
Kabuto
Traditioneller Helm des japanischen Samurai
Der Kabuto ist der ueberlieferte Helm, den der japanische Samurai mit seiner Ruestung trug. Mehrere Eisenplatten werden mit Nieten zur runden Schale (Hachi) verbunden, hinter der mehrere Lamellen eines Nackenschutzes (der Shikoro) Hals und Schultern decken, waehrend die vorn am Shikoro hochgeschlagenen Stulpen (Fukigaeshi) die Seiten des Gesichts schuetzen und das Familienwappen trugen. An der Vorderseite des Helms wurde ein Zier namens Maedate angebracht, um auf dem Schlachtfeld zu zeigen, wer der Traeger war, und seine Wuerde zur Schau zu stellen. In der Sengoku-Zeit wetteiferten die Befehlshaber darum, eigene 'verwandelte Helme' (Kawari-kabuto) zu machen, deren Gestalt aus lackiertem Papier, Holz und Leder aufgebaut war; der Halbmond des Date Masamune und der Farnblatt-Zier des Tokugawa Ieyasu sind besonders beruehmt. Das Gewicht betrug je nach Zier etwa 2 bis 5 kg, innen war er mit Polsterung gefuettert und mit einem Kinnband (dem Shinobi-no-o) befestigt.
Ursprung
Der Kabuto nahm, wie man annimmt, seine fruehste Form in der Kofun-Zeit Japans um das 5. Jahrhundert an. Die Helme jener Zeit waren schlichte Formen aus verbundenen Eisenplatten, doch mit der Entwicklung der japanischen Ruestung wurden sie zu einer kunstvollen Form mit runder Schale, Nackenschutz und Zier verfeinert. Die Schale wurde nach ihrer Machart in den Hoshi-kabuto, dessen Nietkoepfe wie Sterne hervorstanden, und den Suji-kabuto, dessen Plattenkanten sich zu Rippen erhoben, unterschieden, und am Scheitel war ein Loch (das Tehen), urspruenglich fuer den Haarknoten oder zur Lueftung. In der Sengoku-Zeit, als sich das Maedate und der verwandelte Helm praechtig entwickelten, wurde der Kabuto mehr als blosse Ruestung, ein Sinnbild, das die Eigenart und Wuerde eines Befehlshabers zeigte.
Merkmale
- Runde Schale (Hachi) aus mehreren mit Nieten verbundenen Eisenplatten
- Nackenschutz (Shikoro), der Hinterseite und Seiten schuetzt
- Stulpen (Fukigaeshi), die die Gesichtsseiten schuetzen und das Wappen tragen
- Vorderzier (Maedate) zur Kennung und zur Schau der Wuerde
- Eigene verwandelte Helme der Sengoku-Befehlshaber
- Gewicht von etwa 2 bis 5 kg, mit einem Kinnband befestigt
Geschichten
Der Kabuto war der Kampfhelm des Samurai und zugleich ein Stueck Zier, das Stand und Wuerde zeigte. Die runde Schale schuetzte den Kopf, der hinten haengende Shikoro deckte Hals und Schultern, und die Fukigaeshi schuetzten die Seiten des Gesichts, sodass der ganze Umkreis des Kopfes gedeckt war. Vor allem liess das Maedate an der Vorderseite von weitem erkennen, wer der Befehlshaber war, und erfuellte den praktischen Zweck, den Feind einzuschuechtern und der eigenen Seite zu zeigen, wo der Befehlshaber stand. Er wurde mit der Ruestung auf dem Kopf getragen und mit einem Kinnband (dem Shinobi-no-o) fest gebunden und oft mit einer Gesichtsmaske (Mengu) zusammengefuegt, um den ganzen Kopf zu decken.
Schwäche
Die Schwaechen des Kabuto sind die Sicht, das Gewicht und die Doppelschneidigkeit seiner praechtigen Zier. Die tief sitzende Schale und die Gesichtsmaske schuetzten den Kopf fest, verengten aber das Sichtfeld nach vorn und nach oben und unten. Ein riesiges Maedate, das zwar Wuerde zur Schau stellte, war von weitem leicht zu sehen und machte den Traeger zum Ziel und konnte sich an einem Ast oder Tuerrahmen verfangen oder das Gleichgewicht stoeren. Je groesser die Zier, desto schwerer wurde sie, sodass langes Tragen den Nacken ermuedete, was ebenfalls eine Grenze war.
Kulturelle Bedeutung
In der Samurai-Kultur war der Kabuto mehr als ein den Kopf schuetzender Helm: er war ein Sinnbild, das die Eigenart und das Schoenheitsempfinden eines Befehlshabers in eins fasste. Besonders die verwandelten Helme der Sengoku-Zeit, die Gestalten wie den Halbmond, Hirschgeweihe, Farnblaetter und Schneckenhaeuser aus lackiertem Papier und Holz aufbauten, zeigen den Gipfel der Vorstellungskraft, den das Ruestungshandwerk erreichte. Das grosse Halbmond-Maedate des Date Masamune ist bis heute ein Zeichen geworden, das ihn versinnbildlicht, und solche Helme liessen einen Befehlshaber auf dem Feld mit einem Blick erkennen und trugen sein Ansehen bis in spaetere Zeiten. Im heutigen Japan haelt sich der Brauch, am Knabenfest einen Kabuto aufzustellen, um einem kleinen Jungen Gesundheit und Erfolg zu wuenschen.
In der Popkultur
Der Kabuto erscheint oft als der sinnbildliche Helm eines Befehlshabers in Historiendramen, Filmen, Spielen und Fantasy japanischer Art ueber die Samurai. Verwandelte Helme mit riesigen Maedate wie einem Halbmond oder Hirschgeweih werden mit eindringlichem Aussehen gezeichnet, gebraucht als Mittel, das die Eigenart und das Ansehen einer Figur mit einem Blick zeigt. Date Masamune im Besonderen wird fast immer mit seinem Halbmond-Helm dargestellt. In der Fiktion wird das Maedate jedoch oft groesser und unwirklicher aufgeblaeht als das wirkliche, und die Struktur wirklicher Teile wie Shikoro und Fukigaeshi wird oft vereinfacht.
Trivia
- Die 'verwandelten Helme' (Kawari-kabuto) der Sengoku-Zeit wurden aus lackiertem Papier, Holz und Leder zu Gestalten wie dem Halbmond, Hirschgeweihen, Farnblaettern und Schneckenhaeusern aufgebaut und zeigten Eigenart und Wuerde eines Befehlshabers.
- Das grosse Halbmond-Maedate des Date Masamune und das Farnblatt-Maedate des Tokugawa Ieyasu sind besonders beruehmt und versinnbildlichen bis heute die zwei Befehlshaber.
- Im heutigen Japan haelt sich der Brauch, am Knabenfest ein Kabuto-Modell aufzustellen, um einem kleinen Jungen Gesundheit und Fortkommen zu wuenschen.