind Standard-Ikonografie fuer eine Offenbarung am Kampagnenende. Die arabische Schicht wird in der fantastischen Literatur in der Linie von Borges und Italo Calvino zitiert.

Schwäche

'Deities & Demigods' merkt an, dass Bahamuts strenger Gerechtigkeitssinn durch vorgetaeuschte Reue manipuliert werden kann, und die kosmischen Gleichgewichtspakte von D&D beschraenken sein direktes Eingreifen auf entscheidende Krisen.

Kulturelle Bedeutung

Der Name verbindet vier kulturelle Schichten — biblischer Behemoth, arabische Kosmographie, Borges-Phantastik und D&D-Mythologie — und gilt als Lehrbuchfall religioes-literarisch-spielerischer Transmission.

In der Popkultur

Al-Qazwīnīs 'ʿAjāʾib al-makhlūqāt' (dreizehntes Jahrhundert), Borges' 'Manual de zoología fantástica' (1957), D&D 'Eldritch Wizardry' (1976), 'Deities & Demigods' (1980), 'Draconomicon' (1990), Monster Manual der fuenften Edition (2014), 'Fizban's Treasury of Dragons' (2021) und die wiederkehrende Beschwoerung 'Bahamut' der 'Final Fantasy'-Reihe seit dem Famicom-Teil 'III' von 1990.

Verwandte Einträge