LoreArc
yuki-onna
1 / 1
Yuki-onna Alle ansehen

Yuki-onna

Yuki-onna · Die Schneefrau — Eine kalte, sorgenvolle Schöne, die im Schneesturm erscheint

Die Yuki-onna (japanisch Yuki-onna, 'Schneefrau') ist die bleiche weibliche Yokai-Gestalt, die ploetzlich im naechtlichen Schneesturm erscheint, die kanonische ikonografische Figur des japanischen Winter-Schneeberg-Yokai, die im weissen Kimono, mit pechschwarzen Haaren und einem blutleeren Gesicht dem verirrten Reisenden naht und ihn mit ihrem kalten Atem zu Tode gefriert. Der ikonografische Ursprung ist die Verschmelzung der Erfrierungs-Folklore (Toshi) der schneereichen Regionen Japans in Tohoku, Chubu und Hokkaido mit dem Bergkami-Glauben (Yama-no-Kami). Die frueheste textliche Aufzeichnung ist die Sogi Shokoku Monogatari, ein Reisebericht des Renga-Dichters Sogi (1421-1502) der spaeten Muromachi-Zeit (geschaetzt spaetes fuenfzehntes Jahrhundert), die eine grosse weissgekleidete Frau beschreibt, die in den Schneebergen der Provinz Echigo (heute Praefektur Niigata) angetroffen wird. In der Edo-Zeit wurde die Yuki-onna im Yokai-Katalog Gazu Hyakki Yagyo (1776) von Toriyama Sekien (1712-1788) als kanonische Yokai systematisiert. Der entscheidende Kanon ist die Kurzgeschichte Yuki-Onna in Kwaidan: Stories and Studies of Strange Things, der englischsprachigen Kurzgeschichtensammlung, die im April 1904 von Lafcadio Hearn (1850-1904, japanischer Name Koizumi Yakumo) veroeffentlicht wurde: Die Holzfaeller Mosaku (der aeltere) und Minokichi der Provinz Musashi werden in einem Schneesturm gefangen und ruhen in einer Huette, wo die Yuki-onna Mosaku toetet, aber den jungen Minokichi auf sein Versprechen verschont, das Geheimnis nie zu enthuellen; Jahre spaeter heiratet Minokichi eine Frau namens Oyuki, die sich als dieselbe Yuki-onna entpuppt, und sie verschwindet, als er das Geheimnis bricht. Dies etablierte den entscheidenden Kanon der modernen Yuki-onna-Ikonografie. Masaki Kobayashis Film Kwaidan von 1965 mit seiner Yuki-onna-Episode gewann den Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes und vollendete den globalen Kanon.

Ursprung

Der ikonografische Ursprung ist die Verschmelzung des japanischen indigenen Bergglaubens mit der Erfrierungs-Folklore (Toshi) der schneereichen Regionen. In Tohoku, Chubu und Hokkaido — wo die soziale Erfahrung von Reisenden, die in den Winterbergen erfroren, jedes Jahr real war — verband sich die Erfahrung mit dem Bergkami-Glauben (Yama-no-Kami), um die Yuki-onna-Ikonografie zu etablieren. Die frueheste textliche Aufzeichnung ist das Sogi Shokoku Monogatari Buch III, ein Reisebericht des spaet-Muromachi-Renga-Dichters Sogi (1421-1502, geschaetzt spaetes fuenfzehntes Jahrhundert): eine grosse weissgekleidete Frau, die in den Schneebergen der Provinz Echigo (heute Praefektur Niigata) angetroffen wird, gefriert einen Mann mit ihrem Atem, eine kanonische Aufzeichnung. In der Edo-Zeit wurde die Yuki-onna in der Yin-Sektion von Toriyama Sekiens Yokai-Katalog Gazu Hyakki Yagyo von 1776 als visueller Kanon etabliert — im weissen Kimono, mit langen schwarzen Haaren und einem blassen Gesicht — und das Miyage Iwa-toku des achtzehnten Jahrhunderts von Takai Ranzan und das Yokai-ko des neunzehnten Jahrhunderts von Tada Katsumi setzten es fest. Die regionalen Namen der Yuki-onna in ganz Japan — Yuki-joro in Yamagata, Yuki-onba in Ibaraki, Yuki-biraki in Fukushima, Yuki-nee in Nagano usw. — unterscheiden sich, teilen aber den ikonografischen Ursprung. Die entscheidende moderne Kanonisierung ist die Kurzgeschichte Yuki-Onna in Kwaidan: Stories and Studies of Strange Things, im April 1904 in Boston von Lafcadio Hearn (Koizumi Yakumo) veroeffentlicht: Die Holzfaeller Mosaku und Minokichi der Provinz Musashi (modernes Tokio) treffen die Yuki-onna in einem Schneesturm, sie gefriert den aelteren Mosaku, aber verschont den jungen Minokichi mit dem Tabu 'erzaehle niemandem, was du heute gesehen hast', und Jahre spaeter, als Minokichi Oyuki heiratet und ihr das Geheimnis offenbart, wird sie als die Yuki-onna enthuellt und verschwindet — der entscheidende Kanon.

Merkmale

  • Weisser Kimono und lange pechschwarze Haare
  • Bleiches, blutleeres Gesicht und kalte blaue Augen
  • Erscheint ploetzlich innerhalb eines Schneesturms
  • Gefriert Menschen mit kaltem Atem zu Tode
  • Ambivalenz von Schoenheit, Trauer und Grausamkeit
  • Fusslos oder hinterlaesst keine Fussspuren (klassische Ikonografie)

Geschichten

Sogis Sogi Shokoku Monogatari der Muromachi-Zeit und Toriyama Sekiens Gazu Hyakki Yagyo (1776) der Edo-Zeit etablierten den literarischen und visuellen Kanon der Yuki-onna, und Lafcadio Hearns Kwaidan, Yuki-Onna von 1904 etablierte den entscheidenden modernen Kanon. Der Schwarzweissfilm Die Schneefrau von Toho Studios von 1953 (Regie Isamu Kosugi) war der Beginn des kinematografischen Kanons, und die Yuki-Onna-Episode von Masaki Kobayashis Anthologiefilm Kwaidan (veroeffentlicht am 27. Februar 1965, basierend auf Lafcadio Hearn, ein Vier-Maerchen-Omnibus) — mit Keiko Kishi (geb. 1932) als Yuki-onna und Tatsuya Nakadai (geb. 1932) als Minokichi — gewann den Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes 1965 und vollendete den globalen kinematografischen Kanon. Tokuma Takaos The Strange Love von 1968, Toshiharu Ikedas Yuki-onna von 1980 und Shiori Sakurais Yuki-onna von 2017 sind anhaltende Adaptionen im japanischen Film und Fernsehen. Tsurara aus Hiroshi Shiibashis Manga Nurarihyon's Grandson, ab 2008 im Weekly Shonen Jump serialisiert, ist die kanonische Yuki-onna des japanischen Manga des einundzwanzigsten Jahrhunderts, und Yukimenoko (englisch Froslass) aus dem 2008 Nintendo-Videospiel Pokemon Diamant und Perl entlehnt die Yuki-onna-Ikonografie.

Schwäche

Die Schwaechen der Yuki-onna sind: (1) Waerme und Feuer — das kanonische japanische Motiv, dass sie vor Waerme, Feuer und dem Kommen des Sommers schmilzt und verschwindet; (2) das Kommen des Fruehlings — die Yuki-onna des japanischen Schneeberg-Glaubens ist die Kami des Winterbergs und der naturzyklische Kanon, dass sie verschwindet, wenn der Fruehling kommt; (3) das Tabu der Geheimnisoffenbarung — die kanonische Schwaeche und Tabu-Ikonografie in Lafcadio Hearns 1904er Kwaidan Yuki-Onna, in der die Yuki-onna dem Menschen ein Geheimnis-Tabu auferlegt ('erzaehle es niemandem') und wenn der Mensch das Tabu bricht, verschwindet sie oder toetet ihn; (4) die Zuneigung, die sie fuer Menschen empfindet — das entscheidende tragische Motiv des japanischen Horrors im Hearn-Kwaidan-Oyuki-Kanon, in dem die Yuki-onna Zuneigung fuer den Menschen Minokichi empfindet, ihn heiratet und Kinder gebiert, aber in Trauer nach der Offenbarung des Geheimnisses verschwindet; (5) Sonnenlicht — in einigen regionalen Kanons ist die Yuki-onna nachtaktiv und verschwindet mit Sonnenaufgang; (6) das reine Herz eines Kindes — in einigen japanischen Volkserzaehlungen zeigt die Yuki-onna einem Kind Barmherzigkeit. Im Finale der Yuki-Onna-Episode von Masaki Kobayashis Kwaidan von 1965, als Minokichi das Geheimnis offenbart, vergiesst Oyuki traurige Traenen und loest sich in einen Schneesturm auf — eine entscheidende Szene in der Filmgeschichte, die zum Kanon wurde.

Kulturelle Bedeutung

Die Yuki-onna ist nicht nur eine Horror-Yokai, sondern die kanonische ikonografische Figur der japanischen Horror-Aesthetik, die japanischen Winter-Schneeberg-Glauben, Lafcadio Hearns Japanologie, japanisches Kino der 1960er Jahre, globalen japanischen Manga des einundzwanzigsten Jahrhunderts und Gaming durchquert. Die soziale Erfahrung der jaehrlichen Erfrierungstode in den schneereichen Regionen von Tohoku und Chubu, verschmolzen mit dem Bergkami-Glauben (Yama-no-Kami), kondensierte sich in der Yuki-onna-Ikonografie, dem kanonischen Fall der japanischen Volkskunde; das Yokai-Dangi von Kunio Yanagita (1875-1962) von 1942 analysierte die Yuki-onna als den entscheidenden Fall der japanischen Volkskunde. Lafcadio Hearns (Koizumi Yakumo) 1904er Kwaidan — das Werk eines griechisch-geborenen irischen Schriftstellers, der in Japan eingebuergert wurde, einen japanischen Namen erhielt und japanische indigene Volkserzaehlungen in Englisch festsetzte — ist der entscheidende Kanon der Japanologie des neunzehnten bis zwanzigsten Jahrhunderts, und Hearns englischsprachige Veroeffentlichung war das entscheidende Ereignis, das die Yuki-onna-Ikonografie in den Westen uebertrug. Der Spezialpreis der Jury von Masaki Kobayashis Kwaidan von 1965 bei den Filmfestspielen von Cannes war das entscheidende Ereignis, durch das das japanische Horrorkino zum Weltkino-Kanon wurde, und der Film wird zusammen mit Yasujiro Ozu und Akira Kurosawa als eines der repraesentativen Werke des Goldenen Zeitalters des japanischen Kinos bewertet. Hiroshi Shiibashis 2008er Nurarihyon's Grandson-Serie (kumulative Druckauflage von etwa 14 Millionen Exemplaren) und das TV-Anime von 2010-2014 etablierten die Yuki-onna-Ikonografie im globalen japanischen-Manga-Kanon des einundzwanzigsten Jahrhunderts, und das Yukimenoko (englisch Froslass) aus dem 2008 Nintendo Pokemon Diamant/Perl sowie der japanische Film The Barber of Yoshino von 2017 sind Faelle der digitalen und kinematografischen Adaptation der Yuki-onna-Ikonografie des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

In der Popkultur

Sogi, Sogi Shokoku Monogatari (spaetes fuenfzehntes Jahrhundert) — frueheste textliche Aufzeichnung der Yuki-onnaToriyama Sekien, Gazu Hyakki Yagyo (1776) — Edo-Yuki-onna-visueller KanonLafcadio Hearn, Kwaidan, Yuki-Onna (1904) — entscheidender moderner KanonIsamu Kosugi, Die Schneefrau (1953) — Beginn des japanischen Yuki-onna-FilmsMasaki Kobayashi, Kwaidan (1965) — globaler Kanon der Filmfestspiele von CannesKunio Yanagita, Yokai-Dangi (1942) — japanischer Volkskunde-Yuki-onna-KanonHiroshi Shiibashi, Nurarihyon's Grandson, Tsurara (2008) — Manga-Kanon des einundzwanzigsten JahrhundertsNintendo, Pokemon Diamant/Perl, Froslass (2008) — Videospiel-Yuki-onna-EntlehnungTV-Anime Nurarihyon's Grandson (2010-2014) — globaler japanischer Animations-Kanon