
Panzerhandschuh
Gelenkiger Metallhandschuh des mittelalterlichen Ritters
Der Panzerhandschuh ist der Metallhandschuh, den der europaeische Ritter im 14. bis 16. Jahrhundert trug, um Hand und Handgelenk zu schuetzen, die kunstvolle Verteidigung, die das Ende des Platten-Armsystems, die Hand, uebernimmt. Sein Kern ist das Verbinden mehrerer kleiner Platten (Lamellen) an jedem Fingergelenk, vernietet, sodass Finger und Faust sich frei beugen koennen. Das Handgelenk wird von einer breiten Stulpe umhuellt, die an die Unterarmschiene anschliesst, und der Handruecken mit Platte gedeckt, waehrend die Innenseite der Handflaeche als Lederhandschuh belassen wird, damit die Hand eine Waffe greifen kann. Er teilt sich grob in den Sanduhr-Panzerhandschuh, der den Handruecken mit einer einzigen breiten Platte deckt, und den Fingerhandschuh, der jeden Finger gesondert umhuellt. Wegen der widerstreitenden Forderungen, den Griff und die freie Bewegung der Waffenhand zu sichern und doch eine lueckenlose Verteidigung zu haben, galt der Panzerhandschuh als das am schwersten herzustellende Stueck der ganzen Ruestung.
Ursprung
Der Panzerhandschuh gilt als im Europa des 14. Jahrhunderts mit der Entwicklung der Plattenruestung erschienen. Nach dem Zeitalter, da die Hand mit Kettenhandschuhen und Leder geschuetzt wurde, festigte sich zuerst der 'Sanduhr-Panzerhandschuh' des 14. Jahrhunderts, der den Handruecken und das Handgelenk mit Platte deckte. Er umhuellte Handruecken und Handgelenk in einer breiten Platte von schmaler Sanduhrform, die Finger mit kleinen Schuppen gedeckt. Im 15. Jahrhundert erschienen der Fausthandschuh, der die Finger als eine Einheit umhuellt, und der Fingerhandschuh, der jeden Finger in gesonderten gegliederten Lamellen umhuellt, und entwickelten sich zu kunstvolleren und handlicheren Formen. Die feinsten Panzerhandschuhe konnten nur von den geschickten Ruestungsschmieden von Mailand oder Nuernberg gemacht werden.
Merkmale
- Kunstvolle Plattenstruktur, in der jedes Fingergelenk sich unabhaengig bewegt
- Zwei Arten, der Sanduhr- und der Fingerhandschuh
- Eine Stulpe, die das Handgelenk umhuellt und an die Unterarmschiene anschliesst
- Die Innenseite der Handflaeche als Leder belassen fuer den Griff
- Das komplexeste Handwerk der ganzen Ruestung erfordernd
- Eine genaue Verteidigung, die das Koennen des feinsten Ruestungsschmieds braucht
Geschichten
Der Panzerhandschuh war die Kriegsausruestung des Ritters, gebraucht, um die Hand zu schuetzen, die das Schwert und den Speer griff. Die Stulpe am Handgelenk ueberlappte das Ende der Unterarmschiene und verband den Schutz des ganzen Arms glatt mit der Hand, und die kleinen Platten des Handrueckens und der Finger wehrten Hiebe und Stiche ab. Die Innenseite der Handflaeche wurde als Leder belassen, damit eine Waffe fest gegriffen werden konnte, und die an jedem Gelenk geteilten Platten erlaubten den Fingern, sich zu beugen und um einen Schaft zu schliessen. Manche Panzerhandschuhe hatten kleine Knoepfe (Gadlings) an den Knoecheln, sodass sie als eiserne Faust gebraucht werden konnten, um den Feind im unbewaffneten Ringen zu schlagen.
Schwäche
Die Schwaechen des Panzerhandschuhs sind seine gewaltigen Kosten, die Schwierigkeit seiner Pflege und die Luecken an der Innenseite der Hand. Da kleine Platten an jedem Fingergelenk genau verbunden werden mussten, war er das beschwerlichste und kostspieligste Stueck der ganzen Ruestung, und seine komplexen Gelenke wurden leicht steif von Schmutz oder Schaden und verlangten staendige Pflege. Vor allem war, weil die Innenseite der Handflaeche als Leder belassen wurde, damit eine Waffe gegriffen werden konnte, jener weiche Teil und die Luecken zwischen den Fingern einem genauen Stich ausgesetzt. Da man Kunstfertigkeit und Verteidigung zugleich verfolgte, konnte schon ein kleiner Teil, der danebenging, den Schutz der ganzen Hand erschuettern.
Kulturelle Bedeutung
Der Panzerhandschuh ist ein Stueck, das die mittelalterliche Ritterkultur und die Etikette des Duells versinnbildlicht. Aus dem Brauch, nach dem ein Ritter, der einen anderen zum Duell forderte, einen Panzerhandschuh vor ihm hinwarf, und der andere, der ihn aufhob, die Forderung annahm, entstand die Wendung 'den Fehdehandschuh hinwerfen', die bis heute eine Redensart bleibt, die herausfordern bedeutet. Zugleich ist der Panzerhandschuh ein Stueck, das den Gipfel des Ruestungshandwerks zeigt, seine Genauigkeit, den komplexen Teil der Hand lueckenlos zu umhuellen und sie doch frei bewegen zu lassen, zeugt vom Koennen der Meister von Mailand und Nuernberg. Er ist gewissermassen ein kleines Meisterwerk, das Verteidigung, Etikette und Handwerk in einem birgt.
In der Popkultur
Der Panzerhandschuh erscheint in beinahe jedem Film, Drama und Spiel ueber den mittelalterlichen Ritter und die Fantasy. Besonders in Spielen hat er sich als Standardname fuer Handruestung eingebuergert, alles vom Lederhandschuh bis zum praechtigen Zauberhandschuh wird 'Gauntlet' genannt. In der Fantasy wird er oft als Waffe-und-Verteidigung in einem zum Schlagen des Feindes gezeichnet oder als ein Zauberwerkzeug, das eine besondere Kraft birgt, weit breiter gebraucht als im engen Sinn eines Plattenstuecks, das die Hand schuetzt. Auch die Wendung 'den Fehdehandschuh hinwerfen' wird oft in Herausforderungsszenen innerhalb von Werken zitiert.
Trivia
- Die Wendung 'den Fehdehandschuh hinwerfen' kommt vom Brauch, nach dem ein Ritter, der einen anderen zum Duell forderte, einen Handschuh vor ihm hinwarf, und bleibt bis heute eine Redensart, die herausfordern bedeutet.
- Der Panzerhandschuh, der kleine Platten an jedem Fingergelenk genau verbinden musste, galt als das komplexeste und am schwersten herzustellende Stueck der ganzen Ruestung.
- Manche Panzerhandschuhe hatten kleine Knoepfe (Gadlings) an den Knoecheln, sodass sie als eiserne Faust gebraucht werden konnten, um den Feind zu schlagen und ebenso die Hand zu schuetzen.