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Morgenstern

Der stachelbewehrte Streitkolben

Der Morgenstern ist eine Schlagwaffe mit einem runden, mit mehreren Metallstacheln besetzten Kopf — ein bestachelter, kugelförmiger Kopf auf einem Schaft aus Holz oder Metall. Sein Name kommt vom deutschen Morgenstern, da der nach allen Seiten ragende Stachelkopf an einen Stern oder die Sonne erinnert. Er versetzt zugleich stumpfe Wucht und Stachelstich, zertrümmert Ketten- oder Polsterrüstung und durchsticht sie zugleich. Billig und leicht zu fertigen — ein mit Nägeln oder Eisenstacheln beschlagener Knüppel —, wurde er von mittelalterlicher Infanterie und von Bauern- und Bürgermilizen breit genutzt. Seine Formen reichten vom kurzen einhändigen Knüppel bis zur langen zweihändigen Ausführung.

Ursprung

Der Morgenstern entstand im Europa des 14.–16. Jahrhunderts unter Fußtruppen sowie Bauern- und Bürgermilizen, die sich kein teures Schwert leisten konnten und sich leicht selbst behelfen konnten. Aus einem schlichten, mit Eisenstacheln beschlagenen Alltagsknüppel hervorgegangen, teilte er sich allmählich in einen eigens gefertigten militärischen Morgenstern (ganz aus Metall) und eine bäuerliche Form (Holzschaft mit Eisenstacheln). Besonders die Stadtmilizen und Bauernerhebungen der Schweiz, Deutschlands und Flanderns griffen ihn gegen die Ritter gern. Mit dem Flegel — einer Stachelkugel an einer Kette — teilt er allein den bestachelten Kopf; es ist eine andere Waffe, mit der man ihn oft verwechselt.

Merkmale

  • Schlagwaffe mit rundem, mit Metallstacheln besetztem Kopf
  • Stumpfe Wucht und Stachelstich zugleich
  • Schaft aus Holz oder Metall, von einhändig bis zweihändig
  • Zertrümmert Ketten- und Polsterrüstung und durchsticht sie
  • Billig aus Knüppel und Nägeln gefertigt — Waffe von Miliz und Bauer
  • Name vom deutschen Morgenstern

Geschichten

In großem Bogen niedergeschlagen, traf der Stachelkopf Helm und Rüstung des Gegners mit Wucht, während die Stacheln stachen. Gegen die Ketten-, Leder- und Polsterrüstung der Zeit vor dem Plattenpanzer war der stumpfe Schlag besonders wirksam und übertrug die Kraft auf Knochen und Fleisch darunter, selbst wenn er nicht durchdrang. Er wurde in dichten Infanterieverbänden geschwungen und diente dazu, im Belagerungskampf hochkletternde Feinde niederzuschlagen. Leicht zu führen und schon mit wenig Übung wirksam, eignete er sich für ausgehobene Fußtruppen und Milizen statt für geübte Ritter. Da das Gewicht jedoch im Kopf saß, ließ ein Fehlschlag eine große Blöße.

Schwäche

Da das Gewicht im Kopf saß, war er nach einem Schlag langsam zurückzuführen, und ein Fehlschlag öffnete eine große Blöße. Schneiden konnte er nicht — nur schlagen und stechen —, sodass die feinen Paraden und Verbindungen eines Schwertes ihm fehlten. Blieben die Stacheln in Rüstung, Schild oder Fleisch des Gegners stecken und ließen sich nicht lösen, war der Träger einen Augenblick wehrlos. Er brauchte Raum zum Ausholen und tat sich in der Enge schwer; ab dem 16. Jahrhundert, als Plattenrüstung und Feuerwaffen sich verbreiteten, verfiel er mit den Schlagwaffen insgesamt.

Kulturelle Bedeutung

Der Morgenstern steht für die 'Waffe des gemeinen Mannes'. Billig und einfach, konnten ihn selbst Bauern und Städter haben, die kein Schwert kaufen konnten, und so lag er in den Händen, die sich in den Stadtmilizen und Bauernerhebungen des späten Mittelalters der Ritteraristokratie entgegenstellten. Im Englischen nannte man den militärischen Morgenstern auch 'holy water sprinkler' (Weihwasserwedel) — ein grimmiger Soldatenspitzname, weil der Stachelkopf dem Aspergill zum Versprengen von Weihwasser in der Kirche ähnelte. Heute ist der Morgenstern in Fantasy und Spielen als die archetypische 'schwere, brutale Schlagwaffe' verankert.

In der Popkultur

Der Morgenstern ist in Fantasy und Spielen neben dem Streitkolben ein fester Vertreter der stumpfen Schlagwaffen. Er steht auf der Grundwaffenliste von Dungeons & Dragons und erscheint in unzähligen Rollenspielen von Dark Souls bis Diablo als Schlagwaffe mit Stachelkopf. In Spielen und Comics wird er jedoch oft als 'Stachelkugel an einer Kette' gezeichnet — ein populäres Bild, das den eigentlichen Morgenstern (Stachelkopf am Schaft) mit dem Flegel vermengt. Auch als Waffe von Hexen, Monstern und Schurken kommt er häufig vor und wirkt bedrohlich.

Trivia

  • Der Name 'Morgenstern' rührt daher, dass der nach allen Seiten ragende Stachelkopf an einen Stern oder die Sonne erinnerte.
  • Die in der Populärkultur verbreitete 'Stachelkugel an einer Kette' ist in Wahrheit eher der Flegel; der historische Morgenstern befestigte einen Stachelkopf am Schaft — und der Kampfeinsatz der Kettenform ist unter Fachleuten sehr umstritten.
  • In England nannte man den militärischen Morgenstern 'holy water sprinkler', ein Soldatenspitzname, weil der Stachelkopf dem Gerät zum Versprengen von Weihwasser glich.