
Pike
Die überlange Stangenwaffe der Pikeniere
Die Pike ist die laengste Waffe in der Geschichte des Fussvolks und reicht von etwa 400 bis 600 cm. Eine Waffe allein fuer die Masse, mit beiden Haenden gehalten und nur in dichter Formation gebraucht, traegt sie einen verhaeltnismaessig kleinen Stahlkopf auf einem Schaft aus Esche. Das von den Schweizer Soeldnern entwickelte Pikenviereck war eine riesige igelartige Formation mit Hunderten von Spitzen, die auf jeder Seite starrten, das wirksamste Mittel, einen Reiterangriff aufzuhalten. Die Maenner der hinteren Glieder stiessen ihre Piken ueber die Schultern der vorderen, sodass vier oder fuenf Reihen von Spitzen dem Feind zugleich entgegenstanden. Das spanische Tercio des 16. und 17. Jahrhunderts verband diese Pikeniere mit Arkebusieren und vollendete die staerkste Fussvolktaktik des damaligen Europa.
Ursprung
Die Wurzel der Pike ist die Sarissa des alten Makedonien, die etwa 5 bis 6 m lange beidhaendige Pike, die die Phalanx Philipps II. und Alexanders des Grossen trug. Diese lange Pike, die nach der Antike verschwunden war, wurde im 14. Jahrhundert von Schweizer Fussvolk wiederbelebt. Die schweizerischen Bauern- und Buergeraufgebote, die kein anderes Mittel hatten, der ritterlichen Reiterei auf offenem Feld zu begegnen, brachen das anstuermende schwere Pferd mit dem Pikenviereck wieder und wieder, und mit den Siegen von Sempach 1386 und den Burgunderkriegen von 1476 bis 1477 wurde das Pikenfussvolk zu etwas, das ganz Europa fuerchtete. Damit neigte sich das Zeitalter des Ritters, und der Zug, durch den diszipliniertes Fussvolk zum Herrn des Schlachtfelds wurde, fasste fest.
Merkmale
- Die laengste der Fussvolkwaffen, etwa 400 bis 600 cm
- Das Pikenviereck, eine Formation, die auf jeder Seite schuetzt
- Vier oder fuenf Reihen von Spitzen, die dem Feind zugleich entgegenstehen
- Das wirksamste Mittel der Verteidigung gegen Reiterei
- Das spanische Tercio, eine Taktik aus Pike und Arkebuse
- Ein Gewicht von etwa 3 bis 5 kg
Geschichten
Die Pike konnte nicht allein gebraucht werden und gab ihre Kraft nur innerhalb einer Formation. Wenn dicht gereihte Maenner ihre Piken schraeg nach vorn stiessen, hielt das Pferd der anstuermenden Reiterei vor jener Wand von Spitzen an oder wurde durchbohrt. Trafen Pikenvierecke aufeinander, entschied sich die Sache durch das Schieben der Piken, wobei jedes mit gesenkten Piken gegen das andere draengte. Im spanischen Tercio schuetzten die Pikeniere jede Seite, um die Arkebusiere im Inneren vor der Reiterei zu schirmen, und das Feuer der Buechse verband sich mit der Wand der Pike zu einem Fussvolkblock, der nicht brechen wollte.
Schwäche
Die Schwaeche der Pike ist die Kehrseite ihrer extremen Laenge. Zu lang und schwer, um ueberhaupt im Einzelkampf gebraucht zu werden, ist sie eins gegen eins oder auf engem Raum nutzlos. Vor allem ist der Pikenier, sobald die Formation bricht, praktisch wehrlos und wird von einem Feind mit kurzer Waffe einseitig niedergemacht, weshalb Pikeniere gewoehnlich ein kurzes Schwert als Nebenwaffe trugen. Das Viereck verlangte zudem ebenes Gelaende und das Halten fester Glieder, sodass es auf zerklueftetem Boden oder in Verwirrung seine Kraft verlor.
Kulturelle Bedeutung
Die Pike ist eine Waffe, die fuer die Fussvolkrevolution sinnbildlich steht, in der diszipliniertes Fussvolk den Ritter beiseitedraengte und zum Herrn des Schlachtfelds wurde. Das Ereignis, dass das aus Gemeinen bestehende Schweizer Pikenviereck Heere adliger Ritter wieder und wieder brach, kuendete den Beginn eines neuen Zeitalters an, in dem die Disziplin und Formation der Gruppe statt der Tapferkeit des Einzelnen den Krieg entschied. Die Schweizer Soeldner und die deutschen Landsknechte wurden mit dieser Pikentaktik in den Staaten Europas angeworben und erwarben Ruhm, und die Pike-und-Schuss-Taktik des spanischen Tercio stuetzte die militaerische Vormacht des spanischen Reiches im 16. und 17. Jahrhundert.
In der Popkultur
Die Pike ist eine Waffe, die in Strategiespielen ueber den Krieg der Renaissance und der fruehen Neuzeit nie fehlt. In Spielen wie Total War und Age of Empires erscheint der Pikenier als die Anti-Reiter-Einheit, die einen Reiterangriff entwaffnet, und das dichte Pikenviereck und das Tercio werden oft dargestellt. Auch in historischen Filmen gibt es Szenen, in denen ein starrendes Pikenviereck die Reiterei zum Stehen bringt. In Werken jedoch, die grelles Einzelkoennen behandeln, wird der Charakter der Pike als Waffe der Masse, die nur in der Formation glaenzt, oft nicht voll gezeigt.
Trivia
- Die Pike geht auf die Sarissa des alten Makedonien zurueck, die etwa 5 bis 6 m lange Pike der Phalanx Philipps II. und Alexanders, und nach ihrem Verschwinden in der Antike wurde sie im 14. Jahrhundert von Schweizer Fussvolk wiederbelebt, dessen Pikenvierecke die ritterliche Reiterei wieder und wieder brachen (Sempach 1386, die Burgunderkriege von 1476 bis 1477).
- Die Pike-und-Schuss-Taktik, in der Pikeniere die Reiterei abhielten, waehrend Arkebusiere Feuerkraft beisteuerten, wird durch das spanische Tercio verkoerpert und beherrschte das europaeische Schlachtfeld im 16. und 17. Jahrhundert.
- Was das Zeitalter der Pike beendete, war das Bajonett: Eine Klinge an die Muendung einer Muskete zu stecken machte jeden Musketier zu seinem eigenen Pikenier, sodass um 1700 der eigene Pikenier aus den Heeren Europas verschwunden war.