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Armbrust

Die mechanische Fernwaffe des Mittelalters

Die Armbrust ist eine Fernwaffe, die einen Bogen waagerecht auf einen Schaft, die Saeule, legt und die gespannte Sehne haelt, bis ein Abzug sie loest. Anders als ein gewoehnlicher Bogen kann sie nach verhaeltnismaessig kurzer Uebung statt einer lebenslangen Praxis grosse Kraft austeilen und wird darum oft eine demokratisierte Waffe genannt. Im mittelalterlichen Europa wurde sie weithin als Waffe des Fussvolks und als Stuetze der Mauerverteidigung gebraucht. Fruehe Bogen waren Komposit aus verleimtem Holz, Horn und Sehne, doch vom 14. Jahrhundert an wurde der Stahlbogen eingefuehrt und hob das Spanngewicht und die Durchschlagskraft stark. Der Bolzen, der dem Pfeil entspricht, ist kuerzer und schwerer als ein gewoehnlicher Pfeil und teilte auf kurze Entfernung starke Durchschlagskraft aus.

Ursprung

Die Armbrust soll um das 5. Jahrhundert v. Chr. in Chinas Zeit der Streitenden Reiche entstanden sein. Die chinesische Nu jener Zeit produzierte einen praezise gegossenen bronzenen Abzugsmechanismus in Masse und stuetzte die Heere der Qin- und Han-Reiche, und die Terrakotta-Armee des Grabes des Ersten Kaisers war mit Armbruesten bewaffnet. In Europa verbreitete sie sich um das 10. Jahrhundert erneut weit, und da ein Gemeiner nun mit nur kurzer Uebung einen gepanzerten Ritter toeten konnte, weckte sie die Furcht, die Ordnung des Ritterstandes zu erschuettern. Auf dem Zweiten Laterankonzil von 1139 verbot Papst Innozenz II. ihren Gebrauch unter Christen, doch das Verbot hatte fast keine Kraft.

Merkmale

  • Ein waagerechter Bogen und ein mechanischer Abzug, der die gespannte Sehne haelt
  • Grosse Kraft selbst bei kurzer Uebung, eine demokratisierte Waffe
  • Hervorragende Durchschlagskraft mit dem Stahlbogen vom 14. Jahrhundert
  • Ein Bolzen, kurz und schwer fuer hohe Durchschlagskraft auf kurze Entfernung
  • Gespannt durch eine Winde, eine Kurbel oder einen Fuss-Steigbuegel
  • Eine wirksame Reichweite von etwa 100 bis 200 m

Geschichten

Die Armbrust glaenzte vor allem in der Mauerverteidigung und im Belagerungskampf. Sie liess sich im Voraus spannen, was Zeit zum Zielen liess, und die starke Durchschlagskraft des Stahlbogens durchstiess Schilde und Panzer. Im Feld fuehrte sie das Fussvolk, indem es den Koerper hinter einem grossen Schild, der Pavese, barg, einen Bolzen schoss und erneut spannte, wobei die genuesischen Armbrustsoeldner das Hauptbeispiel waren. Je schwerer es einem Heer fiel, geuebte Schuetzen heranzuziehen, desto groesser war der Wert der Armbrust, denn anders als der Langbogen, der eine lebenslange Praxis verlangte, konnte sie jeder in kurzer Zeit erlernen und einen kraftvollen Bolzen loesen.

Schwäche

Die groesste Schwaeche der Armbrust ist ihre langsame Schussfolge. Es braucht Zeit, die starke Sehne erneut zu spannen und festzusetzen, sodass sie nur 1 bis 3 Schuss in der Minute schaffte, weit hinter dem Bogen, der mehr als zehn loeste. In der Schlacht von Crecy 1346 verdankte sich die Niederlage der genuesischen Armbrustschuetzen gegen die englischen Langbogenschuetzen diesem langsamen Spannen, vom Regen durchnaessten Sehnen und dem Fehlen der Pavesen zugleich. Auch sind die Sehne und die mechanischen Teile schwach gegen Feuchtigkeit, sodass ihre Kraft bei feuchtem Wetter fiel und der feine Abzugsmechanismus versagen konnte.

Kulturelle Bedeutung

Die Armbrust ist eine Waffe, die fuer die Demokratisierung des Krieges sinnbildlich steht. Indem sie nicht einem durch lebenslange Praxis herangezogenen Ritter oder geuebten Schuetzen, sondern einem kurz angelernten Gemeinen erlaubte, einen gepanzerten Adligen zu faellen, erschuetterte diese Waffe die Ordnung des mittelalterlichen Standes. Solche Unruhe lag auch dem Versuch der Kirche zugrunde, ihren Gebrauch unter Christen zu verbieten. Unter den Heldensagen vom Bogen ist indes die schweizerische Erzaehlung von Wilhelm Tell, der einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schoss, zusammen mit der Armbrust weithin bekannt. In China entwickelte sich die Repetierarmbrust, die Lian Nu, die mehrere Bolzen nacheinander loeste, zu einem weiteren Zweig.

In der Popkultur

Die Armbrust ist eine Standard-Fernwaffe in Werken ueber das Mittelalter und die Fantasy. Sie erscheint oft als langsame, aber starke Fussvolkwaffe, die in Strategie- und Actionspielen einen einzigen harten Schuss loest, oder als die leise Schuetzenwaffe einer Jaeger- oder Meuchlerfigur. Die Armbruesten von Spielen wie Warcraft und Dark Souls und die Waffe, die in Zombiewerken einen Feind lautlos erledigt, sind vertraut. Auch in der Erzaehlung von Wilhelm Tell und in Werken ueber die Jagd auf Vampire wird sie sinnbildlich gebraucht. In der Fiktion wird jedoch die Langsamkeit des Spannens, eine Kernschwaeche, oft weggelassen, sodass sie gern zu etwas vereinfacht wird, das wie ein Bogen rasch schiesst.

Trivia

  • Auf dem Zweiten Laterankonzil von 1139 verbot Papst Innozenz II. den Gebrauch der Armbrust (und des Bogens) unter Christen als eine Gott verhasste Sache, doch das Verbot wurde fast nie gehalten, ein Zeichen dafuer, wie sehr die Tatsache, dass ein kurz angelernter Gemeiner einen gepanzerten Adligen toeten konnte, die Ordnung des Ritterstandes erschuetterte.
  • Die chinesische Nu, die Wurzel der Armbrust, war eine Waffe, die einen praezise gegossenen bronzenen Abzugsmechanismus in Masse produzierte, in grosser Zahl von den Qin- und Han-Reichen aufgestellt, und die Terrakotta-Armee des Grabes des Ersten Kaisers war mit Armbruesten bewaffnet.
  • Eine Armbrust, deren Stahlbogen von einer Winde gespannt wurde, erreichte Spanngewichte von mehreren hundert Pfund, ueber das, was ein Mann von Hand spannen konnte, doch ihr langsames Spannen, von 1 bis 3 Bolzen in der Minute, bedeutete, dass Armbrustschuetzen sich hinter einem grossen Schild, der Pavese, bargen, um zu spannen, wobei die genuesischen Armbrustschuetzen das Hauptbeispiel waren.