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Hellebarde

Die vielseitige Stangenwaffe der Schweizer

Die Hellebarde ist eine zweihändige Stangenwaffe, die Axtblatt, Stoßspitze und Haken (Reißhaken) in einem Kopf vereint, etwa 150–200 cm lang und 2,5–3,5 kg schwer. Eine Waffe leistet so alle drei Aktionen — Hauen (Axt), Stoßen (Spitze) und Haken (Reißhaken) —, und die Schweizer Gebirgsinfanterie des 14. Jahrhunderts entwickelte sie gegen die gepanzerte Reiterei. Metallschienen (Langetten) liefen am Schaft entlang, damit ein Feind den Kopf nicht einfach durch Durchschlagen des Schafts abtrennen konnte. Sie war die zentrale Infanteriewaffe gegen Reiterei im Europa des 15.–17. Jahrhunderts und vor allem das Sinnbild des Schweizer Söldners und des deutschen Landsknechts. Der scharfe Haken gegenüber dem Blatt zog Reiter aus dem Sattel oder hakte sich in eine Rüstungslücke, um sie zu Fall zu bringen.

Ursprung

Die Hellebarde entstand im Schweizer 14. Jahrhundert, wo bäuerliche und bürgerliche Fußtruppen sie entwickelten, um den gepanzerten Rittern der Habsburger standzuhalten. Aus der Verbindung von Bauernaxt und Spieß hervorgegangen, gewann sie Ruhm, als Schweizer Fußvolk bei Morgarten (1315), Laupen (1339) und Sempach (1386) ritterliche Schwadronen zerbrach. Nach dem 15. Jahrhundert, als das Hauptmittel der Schweizer Taktik zu Gevierten aus 5–6 m langen Piken wurde, übernahm die Hellebarde die unterstützende Rolle, in die feindlichen Reihen einzubrechen und den Kampf im Nahbereich zu entscheiden. Auch die deutschen Landsknechte übernahmen sie, und sie blieb bis ins Zeitalter der Feuerwaffen die Leitwaffe der Infanterie unter den Stangenwaffen.

Merkmale

  • Kombinierter Kopf aus Axtblatt + Stoßspitze + Haken (Reißhaken)
  • Etwa 150–200 cm Gesamtlänge, 2,5–3,5 kg, beidhändig geführt
  • Hauen, Stoßen und Haken in einer Waffe
  • Der Haken zieht einen Reiter aus dem Sattel
  • Langetten (Metallschienen) am Schaft gegen das Abschlagen des Kopfes
  • Sinnbild des Schweizer Söldners und Landsknechts; bis heute zeremoniell von der Schweizergarde des Vatikans getragen

Geschichten

Traf die Infanterie auf einen Reiterangriff, hielt sie zunächst Pferd und Reiter mit der Spitze auf, hieb mit dem Blatt durch die Rüstung und zog den Ritter mit dem Haken aus dem Sattel, um ihn zu Boden zu bringen — diese kombinierte Technik war der Kern der Waffe. Schweizer und deutsches Fußvolk stellte Hellebardiere zwischen die Pikengevierte: Sobald die Piken den Feind banden, sprangen die Hellebardiere vor, um den Nahkampf zu entscheiden. Sie diente auch der Verteidigung von Toren und Engstellen, dem Häuserkampf und dem Wachdienst. Da ihre Wucht in einem großen Schlag lag, wurde sie jedoch am besten im Schutz der Pikeniere geführt.

Schwäche

Schwer und lang, war sie nach einem Schlag langsam wieder bereit und ließ den Träger einem Gegner ausgeliefert, der mit Dolch oder Schwert in die Reichweite eindrang. Sie brauchte Raum zum Ausholen, sodass in engem Innenraum oder dichtem Getümmel der lange Schaft eher hinderte. Ihre reine Reichweite blieb hinter der 5–6 m langen Pike zurück, sodass das Aufhalten eines Reiterangriffs von vorn zunehmend der Pike zufiel. Als im 16.–17. Jahrhundert Gewehre und Musketen sich verbreiteten und die Stangenwaffen verfielen, verließ auch die Hellebarde das Schlachtfeld und wurde zur Waffe der Zeremonie und des Rangs.

Kulturelle Bedeutung

Die Hellebarde ist beinahe ein Sinnbild des spätmittelalterlichen 'Zeitalters des Fußsoldaten'. Auf Schlachtfeldern, die einst die berittene Ritteraristokratie beherrschte, schlugen Schweizer und deutsche Gemeine mit Hellebarden Ritter nieder und zeigten, dass sich die Hauptakteure des Krieges gewandelt hatten. Aus diesem Ansehen wurde die Hellebarde auch zum Zeichen der Autorität: In späteren europäischen Heeren trugen Unteroffiziere und Offiziere sie als Rangabzeichen, und sie bewaffnete Stadtwächter und Ehrengarden. Heute lebt dieses Bild am deutlichsten in den Zeremonialhellebarden der 1506 gegründeten Päpstlichen Schweizergarde fort.

In der Popkultur

Die Hellebarde ist die Standard-'Allzweck-Stangenwaffe' in Spielen und Fantasy. Als schwere Stangenwaffe ist sie fester Bestandteil — die Black Knight Halberd in Dark Souls, die diversen Hellebarden in Elden Ring — und als Einheit vertraut: die Hellebardiere von Mount & Blade und der Total-War-Reihe oder die Imperiums-Hellebardiere von Warhammer. In Tabletop-Rollenspielen steht sie als Standard-Stangenwaffe, welche die Vorzüge von Axt und Spieß vereint. In realen Medien sieht man sie am häufigsten beim Zeremoniell der vatikanischen Schweizergarde.

Trivia

  • Karl der Kühne, Herzog von Burgund, fiel 1477 in der Schlacht bei Nancy der Schweizer Infanterie zum Opfer; sein Schädel soll von einer Schweizer Hellebarde gespalten worden sein — ein sinnbildlicher Moment, in dem die Ritteraristokratie von gemeinem Fußvolk niedergeworfen wurde.
  • Die 1506 gegründete Päpstliche Schweizergarde des Vatikans trägt bis heute die Hellebarde zeremoniell — ein seltener Fall einer Waffe, die aus dem Krieg verschwand und als lebendige Tradition fortbesteht.
  • Nachdem sie das Schlachtfeld verlassen hatte, wurde die Hellebarde zum 'Abzeichen der Autorität': Unteroffiziere und Offiziere europäischer Heere des 17.–18. Jahrhunderts trugen sie als Rangsymbol statt als Hauptwaffe.