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Langschwert

Das Zweihänder-Schwert des mittelalterlichen Europas

Das Langschwert ist das beidhaendige gerade Schwert, das in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert am weitesten gebraucht wurde. Mit einer Klinge von etwa 90 bis 130 cm und einem langen Griff von 20 bis 30 cm kann es in einer Hand oder mit beiden gefuehrt werden und heisst daher auch Bastardschwert oder Anderthalbhaender. Seine Merkmale sind eine gerade zweischneidige Klinge, ein kreuzfoermiges Gefaess und ein schwerer Knauf, und dank der Balance des Knaufs, der den Schwerpunkt etwa 10 cm vor dem Gefaess setzt, ist seine Handhabung hervorragend. Sein Gesamtgewicht betraegt etwa 1,1 bis 1,8 kg, weit leichter als gemeinhin angenommen. Es ist eine vielseitige Waffe, ausgestattet mit einer breiten Palette von Techniken: Hieben und Stichen natuerlich, aber auch dem Halbschwert, dem Greifen der Klinge zum Stich, und dem Mordschlag, dem Niederschlagen mit dem Knauf.

Ursprung

Das Langschwert erschien, als in der Linie des einhaendigen Ritterschwerts, das vom Wikingerschwert des 10. Jahrhunderts abstammt, der Griff um das spaete 13. Jahrhundert verlaengert wurde, sodass es auch in zwei Haenden gehalten werden konnte, und es erreichte im 14. und 15. Jahrhundert seinen Hoehepunkt. Die Art, diese Waffe zu fuehren, wurde in systematischen Fechtbuechern festgehalten, die bis heute ueberliefert sind: die deutsche Kunst des Fechtens entsprang Johannes Liechtenauer des 14. Jahrhunderts, und in Italien hinterliess Fiore dei Liberi um 1409 die Fior di Battaglia, die Blume des Kampfes. Diese Handbuecher wurden die Grundlage der modernen Wiederbelebung der Historischen Europaeischen Kampfkuenste (HEMA).

Merkmale

  • Eine gerade zweischneidige Klinge (etwa 90 bis 130 cm)
  • Ein langer Griff fuer anderthalbhaendigen oder beidhaendigen Gebrauch (20 bis 30 cm)
  • Ein kreuzfoermiges Gefaess und ein schwerer Knauf
  • Ein Gesamtgewicht von etwa 1,1 bis 1,8 kg, leichter als gedacht
  • Eine Palette von Techniken wie das Halbschwert und der Mordschlag
  • Ein Schwerpunkt etwa 10 cm vom Gefaess, fuer hervorragende Handhabung

Geschichten

Das Langschwert war die Hauptwaffe von Rittern und Soldaten, eine Schluesselwaffe nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern in gerichtlichen Duellen und Turnieren. In zwei Haenden gehalten, bewegte es sich frei zwischen schweren Hieben und genauen Stichen, und mit seinem langen Griff aenderte es die Richtung rasch wie durch einen Hebel und entfaltete eine vielfaeltige Reihe von Techniken. Sein wahrer Wert zeigte sich vor allem gegen einen gepanzerten Feind: mit dem Halbschwert, dem Greifen der Klinge in einer Hand, um genau in die Luecken des Panzers zu stechen, und mit dem Mordschlag, die Klinge umgekehrt haltend und den schweren Knauf und das Gefaess wie einen Hammer oder eine Spitzhacke schwingend, konnte es selbst Plattenpanzer angreifen, den die Schneide nicht schneiden konnte. Es war eine Allzweckwaffe, ausgestattet mit Hieb, Stich, Knaufschlag und Ringen.

Schwäche

Die Schwaeche des Langschwerts ruehrt aus seiner langen Klinge und der beidhaendigen Fuehrung. In einem engen, geschlossenen Raum oder einer dichten Formation wird die lange Klinge zum Hindernis, und es ist schwer, sein Koennen zu entfalten. Da es von Natur fuer zwei Haende gedacht ist, eignet es sich auch nicht zum Fuehren von Schwert und Schild zugleich in einer Hand. Verglichen mit einem Kurzschwert ist es im engen Gedraenge eines Handgemenges umstaendlich zu handhaben, und seine angeborene Vielseitigkeit kommt erst zur Geltung, gestuetzt von Raum zum freien Bewegen und betraechtlicher Uebung.

Kulturelle Bedeutung

Das Langschwert ist das Sinnbild des spaetmittelalterlichen Ritters und das Herz der europaeischen Fechttradition. Seine Form mit dem kreuzfoermigen Gefaess ueberlappt mit dem Bild des Rittertums und des Christentums und ist die Gestalt geworden, die bis heute bei den Worten Ritterschwert in den Sinn kommt. Vor allem steht das Langschwert im Mittelpunkt einer schriftlichen Fechttradition: die mittelalterlichen und Renaissance-Fechtbuecher, darunter die Handbuecher Liechtenauers und Fiores, sind in Fuelle ueberliefert und werden heute als Historische Europaeische Kampfkuenste (HEMA) wiederbelebt und tatsaechlich geuebt. Das heisst, das Langschwert ist kein Museumsstueck, sondern die Waffe einer lebendigen Kampfkunst, die heute noch erforscht und geschwungen wird.

In der Popkultur

Das Langschwert ist die Waffe, die am weitesten als Inbegriff des Ritterschwerts in Fantasy und Spielen auftritt. Es wird als Standardwaffe des Ritters und des Kriegers in unzaehligen Rollen- und Actionspielen und in Filmen mittelalterlicher Kulisse gezeichnet und in Spielen einschliesslich Dungeons and Dragons als Klasse eines Anderthalbhaenders behandelt. Auch in der Wirklichkeit werden seine Techniken durch HEMA-Turniere und -Uebung wiedergegeben und sind weithin bekannt. In der Fiktion wird das Langschwert jedoch oft zu einer unrealistisch schweren und plumpen Waffe uebertrieben oder als nur hauend gezeichnet, sodass die genauen und vielfaeltigen wirklichen Techniken wie das Halbschwert und der Knaufschlag wenig gezeigt werden.

Trivia

  • Ein wirkliches Langschwert ist weit leichter als gemeinhin angenommen, gewoehnlich nur etwa 1,1 bis 1,8 kg, mit seinem Schwerpunkt nur wenige Zentimeter vor dem Gefaess, sodass es eine schnelle und genaue Waffe war statt einer plumpen, wobei der schwere Knauf als Gegengewicht wirkt.
  • Das Langschwert steht im Mittelpunkt einer schriftlichen europaeischen Fechttradition: Fechtbuecher wie die Linie Johannes Liechtenauers des Deutschland des 14. Jahrhunderts und die Fior di Battaglia des Italieners Fiore dei Liberi (um 1409) sind in Fuelle ueberliefert und wurden die Grundlage der modernen Wiederbelebung der Historischen Europaeischen Kampfkuenste (HEMA).
  • Gegen Plattenpanzer gebrauchte das Langschwert besondere Techniken: das Halbschwert, das Greifen der Klinge in einer Hand, um genau in die Luecken des Panzers zu stechen, und den Mordschlag, die Klinge umgekehrt haltend und den schweren Knauf und das Gefaess wie einen Hammer schwingend, einen Panzer, den die Schneide nicht schneiden konnte, wie mit einer Schlagwaffe angreifend.