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Hochelf

High Elf · Edle Elfen — Aristokraten der Arkanmagie

Ein elbischer Adel des Lichts und der hohen Arkana, mit goldenem oder silbernem Haar, kunstvollen Gewaendern und einer Beherrschung der Arkanmagie, die alle anderen Elbenvolks-Linien uebertrifft. Sie sind die herrschende Kaste der elbischen Reiche und die Hueter einer alten magischen Zivilisation, stolzer und verschlossener als ihre niederen Verwandten. J. R. R. Tolkiens Noldor im Silmarillion (George Allen & Unwin, 1977) legen das moderne Urbild fest; Dungeons & Dragons (Advanced Players Handbook 2. Ausg., TSR, 1989; 5. Ausg. PHB, 2014), die Asur von Ulthuan in Games Workshops Warhammer Armies: High Elves (1993) und Blizzards Quel'dorei in World of Warcraft (2004) bilden die heutige Fantasie-Vorlage.

Ursprung

Die tolkiensche Wurzel des Hochelben ist das Volk der Noldor — eines der drei Eldar-Voelker neben den Vanyar (den hoechsten, die in Aman blieben) und den Teleri (Seeelben) —, die dem Ruf zum Licht Valinors folgten. Nach der Zerstoerung der Zwei Baeume Valinors durch Melkor und der Bannung ihres Lichts in den Silmarils kehrten die Noldor unter Feanor nach Mittelerde zurueck, um die Juwelen zu bergen; der Fluch jener Ruekkehr ist das Rueckgrat des Silmarillion. Die Entwuerfe gehen auf das Book of Lost Tales (um 1916; Christopher Tolkien in The History of Middle-earth Bd. 1-2, 1983-84) zurueck. Im Anhang F von Der Herr der Ringe (1954-55) nannte Tolkien ihre Sprache Quenya 'die lateinische Sprache der Elben'; in seinem Brief an W. H. Auden 1955 (Letters of J. R. R. Tolkien Nr. 163) erklaerte er, Quenya sei aus finnischer Phonologie, lateinischer Morphologie und griechischem Lexikon gebaut. Galadriel, Gil-galad und Elrond (halb-Noldor) sind seine Erben. Dungeons & Dragons fuehrte den Hochelben als eigene Unterrasse im Advanced Dungeons & Dragons Players Handbook 2. Ausgabe (TSR, 1989) ein; die 5. Ausgabe (Wizards of the Coast, 2014) gibt ihm einen Magier-Cantrip, eine zusaetzliche Waffenfertigkeit und eine zusaetzliche Sprache. Games Workshops Warhammer Armies (1985) brachte die Hochelben ein, Warhammer Armies: High Elves (1993, Rick Priestley u. a.) legte die Insel Ulthuan, deren Hauptstadt Lothern, den hoechsten Gott Asuryan und den Phoenix-Koenig fest. Blizzards Warcraft II: Tides of Darkness (1995) brachte die Quel'dorei ein; das World-of-Warcraft-Add-on The Burning Crusade (2007) verwandelte sie in die magisch suechtigen Sin'dorei.

Merkmale

  • Statur von rund eins dreiundsiebzig bis eins achtundachtzig (1,73-1,88 m), leicht groesser als gewoehnliche Elben, schlank und wuerdig
  • Goldenes, silbernes oder blass-platinblondes Haar, blaue oder violette Augen, sanft schimmernde Haut
  • Tiefe Affinitaet zur Arkanmagie — der Hochelb der fuenften D&D-Edition erlernt einen Magier-Cantrip; der Asur-Magier in Warhammer beherrscht alle acht Lehren der Magie
  • Eigene Hofsprachen wie Quenya und Sindarin (Tolkien), Eltharin (Warhammer), Thalassian (Warcraft) sowie eine literarische Runen-Steinzivilisation
  • Lebensspanne von etwa 750 bis 1.200 Jahren in der fuenften D&D-Edition (Tolkiens Noldor faktisch unsterblich), Gewaender aus Seide, Silber und Mithril

Geschichten

Hochelben erscheinen als herrschende Kaste magischer Reiche, als stolze Erzmagier und Weise und als Hueter alten Wissens. Bei Tolkien regiert Galadriel Lothlorien als letzte grosse Noldor-Herrscherin Mittelerdes, und Gil-galad, letzter Hochkoenig der Noldor, faellt in der Letzten Allianz gegen Sauron. Die Asur Warhammers fuehren mit magischen Flotten einen Zweifrontenkrieg gegen das Imperium und die Druchii, und die Quel'dorei Warcrafts bilden den Kern des Magierkollegiums Kirin Tor. Die Altmer der Elder Scrolls regieren die Sommerseeinseln und betreiben das rassistisch supremezistische Thalmor-Regime — eine kritische Umkehrung des Urbilds im einundzwanzigsten Jahrhundert. Die Figur ist kanonisch fuer Geschichten von Stolz und Niedergang, in denen Verharren in Magie und Geburt zur tragischen Schwaeche wird.

Schwäche

Stolz und Bluts-Absolutismus sind die zentralen Schwaechen. Tolkiens Feanor verlaesst Valinor in seiner Besessenheit fuer die Silmaril und begeht den ersten Bruder-Mord (Kinslaying), wodurch der Fluch der Noldor ueber sein Volk faellt. Die Asur Warhammers verloren in einem tausendjaehrigen Krieg mit den Druchii etwa die Haelfte ihrer Zahl, und die Sin'dorei Warcrafts zerreissen das Volk, indem sie zur daemonischen Fel-Magie greifen. Die Weigerung sich zu wandeln, die Verachtung von Menschen und niederen Elben sowie die verschlossene Selbstachtung machen Buendnisse schwer. Mechanisch erhaelt der Hochelb der fuenften D&D-Edition Immunitaet gegen Schlaf und Bezauberung, ist aber bei Lebenspunkten knapp und bei goettlicher Magie weniger heimisch als Menschen oder Zwerge.

Kulturelle Bedeutung

Der Hochelb geht zurueck auf Tolkiens mythopoetische Verschmelzung der spaeten viktorianischen keltischen Wiedergeburt (William Butler Yeats, The Celtic Twilight, 1893) und des finnischen Nationalepos Kalevala (Elias Lonnrot, 1835 und 1849). In seinem Brief an Auden 1955 schrieb Tolkien, Quenya sei aus finnischer Phonologie und lateinischer Morphologie mit griechischem Lexikon gefuegt. In den 1980er und 90er Jahren formten Dungeons & Dragons und Warhammer den Typus zum kanonischen 'arroganten Arkanen Adel'; Michael Moorcock las dies in Wizardry and Wild Romance (Gollancz, 1987) als kritisches Sinnbild der viktorianisch-edwardianischen englischen Aristokratie. Im einundzwanzigsten Jahrhundert wird die Figur zunehmend kritisch zurueckgelesen, beispielhaft in den Thalmor der Elder Scrolls und den suchtgetriebenen Sin'dorei Warcrafts. Japanische Light Novels seit Sword World RPG (Group SNE, 1989) zeigen den Hochelben dagegen meist als wohlwollenderen Gefaehrten.

In der Popkultur

J. R. R. Tolkien, The Silmarillion (Allen & Unwin, 1977) — Noldor, Feanor, GaladrielTolkien, The Lord of the Rings (1954-55), Anhang F — Elbenklassifikation und QuenyaDavid Zeb Cook u. a., Advanced Dungeons & Dragons Players Handbook 2. Aufl. (TSR, 1989) — Hochelb als UnterrasseRick Priestley u. a., Warhammer Armies: High Elves (Games Workshop, 1993) — Ulthuan, Asuryan, Phoenix-KoenigBlizzard, Warcraft II: Tides of Darkness (1995), World of Warcraft (2004), The Burning Crusade (2007) — Quel'dorei und Sin'doreiBethesda, The Elder Scrolls II: Daggerfall (1996) und The Elder Scrolls Online (2014) — Altmer und ThalmorWizards of the Coast, Dungeons & Dragons Players Handbook 5. Aufl. (2014) — Hochelb als Standard-UnterrasseGroup SNE, Sword World RPG (1989) — japanischer Hochelben-StandardAndrzej Sapkowski, Witcher-Reihe (supeRNOWA, ab 1990er Jahren) — Aen Seidhe und Aen ElleLarian Studios, Baldur's Gate 3 (2023) — zahlreiche hochelbische NPCs

Trivia

  • In einem Brief an W. H. Auden 1955 (Letters of J. R. R. Tolkien Nr. 163) schreibt Tolkien, Quenya sei aus finnischer Phonologie, lateinischer Morphologie und einer griechischen Lexikalschicht zusammengesetzt; auf dieser Mischung fusst jede spaetere Hochelben-Namensschoepfung.
  • Rick Priestley erklaerte 2010 im Black-Library-Interview, die Asur-Flotte von Warhammer Armies: High Elves (1993) sei unmittelbar dem englischen Linienschiff des achtzehnten Jahrhunderts nachempfunden — eine Anspielung, die in der Forschung als kolonialgeschichtliches Zitat gelesen wird.
  • Auf der BlizzCon 2007 erklaerte Chris Metzen, der Wechsel der Sin'dorei vom Buendnis zur Horde in The Burning Crusade sei bewusst angelegt, 'um die magische Sucht der Hochelben in moralische Kompromisse fuehren zu lassen'.
  • Eine Bleistift-Selbstzeichnung Feanors von Tolkien (um 1937, Bodleian Library, Oxford) traegt am Rand die Notiz 'eyes sealed with the light of the Two Trees' — der ikonographische Keim des 'leuchtenden Auges' der spaeteren Hochelben-Bilder.

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