
Zombie
Zombie · Die wiederbelebte Leiche — Geistlose menschenfressende Horden der Toten
Der Zombie ist der wiederbelebte Leichnam, der Vernunft und Selbst verloren hat und nach dem Fleisch und Gehirn der Lebenden hungert. Das Wort stammt aus dem westafrikanischen Kongo zumbi oder nzambi ('Geist, Seele, Gott'), wurde durch den atlantischen Sklavenhandel des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in die Karibik getragen und in den haitianischen Vodou eingebettet. In der Vodou-Tradition betaeubt ein Bokor (Zauberer) einen Lebenden in einen Zustand scheinbaren Todes, begraebt ihn und gibt den seelenlosen Koerper als Sklaven wieder aus. Victor Halperins White Zombie (1932) fuehrte die Figur ins Kino ein, doch George A. Romeros Night of the Living Dead (1968) brach entscheidend mit der Vodou-Tradition und etablierte die moderne Ikonografie des fleischfressenden, massenangreifenden Leichnams. Dawn of the Dead (1978), Resident Evil (1996), 28 Days Later (2002) und The Walking Dead (Comic 2003, AMC-Fernsehen ab 2010) haben den Zombie zur zentralen Horror-Figur des fruehen einundzwanzigsten Jahrhunderts gemacht.
Ursprung
Das Wort Zombie stammt aus dem westafrikanischen Kongo zumbi oder nzambi ('Geist, Seele, Gott'), das durch den atlantischen Sklavenhandel des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in die franzoesische Karibik-Kolonie Saint-Domingue (heutiges Haiti) getragen und in die Vodou-Religion integriert wurde. Vom spaten neunzehnten und fruhen zwanzigsten Jahrhundert an berichtete die laendliche haitianische Volkskunde weithin, dass ein Bokor (Zauberer) einen Lebenden in einen Zustand scheinbaren Todes betaeuben, ihn begraben und dann ausgraben und in einen seelenlosen Sklaven verwandeln koenne. Die amerikanische Anthropologin Zora Neale Hurston in Tell My Horse (1937) und der kanadische Ethnobotaniker Wade Davis in The Serpent and the Rainbow (1985) dokumentierten die Praxis und identifizierten die pharmakologischen Wirkstoffe (Tetrodotoxin aus Kugelfischen, die Alkaloide von Datura stramonium). Die Figur trat 1932 mit Victor Halperins White Zombie mit Bela Lugosi ins Kino ein, doch George A. Romeros Night of the Living Dead (1968) brach mit der Vodou-Tradition und etablierte die moderne fleischfressende Leichnam-Ikonografie. Romero nannte seine Wesen 1968 'Ghouls'; der Begriff 'Zombie' wurde erst mit Dawn of the Dead (1978) Standard.
Merkmale
- Verwester Leichnam, der langsam taumelt oder, in modernen Varianten, schnell laeuft
- Ohne Vernunft, Selbst oder Sprache, hungernd allein nach dem Fleisch der Lebenden
- Bisse und Kratzer verbreiten die Zombie-Krankheit als Infektion
- Reist in Massen, ueberwaeltigt durch schiere Zahl
- Empfindet keinen Schmerz, keine Erschoepfung und keine Furcht und macht weiter, bis er zerstoert ist
- Wird durch Zerstoerung des Gehirns oder Kopfes gestoppt
Geschichten
Der moderne Zombie, etabliert durch George A. Romeros Night of the Living Dead (1968) und seine Fortsetzung Dawn of the Dead von 1978, ist zur kanonischen Figur des apokalyptischen Horrors geworden. Capcoms Videospiel Resident Evil (1996) machte den Zombie zum dominierenden Spielgegner-Archetyp; Danny Boyles 28 Days Later (2002) fuehrte die Variante des schnellen Zombies ein; Robert Kirkmans Comic The Walking Dead (ab 2003) und die AMC-Fernsehserie von 2010 hoben die Zombie-Apokalypse ins Mainstream-Fernsehen. Max Brooks' Roman World War Z (2006), das Spiel Left 4 Dead (2008), das Mobilspiel Plants vs. Zombies (2009), DayZ (2012) und viele nachfolgende Filme und Serien haben den Zombie in allen Medien allgegenwaertig gemacht. Wade Davis' The Serpent and the Rainbow (1985) und Wes Cravens Verfilmung von 1988 bewahren die anthropologische Vodou-Zombie-Tradition.
Schwäche
Die deutlichste Schwaeche des Zombies ist die Zerstoerung des Kopfes, besonders des Gehirns. Die Protagonisten von Night of the Living Dead (1968) formulieren die Regel 'shoot 'em in the head' explizit, und seit 1968 ist diese Konvention die Standard-Zombie-Beseitigungsmethode in der modernen Fiktion. Zombies empfinden weder Schmerz noch Erschoepfung und sind daher weitgehend unempfindlich gegen gewoehnliche Verletzungen, aber Feuer, Saeure oder jede Methode, die den Koerper insgesamt zerstoert, ist wirksam. Einzelne Zombies sind schwach: langsame Schlurfer in der klassischen Romero-Tradition, manchmal schnelle Laeufer in der Post-2002-Variante, aber stets ohne Werkzeuge, Strategie oder Sprache. Die Gefahr liegt nicht im Einzelnen, sondern in der Zahl und der infektioesen Ausbreitung. Vodou-Tradition-Zombies hingegen sind an die magische Kontrolle des Bokor gebunden; die Volkskunde berichtet, dass das Fuettern von Salz oder das Zeigen eines Spiegels den Vodou-Zombie zum Erkennen seines eigenen Todes bringt und ihn ins Grab zurueckschickt.
Kulturelle Bedeutung
Der Zombie ist nicht bloss ein Horror-Monster, sondern die religioes verdichtete Ikonografie der karibischen Kolonialsklaverei. Die Vodou-Bokor-Zombie-Tradition wird von Anthropologen als figurale Sublimation des historischen Traumas der Sklaverei gelesen, die Enthebung der Freiheit als religioeses Bild ausgedrueckt. George A. Romeros Night of the Living Dead (1968) allegorisierte die rassischen Spannungen und die nuklearen Angstgefuehle der Vietnam-Aera Amerikas in Zombie-Form, und die Toetung des afroamerikanischen Protagonisten Ben durch einen weissen Buergerwehr am Ende des Films ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Dawn of the Dead (1978), spielend in einem Einkaufszentrum, ist das kanonische Werk der Zombie-Konsum-Kritik. Kirkmans The Walking Dead (Comic 2003-2019, Fernsehen ab 2010) machte den moralischen Zusammenbruch der post-apokalyptischen menschlichen Gesellschaft zum zentralen Thema des Genres. Wissenschaftler lesen die Zombie-Apokalypse nun als die am staerksten verdichtete Horror-Allegorie des einundzwanzigsten Jahrhunderts fuer kapitalistischen Zusammenbruch, Pandemie, koloniales Trauma und rassische Unruhe.
In der Popkultur
Zora Neale Hurston, Tell My Horse (1937) — anthropologischer Bericht ueber haitianische Vodou-ZombiesVictor Halperin, White Zombie (1932) — erstes Zombie-KinoGeorge A. Romero, Night of the Living Dead (1968) — entscheidende Etablierung der modernen Zombie-IkonografieGeorge A. Romero, Dawn of the Dead (1978) — Kanonisierung des Zombie-Apokalypse-MotivsWade Davis, The Serpent and the Rainbow (1985) — wissenschaftlicher Bericht ueber Vodou-ZombiesCapcom, Resident Evil (1996) — Gaming-KanonRobert Kirkman, The Walking Dead (ab 2003) und AMC-Fernsehen (ab 2010) — Kanon des einundzwanzigsten Jahrhunderts