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Katar

Der indische Fauststoßdolch

Der Katar ist ein fuer Indien eigentuemlicher Stossdolch: ein H-foermiger Quergriff, im rechten Winkel zur Klinge gesetzt, in der Faust gehalten, sodass die Klinge ueber den Knoecheln nach vorn ragt, gerade in einer Linie mit dem Unterarm. Darum schwingt man ihn nicht, sondern stoesst wie beim Schlagen eines Fausthiebs und treibt die Kraft des Arms und das Koerpergewicht in einen einzigen Punkt an der Spitze. Seine Klinge reicht von etwa 30 bis 90 cm, und viele wurden mit einer verdickten, verstaerkten Spitze gefertigt, um Kettenpanzer zu durchstossen. Er erschien im Suedindien des 14. Jahrhunderts und erreichte unter dem Mogulreich seinen Hoehepunkt, und unter den feineren Stuecken gibt es eine geteilte oder Scheren-Spielart, deren Klinge sich beim Zusammendruecken des Griffs zu drei Zinken nach beiden Seiten oeffnet. Sein einheimischer indischer Name ist Jamdhar.

Ursprung

Der Katar soll zuerst im Suedindien des 14. Jahrhunderts erschienen sein, besonders um Tamil Nadu und Vijayanagara. Danach verbreitete er sich ueber Nordindien und erreichte unter dem Mogulreich (1526 bis 1857) seinen Hoehepunkt und wurde in den Kriegerkulturen der Rajputen, der Marathen und der Sikhs besonders geschaetzt. Auf dem indischen Schlachtfeld, wo Kettenpanzer verbreitet war, wurde dieser Dolch, der die Kraft des Arms in einen einzigen Punkt buendelte, um den Panzer zu durchstechen, zu einer entscheidenden Waffe des Nahkampfs. In Indien hiess er urspruenglich Jamdhar, ein Name, der gemeinhin als der Zahn des Yama, des Todesgottes, gedeutet wird.

Merkmale

  • Ein H-foermiger Quergriff, die Klinge ragt aus der Faust nach vorn
  • Ein kraftvoller gerader Stoss, vom Arm und Koerpergewicht wie ein Fausthieb getrieben
  • Eine Klinge von etwa 30 bis 90 cm
  • Eine verdickte, verstaerkte Spitze, um Kettenpanzer zu durchstossen
  • Eine geteilte oder Scheren-Spielart, die sich beim Zusammendruecken zu drei Zinken oeffnet
  • Ein Sinnbild des Rajputen- und Sikh-Kriegers und eine Waffe der indischen Kampfkunst (Gatka)

Geschichten

Die Kraft des Katar kam aus dem Stoss, der wie ein Fausthieb gefuehrt wurde. Da die Klinge in einer geraden Linie mit dem Unterarm lag, brauchte man das Handgelenk nicht zu beugen: Streckte man den Arm gerade aus, trieb die Kraft der Schulter und das Koerpergewicht in die Spitze und durchstach tief die Spalten des Kettenpanzers oder den Rumpf. Gegen einen ungepanzerten Feind konnte ein einziger Stoss eine toedliche Wunde schlagen. Die beiden Seitenstangen umfassten Faust und Handgelenk und gaben ein Mass an Schutz, und manche Formen fuegten einen den Handruecken deckenden Schutzbuegel hinzu. In der indischen Kampfkunst Gatka wird er als zentrale Waffe der Nahtechniken gehandhabt, die hereinstuermen und in rascher Folge stossen.

Schwäche

So sehr er auf den Stoss spezialisiert ist, ist der Katar in der Verteidigung sehr begrenzt. Er taugt schlecht zum Schneiden oder Parieren, und seine kurze Klinge laesst ihn gegen einen Feind mit Stangenwaffe oder Langschwert, der Abstand haelt, voellig unterlegen sein. Da der Griff fest in der Faust gehalten wird, ist es umstaendlich, die Waffe rasch fallen zu lassen oder im Notfall zu einer anderen zu wechseln. Letztlich ist er ein rein offensiver Dolch, der seinen Wert nur im Nahkampf zeigt, nachdem man in die Reichweite des Feindes hineingedrungen ist, und im Kampf der Entfernung schwach ist.

Kulturelle Bedeutung

Der Katar war in Indien, besonders in der Kriegerkultur der Rajputen, ein Sinnbild von Rang und Tapferkeit. Ein reich mit Gold und Edelsteinen geschmueckter Katar war ein Gegenstand des Ansehens, am Hof getragen, und ein Erbstueck, und unter dem Rajputenadel galt es als Beweis des Mutes, einen Tiger oder Loewen mit nichts als einem einzigen Katar zu jagen. Auch in der Kriegerkultur der Sikhs und den Kampftraditionen Nordindiens nimmt der Katar einen wichtigen Platz ein. Wie der einheimische Name Jamdhar, der Zahn des Todesgottes Yama, zeigt, war der Katar eine Waffe, die der indischen Vorstellung Tod und Tapferkeit zugleich vor Augen rief.

In der Popkultur

Der Katar erscheint oft als exotischer Stossdolch in Spielen und Werken, die in Indien oder im Osten spielen oder Figuren vom Typ des Meuchlers zeigen. In Rollenspielen, die den Katar in eine eigene Klasse stellen, wie Diablo und Ragnarok Online, wird er haeufig als Nahwaffe gezeichnet, die zu raschen, wiederholten Schlaegen faehig ist. Besonders die Scheren-Spielart, deren Klinge sich beim Zusammendruecken oeffnet, wird in der Fiktion fuer ihren eigentuemlichen Kniff gern aufgegriffen. Oft wird er jedoch als zusammengehoeriges Paar in beiden Haenden gefuehrt gezeigt, sodass der Eindruck eines schnellen, exotischen Dolches vor seinem wahren, gewichtigen Zweck des Panzerdurchstossens betont wird.

Trivia

  • Der Katar ist so gebaut, dass die Klinge in einer geraden Linie mit dem Unterarm liegt und wie ein Fausthieb gestossen wird, und viele wurden mit einer verdickten, verstaerkten Spitze gefertigt, um Arm und Koerpergewicht in einen einzigen Punkt zu treiben und Kettenpanzer zu durchstechen.
  • Unter den feineren Kataren gab es eine geteilte oder Scheren-Spielart, deren Klinge sich beim festen Zusammendruecken des Griffs zu zwei oder drei Zinken nach beiden Seiten oeffnete, ein Zug, der mehr ein Ausweis der Handwerkskunst des Schmieds als eine Sache der Gefechtswirksamkeit war.
  • Der einheimische indische Name des Katar ist Jamdhar, gemeinhin als der Zahn des Todesgottes Yama gedeutet, und der Rajputenadel bewies seine Tapferkeit, indem er einen Tiger mit einem einzigen Katar jagte.