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Gambeson

Gesteppte Polsterverteidigung aus Stoff

Ein Gambeson ist ein dickes gepolstertes Gewand aus vielen gesteppten Lagen Tuch wie Leinen oder Baumwolle. Zwischen zwei Lagen Tuch werden Wolle, Werg (Abfallfasern von Flachs oder Hanf) oder Lumpen gestopft und in engen senkrechten Bahnen gesteppt, sodass ein Schlag ueber das ganze Gewand verteilt und aufgefangen wird. Er konnte allein als Ruestung eines leichten Fusssoldaten getragen werden oder unter Kettenhemd oder Platte als gepolstertes Untergewand (der Aketon), das den vom Metall durchgelassenen Stoss daempfte. Er kam in Europa um das 11. und 12. Jahrhundert in weiten Gebrauch und wurde das ganze Mittelalter hindurch von Soldaten jeden Standes getragen, wobei sein Schutz mit der Guete der Steppung und der Zahl der Lagen wechselte. Erstaunlich widerstandsfaehig gegen Hiebe und Pfeile, war er die billigste und am leichtesten herzustellende Ruestung und doch bemerkenswert wirtschaftlich. In kaltem Land gab er auch Waerme, sodass ihn alle vom ausgehobenen Bauern bis zum Ritter trugen.

Ursprung

Man nimmt an, dass der Gambeson um das 11. und 12. Jahrhundert in Europa ernstlich auftrat und sich durch die Zeit der Kreuzzuege weit verbreitete. Der Name 'Gambeson' soll von einem germanischen Wort fuer den Bauch herruehren, waehrend 'Aketon', fuer dasselbe Gewand gebraucht, von einem arabischen Wort fuer Baumwolle oder Polsterung kommt. Der Gedanke der gesteppten Tuchruestung selbst ist aelter, denn geschichtete Textilpanzer gab es in vielen Kulturen, etwa die Leinenruestung (Linothorax) des alten Griechenland. Im mittelalterlichen Europa nahm der Gambeson mit der Entwicklung der Metallruestung seinen Platz sowohl als deren Unterlage wie als billige eigenstaendige Ruestung ein und wurde bis zum Ende des Mittelalters gebraucht, einige Formen bis ins 16. und 17. Jahrhundert.

Merkmale

  • Gepolsterter Aufbau aus vielen gesteppten Lagen Leinen oder Baumwolle
  • Allein oder als Unterlage der Metallruestung getragen
  • Erstaunlich wirksam gegen Hiebe und Pfeile
  • Die billigste und am leichtesten herzustellende Ruestung
  • Gab im Winter auch Waerme
  • Schutz durch Steppabstand und Lagenzahl einstellbar

Geschichten

Der Gambeson diente sowohl als die Grundruestung jedes mittelalterlichen Soldaten wie als die stossdaempfende Unterlage der Metallruestung. Allein getragen war er die Hauptruestung armer Fusssoldaten und Aufgebote und wehrte Hiebe und Pfeile; unter dem Kettenhemd getragen, milderte er den Stoss der Ringe und den Schlag einer stumpfen Waffe. Im 15. Jahrhundert entwickelte er sich zum Arming Doublet, mit Schnueren (Points) versehen, um Kettengeflechtstuecke an Ellbogen und Achseln und Plattenteile anzubinden, und wurde so zum unentbehrlichen Untergewand fuer das Tragen der Plattenruestung. Billig und leicht zu pflegen, wurde er von allen Staenden getragen, vom ausgehobenen Bauern bis zum wohlhabenden Ritter.

Schwäche

Die Schwaechen des Gambesons sind der Stich, der stumpfe Stoss und das Wasser. Obgleich seine enge Steppung Hiebe und Pfeile gut abwehrt, konnte sich eine schmale Spitze wie eine ahlenartige Klinge, beharrlich auf eine Stelle getrieben, zwischen den Lagen hindurcharbeiten. Da er nur aus Tuch und Fuellung besteht, konnte er den Schlag einer schweren stumpfen Waffe nicht ganz aufhalten und gab einen Teil des Stosses an den Koerper weiter. Vom Regen durchnaesst nahm er viel Wasser auf, wurde sehr schwer und trocknete langsam, und als Tuch war er dem Feuer gegenueber verwundbar.

Kulturelle Bedeutung

Der Gambeson war die haeufigste und am weitesten verbreitete Ruestung des mittelalterlichen Schlachtfelds. Obgleich die praechtige Plattenruestung als das Sinnbild des Ritters in Erinnerung ist, war das, was die Fusssoldaten und Aufgebote, die den groessten Teil jeder wirklichen Schlacht ausmachten, tatsaechlich trugen, diese billige, zweckmaessige gesteppte Ruestung. So wirtschaftlich im Schutz, dass er bisweilen die Ruestung des armen Mannes genannt wurde, wurde er zugleich von Rittern ohne Ausnahme unter ihrer Metallruestung getragen, das unsichtbare Fundament, das das Schlachtfeld ungeachtet des Standes trug. Oft unterschaetzt wegen der Einfachheit, blosses Tuch zu sein, war sein Nutzen im wirklichen Kampf keineswegs gering.

In der Popkultur

Der Gambeson erscheint in beinahe jedem Film, Drama und Spiel ueber das Mittelalter. Er wird als das gesteppte Untergewand unter Kettenhemd oder Platte gezeichnet oder als die eigenstaendige Ruestung eines armen Soldaten, und in Spielen erscheint er gewoehnlich als die einfachste Ruestung des fruehen Spiels. Von der praechtigen Metallruestung ueberschattet, wird seine Bedeutung jedoch oft nicht deutlich, und als Tuchruestung wird sein Schutz haeufig niedriger dargestellt, als er wirklich war. In neueren Werken, die historische Genauigkeit schaetzen, wird die Rolle des Gambesons als Fundament aller Ruestung bisweilen verhaeltnismaessig treu wiedergegeben.

Trivia

  • Der Name 'Gambeson' soll von einem germanischen Wort fuer den Bauch herruehren, waehrend 'Aketon', fuer dieselbe gesteppte Ruestung, von einem arabischen Wort fuer Baumwolle oder Polsterung kommt, und der Gedanke der gesteppten Tuchruestung selbst reicht bis zur Leinenruestung des alten Griechenland zurueck.
  • Der Gambeson war sowohl eigenstaendige Ruestung wie die unentbehrliche Unterlage von Kettenhemd und Platte, und im 15. Jahrhundert entwickelte er sich zum Arming Doublet, mit Schnueren zum Anbinden von Plattenteilen versehen, und wurde zum Untergewand fuer das Tragen der Plattenruestung.
  • Dank seiner engen Steppung war er erstaunlich stark gegen Hiebe und Pfeile, doch war er schwach gegen den beharrlichen Stich einer schmalen Spitze und gegen schwere stumpfe Schlaege, und seine chronische Schwaeche war, dass er vom Regen durchnaesst Wasser aufnahm und sehr schwer wurde.