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pavise
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Pavese

Großer Standschild zum Schutz von Armbrustschützen

Die Pavise ist der grosse rechteckige Schild, den die Armbruster des Europas des vierzehnten und fuenfzehnten Jahrhunderts gern trugen, eine Verteidigung so gross, dass sie bei einer Hoehe von hundertzwanzig bis hundertfuenfzig Zentimetern fast die ganze Hoehe eines Mannes verbergen konnte. Ihr Leib aus hoelzernen Brettern war mit Tuch ueberzogen, auf einem Grund aus Gesso wurden die Wappen der Stadt oder das Bild eines Heiligen gemalt, sie verjuengte sich nach oben und trug am Boden eine kleine Stuetze, sodass sie aufgestellt allein im Boden stehen konnte. Weil die Armbrust nach jedem Schuss lange zum Spannen brauchte, war ein grosser Schild noetig, der waehrend dieser Zeit den ganzen Leib des Schuetzen deckte, und die Pavise nahm diesen Platz ein. Die Ueberlieferung haelt, dass ihr Name aus der italienischen Stadt Pavia kam, und sie fasste zuerst Fuss bei den Armbrustern Genuas und der Lombardei, doch verbreitete sie sich bald durch das Heilige Roemische Reich und Boehmen, und ihr beruehmtestes Bild hinterliess sie als die Reihe der Schilde, die vor der Wagenburg des hussitischen Fussvolkes der Tschechen aufgestellt war.

Ursprung

Der Ursprung der Pavise geht ins vierzehnte Jahrhundert Italiens zurueck, und ihr Name soll aus der lombardischen Stadt Pavia stammen, obwohl einige Gelehrte ihn statt dessen auf das lateinische palvensis fuehren. Als die genuesischen Armbruster zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts als Soeldner in den Kriegen der italienischen Stadtstaaten und im Hundertjaehrigen Krieg dienten, wurde der grosse Schild, den sie trugen, in ganz Europa bekannt. Etwa zur selben Zeit nahmen die freien Staedte des Heiligen Roemischen Reiches denselben Schild auf, und in den Hussitenkriegen (1419-1434) zu Beginn des fuenfzehnten Jahrhunderts, als das tschechische Fussvolk eine Reihe von Pavisen vor seiner Wagenburg aufstellte und von dahinter Armbruste und Kriegsflegel abfeuerte, wurde eine neue Taktik geboren, und die Pavise wuchs vom persoenlichen Schild zu einem Teil der Feldbefestigung selbst.

Merkmale

  • Grosser rechteckiger Schild von etwa hundertzwanzig bis hundertfuenfzig Zentimetern Hoehe
  • Gross genug, den ganzen Leib des Schuetzen zu decken
  • Stand allein im Boden mit einer kleinen Stuetze am unteren Ende
  • Wurde getragen und gefuehrt von einem eigenen Schildtraeger, dem Pavisier
  • Der Name kam aus der italienischen Stadt Pavia
  • Praechtige Verzierung mit Stadtwappen und Heiligen, auf Gesso-Grund gemalt

Geschichten

Die Pavise war ein Geraet, das langsame Spannen der Armbrust zu decken. Selbst eine Steigbuegel-Armbrust brauchte vier oder fuenf Sekunden, um neu gespannt zu werden, und eine schwere Armbrust, mit einem Cranequin oder einer Winde gespannt, brauchte von zehn Sekunden bis fast einer Minute, und waehrend dieser Zeit brauchte der Schuetze einen grossen Schild, um seinen ganzen Leib zu verbergen. Der Armbruster duckte sich hinter die Pavise, spannte die Sehne, lehnte sich zur Seite oder ueber die Oberkante hinaus, um zu schiessen, und zog sich wieder dahinter zurueck. In einem grossen Feld ging ein eigener Schildtraeger, der Pavisier, mit ihm, trug die Pavise vor dem Schuetzen und deckte ihn, und so wurde ein Zwei-Mann-Gespann zur Regel. In den Hussitenkriegen stellte das tschechische Fussvolk eine Reihe von Pavisen vor die Wagenburg und gebrauchte sie als eine zeitweilige Mauer gegen den Ritterangriff, und das wurde fuer ein Jahrhundert zum Mass der mitteleuropaeischen Feldschlacht.

Schwäche

Die groesste Schwaeche der Pavise wuchs aus ihrer eigenen Groesse. Sie war ein grosser Schild von mehr als fuenf Kilogramm Gewicht, sodass sie nicht mit einer Hand gehalten werden konnte, sondern auf dem Ruecken oder unter dem Arm getragen werden musste, was den Marsch des Armbrusters stark verlangsamte. War sie einmal aufgestellt, war sie schwer zu verschieben, sodass der Schuetze sie wieder heben oder den Pavisier rufen musste, wenn er den Platz wechseln wollte, und in einem Nahkampf wurde die grosse Masse zu einer Last, die nicht geschwungen werden konnte, sodass der Mann auf einen Dolch und ein kurzes Schwert zurueckgreifen musste. Die Begebenheit der Schlacht bei Crecy 1346, in der die genuesischen Armbruster der franzoesischen Seite den englischen Langboegnern ohne ihre Pavisen gegenuebertraten, die mit den nassen Sehnen in den Lastwagen zurueckgelassen worden waren, und schweren Verlust erlitten, zeigt deutlich, wie verwundbar der Armbruster war, wenn ihm die Pavise fehlte. Vom spaeten fuenfzehnten Jahrhundert an, als sich die Arkebuse verbreitete und das Mass des Schiessens wieder stieg, schwand der Platz der grossen Pavise langsam.

Kulturelle Bedeutung

Die Pavise war nicht bloss ein Stueck Kriegsgeraet, sondern auch ein gemaltes Werk, das die Identitaet des Stadtstaates und der freien Stadt trug. Eine Pavise, auf der die Wappen der Stadt, das Bild des Schutzheiligen und ein lateinischer Wahlspruch auf einem Gesso-Grund gemalt waren, liess Maenner aus der Ferne wissen, zu welcher Stadt der Schuetze gehoerte und unter wessen Schutz er stand, und so war sie eine Tafel, die der Maler der Stadt mit seiner ganzen Sorge vollendete. Das Kunsthistorische Museum in Wien, das Bayerische Nationalmuseum in Muenchen und das Nationalmuseum in Prag halten viele praechtige boehmische Pavisen des fuenfzehnten Jahrhunderts, darunter mehrere, auf denen das Bild des heiligen Georg, der den Drachen erschlaegt, neben den Wappen der Stadt gesetzt ist. Die Gans, die tschechische Husa, die oft auf den Pavisen des hussitischen tschechischen Fussvolkes stand, das Sinnbild Jan Hussens, wurde zu einem visuellen Zeichen des ketzerischen Heeres, so stark wie das Banner, das es erhob.

In der Popkultur

Die Pavise erscheint ohne Ausnahme als das Zeichen des Armbrusters in Filmen, Historiendramen und Spielen, die im spaeten Mittelalter angesiedelt sind. In Werken des Hundertjaehrigen Krieges wie dem Film Jeanne d'Arc steht sie als der grosse Schild des genuesischen Armbrusters, und in Historiendramen der Hussitenkriege liegt die Reihe der praechtigen Pavisen, die vor der Wagenburg aufgestellt sind, im visuellen Herzen der Szene. In Strategiespielen wie Medieval II: Total War und Crusader Kings III und im Aktions-Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance, das im Boehmen des fuenfzehnten Jahrhunderts spielt, wird die Pavise als das Kerngeraet der Armbrusteinheit behandelt, und ihre praechtige Malerei wird manchmal treu wiedergegeben. Filme zeichnen die Pavise jedoch oft zu leicht, indem sie uebertreiben, als koennte sie mit einer Hand geschwungen werden.

Trivia

  • Es heisst, der Name Pavise sei aus der lombardischen Stadt Pavia gekommen, doch einige Gelehrte fuehren ihn statt dessen auf das lateinische palvensis, sodass die Spur ihres Ursprungs nicht auf eine einzige Linie festgelegt ist.
  • In der Schlacht bei Crecy 1346 traten die genuesischen Armbruster der franzoesischen Seite, deren Pavisen mit den nassen Sehnen in den Lastwagen zurueckgelassen worden waren, den englischen Langboegnern gegenueber und erlitten schweren Verlust, eine Begebenheit, die oft genannt wird, um deutlich zu zeigen, wie verwundbar der Armbruster war, wenn ihm die Pavise fehlte.
  • Das tschechische Fussvolk der Hussitenkriege (1419-1434) stellte eine Reihe von Pavisen vor die Wagenburg und gebrauchte sie als zeitweilige Mauer, und auf jene Pavisen wurde oft die Gans, die tschechische Husa, das Sinnbild Jan Hussens, gemalt, die zu einem visuellen Zeichen des ketzerischen Heeres wurde, so stark wie sein Banner.