
Faustschild
Kleiner mit der Faust gehaltener Rundschild
Der Buckler ist ein kleiner runder Schild von etwa 20 bis 40 cm Durchmesser, ein aktives Verteidigungswerkzeug, in der Faust an einem Griff hinter der erhabenen Metallkuppel (dem Schildbuckel) in der Mitte gehalten. Anders als ein grosser, an den Arm geschnallter Schild, der den Koerper deckt, wurde der Buckler mit freiem Handgelenk gefuehrt, um einen Schlag eher abgleiten zu lassen als ihn frontal aufzufangen, um die Waffe des Gegners wegzuschlagen und wegzudruecken oder sie zu binden und eine Bloesse zu schaffen. Er deckte auch die Schwerthand, war also ein Werkzeug von Angriff und Verteidigung in einem, das abwehrte und zugleich die Klinge des Feindes meisterte. Die mit dem Schwert gebrauchte Technik 'Schwert und Buckler' war ein Kernfeld des mittelalterlichen europaeischen Fechtens, und mehrere Fechtbuecher dazu sind ueberliefert. Oft aus einem einzigen Metallblech gemacht, war er billig, und klein genug, um am Guertel zu haengen, weshalb er nicht nur von berufsmaessigen Kriegern, sondern als Selbstverteidigungswaffe des mittelalterlichen Buergers weithin gebraucht wurde.
Ursprung
Der Buckler gilt als im Europa des 13. Jahrhunderts als ein Schild der Selbstverteidigung wie des Kampfes entwickelt, von Buergern und Kriegern gleichermassen gebraucht. War der grosse Schild fuer die dichte Formation des Schlachtfelds, so war der Buckler ein kleiner Schild, der fuer das individuelle Schwertfechten, in einer Hand gegriffen und rasch gefuehrt, und fuer die Selbstverteidigung des Alltags verfeinert wurde. Das aelteste erhaltene europaeische Fechtbuch, das MS I.33 von etwa dem 13. Jahrhundert, behandelt eben dieses Schwert und Buckler und zeigt, dass die Technik schon vom fruehen Mittelalter an planmaessig gelehrt wurde. Er wurde vom 13. bis zum 16. Jahrhundert weithin in Europa gebraucht und buergerte sich als ein Verteidigungsstueck ein, das jeder besitzen konnte, ungeachtet des Standes.
Merkmale
- Ein kleiner runder Metallschild von etwa 20 bis 40 cm Durchmesser
- Aktive Verteidigung, in der Faust an einem Griff hinter dem zentralen Schildbuckel gehalten
- Gefuehrt, um einen Schlag abgleiten zu lassen oder die Waffe des Feindes zu meistern und eine Bloesse zu schaffen
- Das Kerngeraet des Schwert-und-Buckler-Fechtens
- Leicht zu tragen, klein genug, um am Guertel zu haengen
- Billig, aus einem einzigen Metallblech gemacht, und allen zugaenglich
Geschichten
Der Buckler wurde sowohl als Kampftechnik mit einem Schwert wie als Selbstverteidigungsstueck des Buergers gebraucht. Den Griff hinter dem Schildbuckel in der Faust gehalten und den Arm nach vorn gestreckt, schlug man die Klinge des Gegners, um sie abgleiten zu lassen oder herabzudruecken, und stiess in dieser Bloesse mit dem Schwert in der anderen Hand hinein. Nahe der Schwerthand gehalten, schuetzte der kleine Schild Hand und Handgelenk zugleich, und weit vorgestreckt wurde er gebraucht, um die Sicht des Feindes zu sperren oder seine Waffe zu binden. In gewoehnlichen Zeiten hing er leicht am Guertel und wurde im Notfall sogleich gezogen, um gepaart mit dem Schwert zu kaempfen.
Schwäche
Die Schwaeche des Bucklers kommt von seiner kleinen Groesse. Als kleiner, in einer Hand gegriffener Schild war er ideal, aktiv gefuehrt zu werden, aber viel zu klein, um den ganzen Koerper vor einem Pfeil oder Geschoss zu decken, das von weitem kommt. Eine Verteidigung des Kauerns und Aufhaltens an einem Ort, wie bei einem grossen Schild, war von vornherein unmoeglich, sodass er ganz auf das Koennen und das Mass des Fuehrenden angewiesen war. So glaenzte der Buckler im Schwertfechten Mann gegen Mann und in der Selbstverteidigung, taugte aber nicht fuer das Schlachtfeld, auf dem Pfeile niedergingen, oder die Verteidigung einer dichten Formation.
Kulturelle Bedeutung
Der Buckler ist ein Schild, der die mittelalterliche Fechtkultur und die Kampfkunst des Buergers versinnbildlicht. Die Tatsache, dass das aelteste erhaltene europaeische Fechtbuch (MS I.33) Schwert und Buckler behandelt, sagt, dass dieser kleine Schild ueber blosses Geraet hinaus im Zentrum eines kunstvollen Kampfsystems stand. Das englische Wort 'swashbuckler' fuer einen Abenteurer, der seine Tuechtigkeit zur Schau stellt, kommt von den Schwertkaempfern, die prahlten und mit dem Schwert laut auf ihre Buckler schlugen, und zeigt, wie tief dieser kleine Schild in Alltag und Kultur einsickerte. In den Historischen Europaeischen Kampfkuensten (HEMA) von heute ist Schwert und Buckler eine der beliebtesten Disziplinen und wird rege erforscht.
In der Popkultur
Der Buckler erscheint oft als Geraet von Schwertkaempfern und Buergerkriegern in Filmen, Dramen und Spielen ueber das Mittelalter. Ist der grosse Schild das Sinnbild des schweren Ritters, so wird der Buckler als Geraet gezeichnet, das zum flinken, schlagenden und zurueckweichenden Fechter oder zum Schwertkaempfer der Stadt passt. In Spielen wird er gemeinhin als ein leichtes Hilfsstueck umgesetzt, das Ausweichen und Gegenschlag eher unterstuetzt als rohe Verteidigung. In der Fiktion wird der Buckler jedoch oft nur als 'kleiner Schild' behandelt, sodass der wirkliche Reiz seines aktiven Gebrauchs, die Waffe des Feindes zu meistern und abgleiten zu lassen statt aufzufangen, oft nicht gezeigt wird.
Trivia
- Das aelteste erhaltene europaeische Fechtbuch, das MS I.33 von etwa dem 13. Jahrhundert, behandelt eben diese Schwert-und-Buckler-Technik.
- Das englische Wort 'swashbuckler' fuer einen Abenteurer, der seine Tuechtigkeit zur Schau stellt, kommt von den Schwertkaempfern, die mit dem Schwert laut auf ihre Buckler schlugen.
- In den Historischen Europaeischen Kampfkuensten (HEMA) von heute ist Schwert und Buckler eine der beliebtesten Disziplinen und wird rege erforscht.