
Apep, in griechischer Form Apophis, ist die kosmische Schlange der Finsternis, des Chaos und der Isfet (Unordnung) der altaegyptischen Religion, dargestellt als sandfarbenes Untier von etwa dreissig Ellen (rund sechzehn Metern) Laenge. In jeder Nacht, wenn der Sonnengott Re die Mesektet-Barke durch die Duat (die Unterwelt) faehrt, greift Apep das Schiff an, um den Aufgang zu verhindern. Re und seine Verbuendeten — der Sturmgott Set, die Loewin Bastet, die Wahrheitsgoettin Maat, Mehit und Selket — werfen ihn jede Nacht nieder, doch er ersteht in der naechsten Nacht wieder; die Aegypter sagten, gerade dieser ewige kosmische Krieg sei der Grund, jeden Sonnenaufgang als Sieg der Goetter zu feiern. Sonnen- und Mondfinsternisse, Erdbeben, Gewitter und Fluten galten als momentane Siege Apeps. Die ausfuehrlichste Quelle bilden die Kapitel 17, 39 und 108 des neureichszeitlichen Totenbuchs (Papyrus, etwa 1550-1077 v. u. Z.) und die Deckenreliefs des Grabes Ramses' VI. (KV9). Apep ist die aelteste belegte Auspraegung des Typus 'kosmische Schlange', zu dem auch die mesopotamische Tiamat, das indoarische Vritra, der nordische Jörmungandr und der hebraeische Leviathan gehoeren.
Ursprung
Die fruehesten Textbelege stehen in den Pyramidentexten des Unas vom Ende des dreiundzwanzigsten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung (Sprueche 226, 263, 378), in denen der Name 'Aapep' und die Rolle als Gegner Res gemeinsam erscheinen. Die systematischste Zusammenstellung ist das Totenbuch des Neuen Reiches (etwa 1550-1077 v. u. Z.) und die 'Buecher vom Sturz des Apep', erhalten als Berliner Papyrus 3008 (etwa viertes Jahrhundert v. u. Z.) im Aegyptischen Museum Berlin, erstmals 1929 von Raymond O. Faulkner ins Englische uebersetzt. Der bildliche Kanon wird durch den Khonsu-Tempel in Karnak und die Deckenreliefs des Grabes Ramses' VI. (KV9, regierte etwa 1145-1137 v. u. Z.) festgelegt. In der vergleichenden Mythologie behandelt Georges Dumézil (1898-1986) die Apep-Erzaehlung als aelteste nichtindogermanische Variante des Chaoskampfes Sturmgott gegen Schlange.
Merkmale
- Sandfarbene Riesenschlange von etwa dreissig Ellen (sechzehn Metern) Laenge
- Kosmische Verkoerperung von Finsternis, Chaos und Isfet (Unordnung)
- Ewiger Feind des Sonnengottes Re, in jeder Nacht in der Duat bekaempft
- Versucht Res Nachtbarke Mesektet zu versenken
- Sonnen- und Mondfinsternisse, Erdbeben, Blitz und Flut werden als seine momentanen Siege gelesen
- Ziel des jaehrlichen priesterlichen Sturzritus (des 'Bannens des Apep')
Geschichten
Diente in der altaegyptischen Religion als Ziel des jaehrlichen Priesterritus 'Sturz des Apep', in dem Wachsfiguren bespuckt, beschossen und im Feuerbecken verbrannt wurden. In der modernen vergleichenden Mythologie gilt Apep als lehrbuchhafter aeltester Fall der kosmischen Boese-Schlange. Der Film 'Stargate' (1994) und die Fernsehserie 'Stargate SG-1' (1997-2007) entlehnten den Namen einem Goa'uld-Systemlord.
Schwäche
Apep wird jede Nacht durch den vereinten Angriff von Re, Set, Bastet und Maat besiegt, jedoch nie endgueltig vernichtet. Der priesterliche Ritus kodifiziert seine rituellen Schwachstellen: das Anspucken seines Bildes, das Beschiessen mit Pfeilen, das Verbrennen im Feuerbecken und das Tilgen seines Namens (damnatio memoriae).
Kulturelle Bedeutung
Apep verdichtet die Kerne der aegyptischen Kosmologie — den ewigen Gegensatz von Licht und Finsternis, das taegliche Sonnenaufgangswunder, die mythische Lesart von Naturkatastrophen — und ist ein Standardfall der vergleichenden Mythologie bei Georges Dumézil und Mircea Eliade (1907-1986).
In der Popkultur
Pyramidentexte des Unas (dreiundzwanzigstes Jahrhundert v. u. Z.), Kapitel 17, 39 und 108 des Totenbuchs (Neues Reich, etwa 1550-1077 v. u. Z.), 'Buecher vom Sturz des Apep' (Berliner Papyrus 3008, etwa viertes Jahrhundert v. u. Z.), Grab Ramses' VI. (KV9), Khonsu-Tempel in Karnak, Film 'Stargate' (1994), Serie 'Stargate SG-1' (1997-2007).

