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Der Azurdrache (chinesisch 'Qinglong', koreanisch 'Cheongnyong', japanisch 'Seiryu') ist der oestliche Waechter der ostasiatischen Vier Symbole (sasin / Sishen), der Himmelsdrache des Ostens, des Fruehlings, der Holzphase der Fuenf Elemente und der gruen-blauen Farbe. Das System — Azurdrache des Ostens, Weisser Tiger des Westens, Zinnobervogel des Suedens, Schwarze Schildkroete des Nordens — wurde unter der Han-Dynastie kodifiziert, insbesondere in Liu Ans 'Huainanzi' (um 139 v. u. Z.) und Wang Chongs 'Lunheng' (um 80 u. Z.), und vereinigt die sieben Mondhaeuser des oestlichen Quadranten (Jiao, Kang, Di, Fang, Xin, Wei, Ji). Bildlich unterscheidet sich der Azurdrache vom kaiserlichen gelben long durch einen schlankeren, schlangenartigen Koerper, gruen-blaue Schuppen, verzweigte Hirschgeweihe und Karpfenschuppen; er ist die kanonische Verbildlichung des geomantischen Grundsatzes, dass der Drache des Ostens die linke Seite einer Siedlung schuetzt. Die besterhaltenen fruehen Darstellungen sind die Ostwandmalereien der Goguryeo-Graeber Gangseo Daemyo und Jungmyo (spaetes sechstes Jahrhundert, Suedpyongan, Nordkorea) und das Kitora-Grab im Dorf Asuka, Praefektur Nara (spaetes siebtes bis fruehes achtes Jahrhundert, japanischer Nationalschatz seit 1998). Der Azurdrache benennt zudem das Praesidentenamt Cheongwadae in Korea ('Haus der gruenen Ziegel', 1939 errichtet) und wacht ueber das Oestliche Bluetentor (Donghuamen) der Verbotenen Stadt, vollendet 1420.

Ursprung

Die direkten Textquellen sind das 'Huainanzi' (um 139 v. u. Z.), namentlich der 'Tianwen Xun' (Traktat ueber die Himmelsmuster), kompiliert unter Fuerst Liu An, sowie Wang Chongs 'Lunheng' (um 80 u. Z.); beide fixieren das Vier-Richtungs-System aus Azurdrache, Weissem Tiger, Zinnobervogel und Schwarzer Schildkroete als Pfeiler der Han-Kosmologie. Die aelteste bildliche Quelle ist die lackierte Kleidertruhe aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng (Zeng Hou Yi mu, fuenftes Jahrhundert v. u. Z., 1978 ausgegraben, Provinzmuseum Hubei), in der Drache und Tiger zusammen mit den achtundzwanzig Mondhaeusern abgebildet sind. In Korea bewahren die Gangseo-Daemyo- und -Jungmyo-Graeber Goguryeos im spaeten sechsten Jahrhundert (Suedpyongan, 1912 fuer das japanische Generalgouvernement von Sekino Tadashi erfasst) das vollstaendige Vier-Symbol-Wandprogramm, in Japan das Kitora-Grab (spaetes siebtes bis fruehes achtes Jahrhundert, Dorf Asuka, Praefektur Nara; 1983 durch Infrarotaufnahme entdeckt; seit 1998 Nationalschatz) den Azurdrachen und eine Sternenkarte auf der Decke. Die Ikonografie wird ohne Unterbrechung durch die Dachziegelendstuecke von Qin und Han, durch die Tang-Bronzespiegel und durch die kaiserlichen Riten der Song-Yuan-Ming-Qing-Zeit fortgesetzt.

Merkmale

  • Oestlicher Waechter der ostasiatischen Vier Symbole — Fruehling, Holz, Gruen-Blau
  • Schlankerer, schlangenartigerer Koerper als der kaiserliche gelbe long, mit gruen-blauen Schuppen
  • Verzweigte Hirschgeweihe, Karpfenschuppen; vereint die sieben oestlichen Mondhaeuser
  • Der geomantische 'Drache der linken Seite', der den Osten der Siedlung schuetzt
  • Gottheit des Holzes, des Ostens und des Fruehlings im daoistischen Fuenf-Phasen-System, gepaart mit dem Azurkaiser (Qingdi)
  • Kanonisches Ostwandbild der Gangseo-Goguryeo-Graeber und des japanischen Kitora-Grabes

Geschichten

Zentrales Bild ostasiatischer Geomantie, Astrologie und Palastarchitektur in der Rolle des Waechters der Ostseite von Staedten, Koenigsgraebern und Palaesten; der gruenziegelige Praesidentensitz Koreas (Cheongwadae), das Donghuamen-Tor der Verbotenen Stadt und die Ostachse von Heian-kyo tragen diese Ikonografie. Er ist Standardfigur der Wuxia-Romane Jin Yongs und der Vier-Symbol-Bossfiguren in ostasiatischen Spielen wie 'Megami Tensei' und 'Chronicle of Genesis'.

Schwäche

Die daoistische Fuenf-Phasen-Lehre bindet den Azurdrachen an die drei anderen Symbole: wird eines der Vier Symbole — vor allem der Weisse Tiger des Westens — geschwaecht, geraet die kosmische Ordnung ins Wanken, und der Azurdrache wird mit ihm schwach. Dieses Gleichgewichtsprinzip bildet die Grundlage des geomantischen 'linker Drache, rechter Tiger'-Theorems der Berglandschaftsanordnung.

Kulturelle Bedeutung

Das Bild des Azurdrachen ist das visuelle Kernstueck der ostasiatischen Kosmologie — vier Richtungen, vier Jahreszeiten, fuenf Phasen, achtundzwanzig Mondhaeuser — und verschmilzt mit dem daoistischen Azurkaiser (Qingdi), dem buddhistischen oestlichen Waechter und dem Shinto-Seiryu zur einheitlichen Bildtheologie Nordostasiens. Es ueberlebt heute in Namen wie dem Cheongwadae, den Seiryu-Schreinen in Kyoto und Kamakura sowie den Qinglong-Tempeln in Guangxi.

In der Popkultur

Lackierte Kleidertruhe aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng (fuenftes Jahrhundert v. u. Z.), 'Huainanzi' Tianwen Xun (um 139 v. u. Z.), Wang Chongs 'Lunheng' (um 80 u. Z.), die Gangseo-Daemyo- und -Jungmyo-Graeber Goguryeos (spaetes sechstes Jahrhundert), die Kitora-Wandmalereien (spaetes siebtes bis fruehes achtes Jahrhundert, japanischer Nationalschatz), das Donghuamen-Tor der Verbotenen Stadt (1420), der Cheongwadae-Praesidentensitz (1939), Jin Yongs 'Schwert und Sabel der Drachenschwingen' (1961) und die Vier-Symbol-Bossfiguren der 'Shin Megami Tensei'-Reihe von Atlus.

Verwandte Einträge

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Der chinesische long ist der Archetyp des ostasiatischen Drachen, die Quelle, von der der koreanische cheongnyong, der japanische ryu und der vietnamesische long abstammen. Sein Bild laeuft ununterbrochen vom Neolithikum — der C-foermige Jadedrache der Hongshan-Kultur (um 3500-3000 v. u. Z., 1971 in Ongniud (Innere Mongolei) ausgegraben, heute Kulturgut erster Klasse im Nationalmuseum Chinas in Peking) und der Muschelmosaikdrache der Yangshao-Kultur in Xishuipo bei Puyang (um 5300 v. u. Z., 1987 ausgegraben) — bis zu Xu Shens 'Shuowen Jiezi' (100 u. Z.), das den Drachen als 'Anfuehrer der schuppigen Tiere' definiert, zu Wang Fus 'Qianfu Lun' der spaeten Han, das die 'neun Aehnlichkeiten' (Hirschgeweih, Kamelhaupt, Hasenaugen, Schlangenhals, Muschelbauch, Karpfenschuppen, Adlerklauen, Tigersohlen) erstmals systematisiert, und zu Li Shizhens 'Bencao Gangmu' (1578). Die fuenfzehige Pfote als kaiserliches Monogramm wurde durch das Ritualedikt des Hongwu-Kaisers von 1393 festgelegt und blieb bis zum Ende der Qing in Kraft; Fuersten waren auf vier Zehen begrenzt, das Volk auf drei. Der long ist in einem Fuenf-Richtungen-Farbsystem geordnet — Azurdrache (Osten), Weisser (Westen), Zinnoberroter (Sueden), Schwarzer (Norden), Gelber (Zentrum) — und gilt als Bringer des Regens, Herrscher der Fluesse und Verkoerperung kosmischer Gerechtigkeit; er ist das einzige mythische Wesen im Zwoelftierzyklus, und ein im Drachenjahr geborenes Kind teilt das Auspicium des Kaisers.