
Speer
Die älteste Waffe der Menschheit
Der Speer ist die aelteste und universellste Waffe der Menschheitsgeschichte. Eine einfache Sache aus einem Holzschaft von etwa 150 bis 250 cm mit einem Metallkopf, in der Steinzeit einem Kopf aus Stein oder Knochen, war er so leicht und billig zu machen, dass er die erste Waffe war, die jede Zivilisation in die Hand nahm. Die einfache Handlung des Stossens allein genuegte, um wirksam zu sein, sodass die Uebung kurz war, und in dichter Formation gebraucht liess er die Staerke der Gruppe den Mangel an persoenlichem Geschick ausgleichen. Vor allem liegt das Wesen des Speers in der Entfernung: Der lange Schaft reicht zuerst, ehe der Feind herankommt, und beherrscht durch Reichweite einen mit Schwert oder Dolch bewaffneten Gegner. Von der griechischen Phalanx ueber den Wikinger-Schildwall bis zur mittelalterlichen Miliz war er die Kernwaffe fast jedes Heeres der Geschichte.
Ursprung
Der Speer gehoert zu den fruehesten Waffen, die die Menschheit je schuf, seit dem Palaeolithikum fuer Jagd und Krieg gebraucht. Die etwa 300.000 Jahre alten Holzspeere, die in Schoeningen in Deutschland ausgegraben wurden, gehoeren zu den aeltesten erhaltenen Holzwaffen, und die in Clacton in England gefundene Speerspitze gilt als noch aelter, etwa 400.000 Jahre. Der Mensch fuehrte den Speer also aus einer Zeit vor dem Bogen, dem Schwert oder jedem Metall. Der Speer war nicht die Erfindung einer einzelnen Kultur, sondern entstand unabhaengig auf jedem Erdteil und in jeder Zivilisation, und als aelteste Waffe war er auch die langlebigste, in Gestalt des Bajonetts ins Zeitalter des Schwarzpulvers fortgetragen.
Merkmale
- Eine Gesamtlaenge von etwa 150 bis 250 cm in der Fussvolkform
- Die billigste und am leichtesten in Masse zu fertigende Waffe
- Wirksam im Kampf selbst bei kurzer Uebung
- Kollektive Kraft, in dichter Formation maximiert
- Vornehmlich zum Stossen, manche auch zum Werfen
- Der aelteste Waffentyp der Menschheitsgeschichte
Geschichten
Der wahre Wert des Speers kam aus Entfernung und Formation. Das Fussvolk stand in Reihen hinter Schilden und stiess die Speere gemeinsam vor, um eine Wand von Spitzen zu errichten, zuerst zustechend, ehe der Feind herankommen konnte, um den Anmarsch selbst zu sperren. Die griechische Phalanx, der germanische und Wikinger-Schildwall und die Speerformation der mittelalterlichen Miliz arbeiteten alle nach diesem Grundsatz. Der Speer eines einzelnen Mannes war auf Entfernung am staerksten, und viele in einer Reihe wurden zu einem nahtlosen Wald von Spitzen, der selbst den Ansturm der Reiterei aufhielt. Es gab Spielarten zum Werfen, die Wurfspeere, doch das wahre Element des Fussvolkspeers lag stets darin, ihn zu halten, um zu stossen und Abstand zu wahren.
Schwäche
Die Schwaeche des Speers liegt in dem Augenblick, da seine Laenge nutzlos gemacht wird. Sobald ein Feind innerhalb der Spitze eindringt und zum Koerper schliesst, wird der lange Schaft zur Last und ist einem rasch gezogenen Schwert oder Dolch unterlegen. Der Speer lehnt sich zudem an die Staerke der Formation statt an persoenliches Geschick, sodass seine Kraft im aufgeloesten Gedraenge eines Handgemenges stark faellt. Der Holzschaft kann in einem heftigen Zusammenstoss brechen, und im Zweikampf ist seine Breite des Gebrauchs schmal im Vergleich zum vielseitigen Schwert.
Kulturelle Bedeutung
Der Speer ist die grundlegendste und universellste Waffe der Menschheit. Durch die Geschichte hindurch hielt der gemeine Soldat nicht das kostbare Schwert, sondern den Speer: Wo das Schwert eine kostbare Waffe war, ein Sinnbild von Reichtum und Rang, war der Speer die wahre Hauptstuetze der Heere, mit der jeder ausgeruestet werden konnte. Der Speer kehrt auch als Waffe von Goettern und Helden in unverwandten Mythologien wieder. Gungnir, der nie verfehlende Speer Odins im nordischen Mythos, der Amenonuhoko, der im japanischen Schoepfungsmythos Himmel und Erde quirlte, und der Speer des Longinus der christlichen Legende zeigen alle, wie alt und universell der Speer in der menschlichen Vorstellung ist.
In der Popkultur
Der Speer ist die grundlegendste Waffe, die in fast jedem Werk der Geschichte und der Fantasy auftritt. Er erscheint gewoehnlich als Standardwaffe des Fussvolks oder als Anfangsstueck in Strategie- und Actionspielen, und die Speerformation der Phalanx und des Schildwalls ist eine Szene, die nie fehlt, wenn antiker und mittelalterlicher Krieg gezeichnet wird. In Werken des Mythos werden beruehmte goettliche Speere wie Gungnir und der Speer des Longinus als maechtige sinnbildliche Waffen gezeichnet. In der Fiktion ueberlaesst er jedoch oft dem grellen Schwert die Hauptrolle, sodass der wirkliche Rang des Speers, der haeufigsten und wichtigsten Waffe der Geschichte, verhaeltnismaessig blass behandelt wird.
Trivia
- Die etwa 300.000 Jahre alten Holzspeere, die in Schoeningen in Deutschland ausgegraben wurden, gehoeren zu den aeltesten erhaltenen Holzwaffen, und die Speerspitze in Clacton in England ist noch aelter, etwa 400.000 Jahre, was zeigt, dass der Speer der aelteste Waffentyp ist, weit vor dem Bogen, dem Schwert und jeder Metallwaffe.
- Den groessten Teil der Geschichte war die Waffe des gemeinen Soldaten nicht das Schwert, sondern der Speer: billig, schnell zu machen und mit wenig Uebung wirksam, war er die Hauptstuetze im Wikinger-Schildwall und der griechischen Phalanx, waehrend das Schwert eine kostbare, sinnbildliche Nebenwaffe war.
- Der Speer kehrt als Waffe von Goettern und Helden in unverwandten Mythologien wieder: Odins nie verfehlender Gungnir, der Amenonuhoko des japanischen Schoepfungsmythos und der Speer des Longinus der christlichen Legende zeigen, wie universell und alt diese Waffe in der menschlichen Vorstellung ist.