Cheonyeo-gwisin
Cheonyeo-gwisin · Der grollgebundene Jungfrauengeist — Ein koreanischer Geist, der mit ungelöstem Han umherirrt
Der Cheonyeo-gwisin (koreanisch Cheonyeo-gwisin, 'Jungfrau-Geist') ist der raechende Geist einer Frau, die unverheiratet gestorben ist und Han (zorniges Leid) hegt, die kanonische ikonografische Figur des koreanischen Horrors, gekennzeichnet durch eine weisse Trauerrobe (Sobok), lange, ungebundene schwarze Haare und ein blasses, blutloses Gesicht. Auch Sonkaksi (die verlorene Ehefrau) genannt, setzt sich der Begriff aus den sino-koreanischen Zeichen fuer Cheonyeo (Jungfrau) und Gwisin (Geist) zusammen. Der ikonografische Ursprung liegt in der Kombination der konfuzianischen Ehe-Weltanschauung und des koreanischen Schamanismus (Musok) der Joseon-Zeit (1392-1910): der Glaube, dass die wandernde Seele einer unverheirateten Frau in den neun Quellen (Gucheon) umherzieht, und die Doktrin des Haewon (die Loesung des Grolls), durch die der wandernde Geist nur dann ins Nirwana eingeht, wenn sein Han geloest wird. Der entscheidende literarische Kanon ist der spaet-Joseon-zeitliche klassisch-chinesische Roman Die Geschichte von Janghwa und Hongnyeon (Janghwa Hongnyeon-jeon) des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts — in dem die Schwestern Janghwa und Hongnyeon aus Cheolsan in der Provinz Pyeongan von ihrer Stiefmutter faelschlich beschuldigt werden, ungerecht sterben, zu Cheonyeo-gwisin werden und an den neuen Magistraten Jeong Dong-u appellieren, der ihren Groll loest — und etabliert den entscheidenden Kanon der Cheonyeo-gwisin-Ikonografie. Die KBS-Anthologieserie Legenden der Heimat (Jeonseol-ui Gohyang) von 1977 etablierte den kanonischen koreanischen Horror-Fernsehkanon, und Park Ki-hyungs Film Whispering Corridors (Yeogo Goedam) von 1998 sowie Kim Jee-woons Film A Tale of Two Sisters (Janghwa, Hongnyeon, mit Im Soo-jung und Moon Geun-young) von 2003 setzten den globalen Kanon der koreanischen Horror-Cheonyeo-gwisin-Ikonografie des einundzwanzigsten Jahrhunderts fest.