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Wurfspeer

Der leichte Wurfspieß der Antike

Der Wurfspeer ist ein leichter Speer von etwa 150 bis 200 cm Laenge, zum Werfen bestimmt. Anders als ein zum Stossen gehaltener gewoehnlicher Speer ist sein Schaft duenn und leicht und sein Gleichgewicht so gesetzt, dass er weit und treffsicher fliegt. Seine beruehmteste Spielart ist das roemische Pilum, dessen duenner Weicheisenhals unter dem Kopf so gestaltet war, dass er sich unter dem eigenen Gewicht bog, sobald er in einem feindlichen Schild steckte, und schwer herauszuziehen war: Ein steckendes Pilum zog den Schild herab und zwang den Feind schliesslich, ihn wegzuwerfen. Der Wurfspeer ist eine universelle Waffe, die bei den Kulturen fast jedes Erdteils unabhaengig entstand, und es war ueblich, gleich nach dem Wurf zu einem Schwert oder einem anderen Speer zu greifen und den Kampf fortzusetzen.

Ursprung

Der Wurfspeer ist eine der aeltesten Geschosswaffen, die die Menschheit je schuf. Die etwa 300.000 Jahre alten Holzspeere, die in Schoeningen in Deutschland ausgegraben wurden, gehoeren zu den aeltesten von Menschen gemachten Jagdwaffen und dienten vermutlich sowohl dem Werfen als auch dem Stossen. Die leichte Infanterie des antiken Griechenland, die Peltasten, warf einen Wurfspeer namens Akontion und wickelte einen Lederriemen, das Amentum, auf Griechisch Ankyle genannt, um den Schaft, um ihm Drall zu geben und ihn weiter und gerader zu schicken. In Rom entwickelte sich um das 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. der schwere Wurfspeer namens Pilum und wurde zur Standardwaffe des Legionaers, waehrend anderswo regionale Formen entstanden, etwa das ganz eiserne iberische Soliferrum.

Merkmale

  • Ein zum Werfen leicht gemachter Speer (etwa 150 bis 200 cm)
  • Das roemische Pilum, dessen Weicheisenhals sich biegt, sobald er im Schild steckt
  • Eine ausgekluegelte Bauweise, durch die der steckende Schaft den Schild ausschaltet
  • Eine universelle Waffe, in fast jeder Kultur unabhaengig entwickelt
  • Eine Taktik, nach dem Wurf zum Schwert zu wechseln
  • Eine wirksame Wurfweite von etwa 20 bis 30 m

Geschichten

Der uebliche Gebrauch des Wurfspeers war eine Salve kurz vor dem Zusammenstoss. Der roemische Legionaer trug gewoehnlich zwei Pila, und als sich der Abstand zum Feind verkleinerte, warf er sie zugleich, um die Schilde des Feindes auszuschalten und die Formation zu zerbrechen, und zog dann sogleich den Gladius und stuermte. Leichte Truppen wie die griechischen Peltasten und die roemischen Veliten beunruhigten die Front einer feindlichen Formation, schlugen zu und wichen zurueck, bewarfen sie unablaessig mit Wurfspeeren und zogen sich zurueck, wenn der Feind naeher kam, in Plaenklertaktik. Wickelte man einen Lederriemen um den Schaft, gab das dem Speer beim Wurf Drall und steigerte Reichweite und Treffsicherheit stark, und das Werfen vom Pferd im Davonreiten, wie bei der numidischen Reiterei, war ebenfalls verbreitet.

Schwäche

Der Wurfspeer ist im Grunde einmalig zu gebrauchen, sodass er, einmal geworfen, sogleich einer anderen Waffe weichen muss. In der Hand gehalten kann er nicht so weit stossen wie ein gewoehnlicher Speer und taugt auch nicht recht zum Parieren in der Verteidigung, und da er leicht ist, ist er stark dem Wind ausgesetzt, sodass ein Treffer auf weite Entfernung nicht zu gewaehrleisten ist. Seine Reichweite ist im Vergleich zum Bogen kurz, und mehrere zu tragen ist entsprechend eine Last. Letztlich ist seine wesentliche Grenze, dass er keine eigenstaendige Hauptwaffe ist, sondern eine Hilfs- und Verbrauchswaffe, die den Kampf eroeffnet.

Kulturelle Bedeutung

Der Wurfspeer gehoert zu den am weitesten und laengsten geteilten aller menschlichen Waffen. Statt der Erfindung einer einzelnen Kultur traegt er eine Universalitaet darin, fast ueberall unabhaengig fuer Jagd und Krieg entstanden zu sein. Besonders das roemische Pilum wurde als Standardausruestung des Legionaers zu einer Waffe, die das roemische Heer selbst sinnbildlich darstellte. Der Akt des Werfens trug zudem ueber die Waffe hinaus in den sportlichen Wettkampf: Der Speerwurf gehoerte zum Fuenfkampf der antiken griechischen Olympia und besteht heute als der Speerwurf der olympischen Leichtathletik fort. Und wie beim Gae Bolga, dem verhaengnisvollen Speer des Cu Chulainn im irischen Mythos, erscheint der geworfene Speer auch als Sinnbild heroischer Legende.

In der Popkultur

Der Wurfspeer ist eine Waffe, die in Werken ueber die antike Kriegfuehrung nie fehlt. In Filmen, die in Rom und Griechenland spielen, und in Strategie- und Actionspielen wie Rome Total War und Mount and Blade werden die Pilum-Salve des Legionaers und das Plaenkeln leichter Truppen mit Wurfspeeren oft dargestellt. In Spielen erscheint er gewoehnlich als Plaenklereinheit, die nach dem Wurf zu einer Nahkampfwaffe wechselt. In Mythos und Fantasy wird der geworfene, verhaengnisvolle Speer bisweilen als Sinnbild eines Helden gezeichnet, wie beim Gae Bolga der irischen Legende. In der Fiktion wird jedoch die ausgekluegelte Bauweise, durch die sich der Schaft des Pilums im Schild festsetzt und biegt, um ihn auszuschalten, selten genau wiedergegeben.

Trivia

  • Die etwa 300.000 Jahre alten Holzspeere, die in Schoeningen in Deutschland ausgegraben wurden, gehoeren zu den aeltesten heute bekannten Holzwaffen und zeigen, dass Menschen den geworfenen Speer von sehr frueher Zeit an in der Jagd benutzten.
  • Laut Plutarch ersetzte der roemische Feldherr Marius einen der beiden Stifte, die den Kopf des Pilums am Schaft befestigten, durch einen hoelzernen, sodass in dem Augenblick, da es einen Schild traf, der Holzstift brach und der Speer sich bog und herabhing.
  • Der Speerwurf war eine Disziplin im Fuenfkampf der antiken griechischen Olympia und besteht heute als olympische Leichtathletikdisziplin fort, und die antiken Werfer wickelten einen Lederriemen, das Amentum, um den Schaft, um Drall und Reichweite zu steigern.