
Elefantenpanzer
Ganzkörperpanzer für den Kriegselefanten
Die Elefantenruestung ist die Ruestung, gemacht, den grossen Leib des in den Krieg gefuehrten Elefanten zu decken, und sie ist die groesste der Ruestungen, die je einem Tier angelegt wurden, gewachsen aus dem persischen und indischen bargustavan. Auf dem Kopf sass ein maskenartiger Chanfron aus Metall oder Leder, auf dem Ruecken eine Decke aus Kettenpanzer und Platten gegen Pfeile und Speere, und ueber Brust und Flanken eine einzige grosse Schicht Kettenhemd, dicht besetzt mit kleinen Platten. Auf dem Ruecken war ein kleiner Turm angebracht, der Howdah hiess, in dem zwei oder drei Bogenschuetzen oder Speertraeger von oben schossen, und am Ende des Ruessels war eine kurze Klinge angebunden, die den Fussmann traf und seine Reihe brach. Es war selten, dass die Hand des Menschen einem Tier solcher Wucht eine Ruestung anlegte, und das Weben einer einzigen Garnitur Elefantenruestung kostete so viel wie der ganze jaehrliche Kriegshaushalt eines Stadtherrn, und so stand dieselbe Garnitur zugleich als Feldwaffe und als grosses Sinnbild der Wuerde des koeniglichen Hauses.
Ursprung
Das Fuehren des Elefanten in die Schlacht reicht bis zum Koenigreich Magadha zurueck, dem Vorlaeufer des Maurya, im Indien des sechsten Jahrhunderts vor Christus, und das Zusammentreffen Alexanders des Grossen mit den ueber 200 Elefanten Koenig Poros' an der Schlacht am Hydaspes im Jahre 326 vor Christus ist in den griechischen Quellen ausfuehrlich festgehalten. Die Seleukiden der hellenistischen Welt und das Karthago Hannibals nahmen dasselbe Tier auf, doch die Elefanten jenes Zeitalters blieben in einem verhaeltnismaessig leichten Aufzug aus dicker Haut und nur einem kleinen Schutz auf dem Kopf. Der Ort, an dem die grosse Garnitur aus Kettenpanzer und Plattenelefantenruestung, wie wir sie uns vorstellen, im Ernst wuchs, ist das Zeitalter der Rajputen und des Mogulreiches im Indien des 16. bis 18. Jahrhunderts, als der persische Begriff bargustavan-i-pil, die Ruestung des Elefanten, Fuss fasste. Darueber hinaus legten die koeniglichen Haeuser der Khmer, Siam und Birma in Suedostasien ihre eigene Hand am selben Ort an, und eine einzige grosse Garnitur kam auf jedem grossen Feld rings um den Indischen Ozean zum Vorschein.
Merkmale
- Maskenartiger Chanfron auf dem Kopf und eine Decke aus Kettenpanzer und Platten auf dem Ruecken
- Eine einzige grosse Schicht Kettenhemd mit kleinen Platten dicht besetzt ueber Brust und Flanken
- Ein kleiner Turm namens Howdah auf dem Ruecken, in dem zwei oder drei Maenner sassen
- Eine kurze Klinge, am Ende des Ruessels angebunden, als Hilfswaffe, die die Reihe des Fussmanns brach
- Mit eigener Hand an den Leib jedes einzelnen Elefanten angepasst
- Ein grosses Sinnbild, das die Feldwaffe und die Wuerde des koeniglichen Hauses zusammen trug
Geschichten
Die Elefantenruestung wurde gebraucht, ein grosses Tier im Feld so lange wie moeglich am Leben zu halten, um die Reihen des feindlichen Fussvolks und der feindlichen Reiterei zur selben Zeit zu brechen. Der gepanzerte Elefant, dessen Kopf und Brust die frontalen Pfeile abwandte und dessen grosse Schicht ueber den Flanken die Speere und Schwerter des Fussvolks abhielt, druckte gerade in die feindliche Linie, waehrend die Bogenschuetzen, die im Howdah auf seinem Ruecken sassen, im selben Augenblick von oben schossen. Wenn dasselbe Tier auf feindliche Reiterei traf, brachen die Pferde, die den Geruch des Elefanten nicht ertragen konnten, oft ihre Reihen, und so setzten im Indien des 16. bis 18. Jahrhunderts die mogulischen Kaiser Akbar (r. 1556-1605) und Aurangzeb (r. 1658-1707) ihre Elefantenkorps als eine Achse jeder grossen Schlacht. In den Feldern der Khmer, Siamesen und Birmanen in Suedostasien war derselbe Elefant zugleich ein Sitz des koeniglichen Hauses, und an dem siamesisch-birmanischen Zusammentreffen von 1593 sollen die beiden Erben, Naresuan von Siam und Mingyi Swa von Birma, jeder auf seinem gepanzerten Elefanten einen Zweikampf gefochten haben, eine Begebenheit, die in den Aufzeichnungen beider Koenigreiche festgehalten ist.
Schwäche
Die Schwaeche der Elefantenruestung wuchs vor allem aus dem lebenden Sinn des Tieres, das sie trug. War eine schwere Garnitur aus Kettenpanzer und Platten auf dem Ruecken und eine Maske auf dem Kopf gesetzt, so wurde, als die Deckung gegen frontale Pfeile fester wurde, die Hitzevertraeglichkeit und die Ausdauer desselben Elefanten stark geschwaecht, und die Last auf einem Tier erreichte mehrere hundert Kilogramm. Ferner war der Elefant vor dem Laerm und dem Feuer der Feuerwaffen sehr schwach, und als sich vom 16. Jahrhundert an Pulver und Luntenschloss-Muskete verbreiteten, kam es oft vor, dass ein gepanzerter Elefant, durch ein lautes Geraeusch erschreckt, sich gegen die eigene Linie wandte und zurueckstuermte. Die Erste Schlacht bei Panipat von 1526, in der Babur das Elefantenkorps des Sultans der Lodi mit einer kleinen Zahl von Luntenmusketen und Kanonen zerstreute, steht als der stellvertretende Ort. Von Anfang an kostete eine Garnitur Elefantenruestung so viel wie der ganze jaehrliche Kriegshaushalt eines Stadtherrn, und als das Zeitalter der Feuerkraft hereinbrach und neue Waffen denselben Platz fuer denselben Preis fuellten, zog sich die Elefantenruestung langsam vom Feld zurueck und ging in den Sitz der Zeremonie ueber.
Kulturelle Bedeutung
Die Elefantenruestung ist die groesste einzelne Garnitur Ruestung, die die Hand des Menschen je dem Leib eines Tieres angelegt hat, und war an sich ein grosses Sinnbild, das die Wuerde der alten koeniglichen Haeuser rings um den Indischen Ozean an einem Ort versammelte. Die Akbarnama, die grosse Chronik des Mogulkaisers Akbar, haelt fest, dass ein einziger Elefant in Ruestung dem ganzen jaehrlichen Kriegshaushalt einer Stadt gleichkam, und in den illuminierten Handschriften desselben Zeitalters in Indien und Persien erscheint an vielen Stellen ein gepanzerter grosser Elefant, der den Kaiser und den Prinzen auf seinem Ruecken traegt und die feindliche Linie zertritt. Vor allem ist die Garnitur einer nordindischen Elefantenruestung des 17. Jahrhunderts, die in den Royal Armouries in Leeds, England, bewahrt wird, gewebt aus etwa 5.840 kleinen Kettengliedern und Platten, eine der groessten Tierruestungen der Welt, die einen ganzen Saal des Museums einnimmt und dem Betrachter ihre Wucht auf einen Blick zeigt. Auch das Jaipur City Palace Museum und das Junagarh Fort in Bikaner in Indien sowie das Nationalmuseum in Neu-Delhi bewahren viele Elefantenruestungen desselben Zeitalters und tragen ihr Handwerk bis heute weiter.
In der Popkultur
Die Elefantenruestung erscheint als grosses visuelles Sinnbild in den Historiendramen, Filmen und Spielen Indiens und Suedostasiens. Die indischen Filme Jodhaa Akbar (2008) und Bajirao Mastani (2015) zeigen in dichtem Detail, wie der gepanzerte Elefant in die Linie der grossen Felder der Mogul und der Maratha schlug, und das BBC-Historiendrama Empire (2012) gab in seinem Mogul-Kapitel eine Garnitur Elefantenruestung treu wieder, modelliert nach dem wirklichen Stueck in den Royal Armouries. Die Strategiespiele Total War: Rome II und Civilization VI setzen gepanzerte Elefanteneinheiten als Truppen Indiens und Karthagos, und dieselbe Gestalt erscheint im indischen Feldzug von Age of Empires II. Filme zeichnen jedoch oft die Elefantenruestung, als waere sie schon im Zeitalter Alexanders gebraucht worden, und truebten so oft die Wahrheit, dass die grosse Garnitur Kettenpanzer- und Plattenelefantenruestung erst im Indien des 16. bis 18. Jahrhunderts Fuss fasste.
Trivia
- Das Royal Armouries Museum in Leeds, England, bewahrt eine einzige Garnitur Elefantenruestung, gemacht im Indien des 17. Jahrhunderts, gewebt aus etwa 5.840 kleinen Kettengliedern und Platten, eine der groessten Tierruestungen der Welt, die einen ganzen Saal einnimmt und den Betrachter ueberwaeltigt.
- In der Ersten Schlacht bei Panipat von 1526, in der Babur, der Gruender des Mogulreiches, das gepanzerte Elefantenkorps des Sultans der Lodi mit einer kleinen Zahl von Luntenmusketen und Kanonen zerstreute, wird der Fall oft genannt, um in einem einzigen Schlag zu zeigen, wie schwach die Elefantenruestung vor dem Laerm und dem Feuer der Feuerwaffen war.
- An dem Zusammentreffen Siams (Ayutthaya) und Birmas (Toungoo) von 1593 sollen die beiden Erben der beiden Koenigreiche, Naresuan von Siam und Mingyi Swa von Birma, jeder auf seinem gepanzerten Elefanten einen Zweikampf gefochten haben, eine Begebenheit, die in den Aufzeichnungen beider Koenigreiche festgehalten ist und zeigt, dass in Suedostasien der gepanzerte Elefant der Sitz des koeniglichen Hauses selbst war.