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Ō-yoroi

Große Rüstung des japanischen Samurai

Der O-yoroi (das grosse Geharnisch) ist die klassische grossformatige Ruestung des japanischen Samurai, in der Heian-Zeit fuer den berittenen Krieger vollendet. Er ist ein Lamellenpanzer, gebaut aus kleinen Schuppen (Kozane) aus Eisen und lackiertem Leder, dicht mit farbigen Seidenschnueren (Odoshi) verschnuert und darueber praechtig in Leder und Seide ausgefuehrt. Vor allem war er fuer das berittene Bogenschiessen entworfen: der kastenfoermige Brustpanzer umschliesst den Koerper, die rechte Seite von einem gesonderten Stueck namens Waidate gedeckt, um den Bogen nicht zu behindern, und eine Platte aus gepunztem Leder (der Tsurubashiri) ueber der Vorderseite hielt die Bogensehne davon ab, sich an den Lamellen zu verfangen. Grosse viereckige Schulterschilde (O-sode) hingen an jeder Schulter und dienten wie kleine Schilde, die die Flanken deckten, wenn die Arme zum Schiessen gehoben wurden. Der Schurz haengender Platten (Kusazuri) war in vier Teile geteilt, damit der Traeger zu Pferde sitzen konnte, und mit etwa 25 bis 30 kg war er eine schwere Ruestung. Von der Heian- bis in die Muromachi-Zeit wurde er rund fuenf Jahrhunderte als Ruestung hochrangiger Krieger getragen.

Ursprung

Man nimmt an, dass der O-yoroi sich im Japan der Heian-Zeit des 10. Jahrhunderts fuer den berittenen Krieger entwickelte. Der Kampf der Samurai jener Zeit drehte sich um den 'Weg von Bogen und Pferd', das Schiessen vom Pferde, und der O-yoroi war die Ruestung, die genau fuer dieses berittene Bogenschiessen verfeinert wurde. Eine aus Japans eigener Lamellentradition erwachsene Form, gekennzeichnet durch ihre praechtige Verschnuerung und grossen Schulterschilde, erreichte sie in der Kamakura-Zeit ihren reifen Stil. So kostspielig an Geld und Handwerk, dass nur Krieger hohen Standes ihn besitzen konnten, ueberdauern mehrere O-yoroi beruehmter Befehlshaber bis heute, als Weihegaben in Schreinen dargebracht und zu Nationalschaetzen erklaert.

Merkmale

  • Lamellenbau aus kleinen Schuppen (Kozane), mit Schnueren (Odoshi) verschnuert
  • Praechtig in Leder und Seide ausgefuehrt
  • Eigentuemliche Bildwirkung der farbigen Schnurverschnuerung
  • Weiter Bewegungsraum des rechten Arms fuer das berittene Bogenschiessen
  • Grosse Schulterschilde (O-sode) zur Flankendeckung
  • Schwere Ruestung von etwa 25 bis 30 kg

Geschichten

Der O-yoroi war die Kriegsausruestung des berittenen Samurai, vor allem fuer den Kampf des berittenen Bogenschiessens gebraucht, das Schiessen vom Pferde. Die Bewegung von rechter Schulter und Arm wurde weit und frei gehalten, um das Spannen des Bogens nicht zu behindern, und die Lederplatte ueber der Vorderseite hielt die Bogensehne davon ab, sich an den Lamellen zu verfangen. Die grossen Schulterschilde kamen, wenn beide Arme zum Schiessen gehoben wurden, von selbst dazu, die Flanken und Schultern zu decken, und wirkten wie ein bewegliches Schild. Der Schurz war in vier Teile geteilt, damit der Traeger leicht zu Pferde sitzen konnte, doch war die Ruestung entsprechend schwer und sperrig und fuer den Kampf zu Fuss nach dem Absitzen wenig geeignet.

Schwäche

Die Schwaechen des O-yoroi sind sein Gewicht, die Grenze seines Zwecks und seine Kosten. Das Gewicht von etwa 25 bis 30 kg und die Masse seiner kastenfoermigen Gestalt waren zu Pferde ertraeglich, doch im Kampf zu Fuss mit Schwert und Speer nach dem Absitzen drueckte er schwer auf den Koerper und war sperrig. Wie beim Lamellenpanzer ueberhaupt sogen die die Schuppen verschnuerenden Schnuere Regen und Blut auf, wurden schwer, trockneten langsam und verlangten staendige Pflege. Vor allem kostete er gewaltigen Aufwand an Herstellung und Pflege, sodass ihn keiner ausser einem Krieger hohen Standes besitzen konnte.

Kulturelle Bedeutung

In der Kultur des japanischen Kriegeradels war der O-yoroi mehr als blosse Ruestung: er war ein Sinnbild, das Stand, Foermlichkeit und Schoenheitssinn zugleich zeigte. Seine praechtige, mit vielfarbigen Schnueren verschnuerte Gestalt hob die Ruestung selbst auf die Stufe eines Kunstwerks und wurde zu einem Stolz, der Ansehen und Geschmack eines Kriegerhauses zeigte. Doch als sich in der Sengoku-Zeit die Schlacht vom Einzelduell des berittenen Bogenschiessens zum Massenkampf wandelte, der sich um Fusssoldaten (Ashigaru) mit Speer und Feuerwaffe drehte, zog sich der schwere und kostspielige O-yoroi aus dem wirklichen Krieg zurueck und wurde nach und nach durch den leichteren und beweglicheren Do-maru und Haramaki ersetzt. Danach blieb der O-yoroi fuer Zeremonie und foermliche Zurschaustellung, ein Ueberbleibsel, das das goldene Zeitalter der japanischen Ruestung versinnbildlicht.

In der Popkultur

Der O-yoroi erscheint oft in Historiendramen, Spielen und Fantasy japanischer Art ueber die Heian- und Kamakura-Zeit als die sinnbildliche Ruestung des Samurai-Befehlshabers. In Werken ueber den Genpei-Krieg oder die Haeuser Minamoto und Taira werden seine praechtige Verschnuerung und grossen Schulterschilde auffaellig gezeichnet, und in Spielen ist er zur hochwertigen, sinnbildlichen Ruestung oestlicher Art geworden. In der Fiktion wird der O-yoroi jedoch oft als die Ruestung des ganzen Samurai-Zeitalters zusammengefasst und nicht vom Do-maru oder vom spaeteren Tosei-gusoku unterschieden, die tatsaechlich in spaeteren Zeiten getragen wurden.

Trivia

  • Der O-yoroi war fuer das berittene Bogenschiessen entworfen: eine Platte aus gepunztem Leder (der Tsurubashiri) ueber der Vorderseite hielt die Bogensehne davon ab, sich an den Lamellen zu verfangen, und die rechte Koerperseite war gesondert vom Waidate gedeckt, um die Bewegung des Bogenfuehrens frei zu machen.
  • Die grossen viereckigen Schulterschilde, die O-sode, deckten von selbst die Flanken, wenn beide Arme zum Schiessen gehoben wurden, und wirkten somit wie ein bewegliches Schild.
  • Als sich in der Sengoku-Zeit die Taktik zum Massenkampf um Fusssoldaten wandelte, wich der schwere und kostspielige O-yoroi nach und nach dem leichteren Do-maru und Haramaki, die urspruenglich die Ruestung niederrangiger Krieger und Fusssoldaten gewesen waren.