
Säbel
Die gebogene Kavalleriewaffe
Der Säbel ist das Standardschwert der europäischen Reiterei vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine sanft gekrümmte, einschneidige Klinge von etwa 80–90 cm und einen D-förmigen Bügelgriff, der die ganze Hand umschließt. Die Krümmung der Klinge ist auf den Hieb optimiert — den Zugschnitt im vollen Galopp —, der im Augenblick des Angriffs eine tiefe Wunde hinterlässt. Aus den gekrümmten Schwertern der osteuropäischen und ungarischen Reiterei des 17. Jahrhunderts hervorgegangen, verbreitete er sich über Westeuropa und wurde in der napoleonischen Zeit zur Hauptwaffe der Reiterei Frankreichs, Britanniens, Preußens und jeder Großmacht. Mit etwa 900 g–1,1 kg einhändig geführt, versinnbildlicht er mit den prunkvollen Uniformen der leichten Reiterei das 'Zeitalter der Kavallerie'. Die Säbel-Disziplin des modernen Fechtens stammt von ihm ab.
Ursprung
Der Säbel wuchs aus den gekrümmten Schwertern der osteuropäischen und ungarischen Reiterei des 17. Jahrhunderts. Seine Wurzeln liegen in östlichen Krummklingen wie dem osmanischen Kilidsch und Schamschir, deren hiebfreundliche Krümmung dem berittenen Kampf entsprach und sich bei den ungarischen Husaren (leichte Reiterei) und der polnischen Reiterei durchsetzte. Im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete sich dieser Säbel ungarischer Art in den westlichen Heeren und wurde mit den Verbänden der leichten Reiterei standardisiert, zum vertretenden Reiterschwert Europas in den Napoleonischen Kriegen (1803–1815). Als Maschinengewehr und Mehrladegewehr des späten 19. Jahrhunderts den Reiterangriff überflüssig machten, verfiel er als Schlachtfeldwaffe, lebte aber als Gala- und Zeremonialschwert des Offiziers und als Fechtdisziplin fort.
Merkmale
- Sanft gekrümmte, einschneidige Klinge (etwa 80–90 cm)
- D-förmiger Bügelgriff, der die ganze Hand umschließt
- Auf den berittenen Hieb (Zugschnitt) optimierte Krümmung
- Gesamtgewicht etwa 900 g–1,1 kg, einhändig geführt
- Aus den ungarischen Husaren; der Standard der napoleonischen Reiterei
- Das Urbild der modernen Säbel-Fechtdisziplin
Geschichten
Der wahre Wert des Säbels lag im Reiterangriff. Ein Reiter, der im vollen Tempo am Feind vorbeiritt, schlug Fußvolk und Reiter mit der gekrümmten Klinge nieder; der Zugschnitt, um die Geschwindigkeit des Pferdes verstärkt, öffnete in einem einzigen vorbeistreichenden Hieb eine tiefe Wunde. Im Angriff führte man ihn mit gestrecktem Arm, die Spitze voran, oder mit schräg hängender Klinge, um im Vorbeireiten zu schneiden. Der D-Bügel schützte die Hand, sodass sie selbst im Getümmel klirrender Klingen unversehrt blieb. Er diente auch im abgesessenen Duell und Nahkampf, doch sein eigentliches Element war stets der bewegliche Schlag aus dem Sattel.
Schwäche
Auf den Hieb spezialisiert, war die gekrümmte Klinge beim Stoß weniger wirksam als ein gerades Schwert, was sie beim frontalen Durchstoßen geschlossener Infanterie benachteiligte (wofür einige Heere ein eigenes gerades Stoß-Reiterschwert führten). Auf den berittenen Kampf optimiert, war ihr Nutzen im abgesessenen Nahkampf begrenzt, und vor allem stürzte der Schlachtfeldwert des Säbels ab, als das Mehrladegewehr und Maschinengewehr des späten 19. Jahrhunderts den Reiterangriff selbst zum Selbstmord machten. Über die beiden Weltkriege verschwand er nahezu vom Schlachtfeld.
Kulturelle Bedeutung
Der Säbel ist das Schwert, das das 'Zeitalter der Kavallerie' und den Offiziersstand versinnbildlicht. Die prunkvolle Uniform des Husaren und die blitzende Krummklinge verkörperten das romantische Bild des Heeres des 19. Jahrhunderts, und bis heute lebt er als Gala- und Zeremonialschwert des Offiziers und im 'Säbelbogen' der Militärhochzeit fort. Er hinterließ auch in der Sprache eine Spur: das englische 'saber-rattling' (Säbelrasseln) wurde zur Redewendung dafür, militärische Macht zu zeigen, um zu drohen, ohne sie wirklich einzusetzen. Von den drei Waffen des modernen Fechtens stammt der 'Säbel' unmittelbar von dieser Reiterklinge ab.
In der Popkultur
Der Säbel ist fester Bestandteil von Werken, die in der napoleonischen Zeit und im Krieg des 19. Jahrhunderts spielen. Er wird als Angriffswaffe in Filmen wie Waterloo, der Serie Sharpe und der Reiterei von Napoleon: Total War gezeigt. Der Säbel (szabla) der polnischen 'Flügelhusaren' ist ein Sinnbild des polnischen Historiendramas, und der Säbel erscheint auch in den Reiterangriffen des Krimkriegs, berühmt aus Tennysons Gedicht The Charge of the Light Brigade. Der Name des 'Lichtschwerts' (lightsaber) aus Star Wars ist zudem von diesem Säbel genommen — das Bild der Krummklinge reichte bis in die Science-Fiction.
Trivia
- Das englische 'saber-rattling' (Säbelrasseln) ist eine Redewendung, geboren aus Offizieren, die mit ihren Säbeln rasselten, um einzuschüchtern; es bedeutet, militärische Macht zur Schau zu stellen, um zu drohen, ohne wirklich Krieg zu führen.
- Von den drei Waffen des modernen olympischen Fechtens — Florett, Degen und Säbel — punktet nur der Säbel durch Hieb mit der Schneide, ein Zug, der unmittelbar vom Hieb des Reitersäbels und nicht vom Stoß des geraden Schwerts herrührt.
- Der polnische Krummsäbel, die szabla, war die Waffe des Adels (szlachta) und der 'Flügelhusaren' (husaria) und ist ein tief in die polnische nationale Identität eingewobenes kulturelles Sinnbild.
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