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peryton
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Peridin

Peridini · Fabelwesen — Nicht real existierend

Der Peryton ist ein zusammengesetztes Phantasiewesen, das von Jorge Luis Borges und Margarita Guerrero in ihrem Manual de zoologia fantastica (1957) als kanonischer Eintrag eingefuehrt wurde. Es besitzt Leib und Kopf eines Hirsches und die dunklen, gefiederten Schwingen eines gewaltigen Vogels, doch sein auffaelligstes Merkmal ist, dass der Schatten, den es unter der Sonne wirft, nicht der eigene ist: es ist der Schatten eines Menschen. Borges fuehrt den Eintrag mit Verweis auf eine fiktive Handschrift eines arabischen Arztes des 16. Jahrhunderts in Fes und ein fiktives Fragment der erythraeischen Sibylle aus Ravenna ein, in dem berichtet wird, der Peryton sei einst Mensch gewesen und gewinne erst nach der Toetung eines Sterblichen das Recht, seinen eigenen Schatten zu werfen. Die erweiterte Ausgabe von 1967, El libro de los seres imaginarios, von Norman Thomas di Giovanni 1969 ins Englische uebertragen, etablierte den Peryton in der phantastischen Literatur; 1983 kanonisierte ihn Gary Gygax im Monster Manual II von Dungeons and Dragons.

Ursprung

Der Peryton erscheint zum ersten Mal im 1957 in Buenos Aires bei Fondo de Cultura Economica erschienenen Manual de zoologia fantastica, einem von Borges mit Margarita Guerrero verfassten Band mit rund 80 Eintraegen. Borges fuehrt das Wesen ein, indem er als Quellen eine fiktive Handschrift eines arabischen Arztes in Fes aus dem 16. Jahrhundert und ein fiktives Fragment der erythraeischen Sibylle aus Ravenna zitiert. Beide Zitate gelten in der Forschung als typische Borges-Pseudoquellen, eine Technik, die er bereits in Tlon, Uqbar, Orbis Tertius (1940), den Ficciones (1944) und El Aleph (1949) entwickelt hatte. Die erweiterte Ausgabe El libro de los seres imaginarios erschien 1967; 1969 uebersetzte Norman Thomas di Giovanni das Buch ins Englische, und 1983 nahm Gary Gygax den Peryton in das Monster Manual II auf, womit er fuer das Fantasy-Rollenspiel kanonisiert wurde.

Merkmale

  • Hirschleib, Hirschbeine und Hirschkopf mit den dunklen Schwingen eines Riesenvogels
  • Wirft unter Sonnenlicht nicht den eigenen, sondern den Schatten eines Menschen
  • Muss einen Menschen toeten, um den eigenen Schatten zu erlangen
  • Fliegt in Schwaermen; nach vollzogener Toetung friedlich gegenueber Menschen
  • Laut Quellenangabe einst Mensch gewesen und verwandelt
  • Soll auf einer ungenannten Insel jenseits des grossen Meeres leben

Geschichten

Seit der Erstausgabe von 1957 ist der Peryton ein Wahrzeichen der lateinamerikanischen Phantastik; nach der englischen Uebersetzung von 1969 wurde er von Zeitgenossen wie Ursula K. Le Guin und Italo Calvino erwaehnt. Mit der Aufnahme in das Dungeons and Dragons Monster Manual II 1983 wurde der Peryton fuer das Fantasy-Rollenspiel kanonisiert; in der Folge erschien er in Karten von Magic: The Gathering, im Bestiarium der Witcher-Spielreihe und in zahllosen Rollenspielerweiterungen. Borges' Technik der Pseudoquelle gilt in Literatur- und Spieleforschung als Modell, und der Peryton-Eintrag wird im Schreibunterricht als Paradebeispiel der erfundenen Quelle gefuehrt.

Schwäche

Borges' kurzer Eintrag nennt keinen formellen Fressfeind. Die wesentliche Einschraenkung ist innerlich: hat ein Peryton einen Menschen erlegt und dessen Schatten gewonnen, greift er nie wieder einen anderen an, sodass ein einmal blutiger Peryton keine Bedrohung mehr darstellt. Spaetere Fantasy-Spiele, beginnend mit der Dungeons-and-Dragons-Fassung von 1983, fuegten Trefferwuerfel und Anfaelligkeiten gegen versilberte oder gesegnete Waffen hinzu; das sind Spielerweiterungen, kein Bestandteil des Borges-Originals. Die tiefste Schwaeche bleibt ohnehin der Schatten selbst: ein Peryton ohne Sonnenlicht, der seinen geliehenen Schatten nicht projizieren kann, wird zum wandernden Geist seiner selbst.

Kulturelle Bedeutung

Der Peryton ist mehr als ein Phantasie-Tier; er ist ein Lehrbuchbeispiel fuer Borges' Verfahren, erfundene Wesen durch fiktive Quellen zu kanonisieren. Die Sibyllen-Prophezeiung, der Peryton werde Rom zu Fall bringen, ist die zoologische Variante der apokryphen Historien, die Borges' Erzaehlungen seit den 1940er Jahren durchziehen. Das Manual von 1957 stand am Anfang der lateinamerikanischen Phantastik der 1960er Jahre, und die Kanonisierung im Dungeons and Dragons Monster Manual II 1983 brachte den Peryton von der Borges-Bibliothek an den Spieltisch. Der Eintrag wird in Literatur- und Spielwissenschaft als Modellfall der Pseudoquellen-Zitation studiert.

In der Popkultur

Jorge Luis Borges und Margarita Guerrero, Manual de zoologia fantastica (1957) — ErstveroeffentlichungBorges, El libro de los seres imaginarios (1967) — erweiterte AusgabeNorman Thomas di Giovanni, The Book of Imaginary Beings (1969) — englische UebersetzungGary Gygax, Dungeons and Dragons Monster Manual II (1983) — Fantasy-SpielkanonJohn Clute und John Grant, The Encyclopedia of Fantasy (1997) — Eintrag als kanonischMagic: The Gathering — Peryton-Karten in mehreren ErweiterungenDie Witcher-Spielreihe — Peryton-Eintrag im Bestiarium