LoreArc
scutum
1 / 1
Scutum Alle ansehen

Scutum

Großer gewölbter Rechteckschild der römischen Legionen

Das Scutum ist der sinnbildliche grosse gewoelbte Schild des roemischen Legionaers, sein auffaelligstes Merkmal eine halbzylindrische Woelbung von etwa 100 bis 120 cm Hoehe und 60 cm Breite, die den ganzen Koerper umhuellt. Auf einer Grundlage aus Sperrholz, duennen Holzbrettern, in mehreren kreuz verleimten Lagen, wurde es mit Leder und Tuch ueberzogen, der Rand verstaerkt, und mit einem eisernen Buckel (dem Umbo) in der Mitte vollendet. Der Umbo schuetzte die Hand, die den waagerechten Griff dahinter hielt, und diente zugleich als offensiver Buckel, um den Feind zu rammen und zu schlagen. Das in Dura-Europos in Syrien beinahe ganz ausgegrabene erhaltene Stueck bestaetigt eben diese Bauweise aus Sperrholz und Leder. Die wahre Kraft des Scutums zeigte sich in der Schildkroeten-(Testudo-)Formation, einer beweglichen Schildwand, in der die Soldaten ihre Schilde nach vorn und ueber den Kopf dicht zusammendrueckten, um Pfeile und Wurfgeschosse aufzuhalten. Seine Verbindung mit dem Gladius, dem kurzen Stossschwert, mit dem Schild abzuwehren und durch die Luecken zu stossen, war das Fundament der roemischen Militaermacht, die das Mittelmeer jahrhundertelang beherrschte.

Ursprung

Das Scutum gilt als im republikanischen Rom aus frueheren Schilden der italienischen Halbinsel entwickelt. Das republikanische Scutum war ein langer ovaler gewoelbter Schild, und zur fruehen Kaiserzeit wurde es zu dem rechteckigen gewoelbten Schild verfeinert, den wir uns gemeinhin vorstellen, gebraucht als die Standardausruestung des Legionaers von etwa dem 1. bis zum 3. Jahrhundert. Spaeter, um das 3. Jahrhundert, als sich Heeresgliederung und Taktik aenderten, kehrte das Heer zu leichteren und handlicheren ovalen und runden Schilden zurueck. Diese Bauweise, Sperrholz zu einer Woelbung zu formen, um den Koerper zu umhuellen, war ein Ergebnis, das genau auf die roemische Infanterietaktik des Kampfes in dichter Formation hin verfeinert wurde.

Merkmale

  • Ein grosser gewoelbter Schild von etwa 100 bis 120 cm Hoehe und 60 cm Breite
  • Bauweise aus Sperrholz und Leder mit einem zentralen eisernen Buckel (Umbo)
  • Eine halbzylindrische Woelbung, die den ganzen Koerper umhuellt
  • Bildet eine bewegliche Schildwand in der Schildkroeten-(Testudo-)Formation
  • Seine Verbindung mit dem Gladius der Kern der roemischen Legionstaktik
  • Ein festes Verteidigungsstueck von etwa 7 bis 10 kg Gewicht

Geschichten

Das Scutum war die Standardkampfausruestung des roemischen Legionaers und zeigte seinen Wert im Kampf in dichter Formation. Der Soldat hielt den waagerechten Griff hinter dem Schild mit einer Hand und stiess, die Woelbung deckte seinen Koerper, mit dem Gladius in der anderen durch die Luecken auf den Feind. Wenn mehrere ihre Schilde nach vorn und ueber den Kopf dicht zusammendrueckten, wurde es zur Testudo-Formation, die Pfeile und Steine aufhielt, besonders kraeftig beim Heranruecken an eine Mauer im Belagerungskrieg. Mit dem zentralen Umbo rammte er den Feind, um dessen Formation zu brechen, und gab in diesem Augenblick mit dem Gladius den Todesstoss, so wurde es auch im Angriff gebraucht.

Schwäche

Die Schwaechen des Scutums kommen von seinem Gewicht und seiner Groesse. Das Gewicht von etwa 7 bis 10 kg und seine Masse waren in dichter Formation beruhigend, nahmen aber auf einem langen Marsch viel Kraft. Gross und schwer, war es sperrig und schlecht geeignet fuer den individuellen beweglichen Kampf, der sich frei allein bewegt, oder fuer eine Verfolgung, die einen zerstreuten Feind jagt. Brach die Formation und lag die Seite oder der Ruecken frei, so ging der Vorteil einer nur die Front deckenden Woelbung verloren und es wurde verwundbar. Der Koerper aus Sperrholz und Leder konnte durch wiederholte Schlaege oder Feuer beschaedigt werden, sodass es letztlich der staerkste Schild war, wenn man gemeinsam in Formation kaempfte.

Kulturelle Bedeutung

Das Scutum ist ein Schild, der die roemische Legion und ihre disziplinierte Gruppentaktik versinnbildlicht. Der Gedanke des roemischen Heeres, das die Einheit der Formation vor die einzelne Tapferkeit stellte, ist in eben der Bauweise dieses Schildes enthalten, der den Koerper in einer Woelbung umhuellt und sich mit dem benachbarten Soldaten ueberlappt. Die Testudo, durch das Ueberlappen der Schilde wie der Panzer einer Schildkroete gemacht, ist bis heute ein kennzeichnendes Bild geworden, das man beim roemischen Heer vor Augen hat, und das mit dem Gladius gepaarte Scutum blieb ein Sinnbild der roemischen Kampfweise des 'Abwehrens und Stossens'. Auf seine Flaeche wurde das Abzeichen der Legion gemalt, oft ein Blitz-und-Fluegel-Motiv, um ihre Einheit zu zeigen.

In der Popkultur

Das Scutum erscheint in beinahe jedem Film, Drama und Spiel ueber das alte Rom als die sinnbildliche Ausruestung des Legionaers. Die Szene von Legionaeren, die rechteckige rote Schilde halten und in einer Testudo aufgereiht sind, ist eine kennzeichnende Inszenierung, die das roemische Heer mit einem Blick vor Augen ruft. In Spielen wird es gemeinhin als Ausruestung schwerer Infanterie gebraucht, die eine Schildwand aufstellt oder anstuermt. In der Fiktion werden jedoch das ovale republikanische Scutum und das rechteckige kaiserzeitliche Scutum oft ohne Unterscheidung der Zeit gemischt, oder die Tatsache uebersehen, dass es schwer und fuer das individuelle Handgemenge schlecht geeignet war.

Trivia

  • Das in Dura-Europos in Syrien beinahe ganz ausgegrabene Scutum ist ein kostbares erhaltenes Stueck, das die wirkliche Bauweise aus in mehreren Lagen verleimtem Sperrholz, mit Leder ueberzogen, bestaetigt.
  • Das republikanische Scutum war oval, und die rechteckige gewoelbte Form, die wir uns gemeinhin vorstellen, ist die der fruehen Kaiserzeit, die um das 3. Jahrhundert zu ovalen und runden Schilden zurueckkehrte.
  • Der zentrale Umbo (Buckel) schuetzte die Hand und diente zugleich als offensives Werkzeug, um den Feind zu rammen, sodass der Schild eine Waffe war, die ebenso schlug wie deckte.