LoreArc
chainmail
1 / 1
Kettenpanzer Alle ansehen

Kettenpanzer

Flexibler Panzer aus verflochtenen Metallringen

Der Kettenpanzer, heute gemeinhin Kettenhemd genannt, ist eine biegsame Ruestung aus zehntausenden kleiner Metallringe, die einzeln ineinander gefuegt sind. Das gewoehnlichste Muster ist das Vier-in-eins, bei dem jeder Ring durch vier andere greift; gute Ware durchstach die offenen Enden jedes Rings und vernietete sie, waehrend billigere Arbeit die Enden bloss aneinanderstiess. Man nimmt an, dass ihn die Kelten um das 4. Jahrhundert v. Chr. zuerst fertigten, und das Roemische Reich uebernahm ihn als Lorica hamata und verbreitete ihn ueber den Mittelmeerraum und Europa. Mit etwa 10 bis 15 kg war er leichter als der Plattenpanzer, und biegsam wie ein Netz behinderte er die Bewegungen des Koerpers kaum. Gegen Hiebe und schneidende Klingen war er hoechst wirksam, doch gegen eine schmale stechende Spitze und gegen den Stoss einer stumpfen Waffe verhaeltnismaessig schwach. Darum war es ueblich, ihn ueber einem gepolsterten Gewand (dem Gambeson) zu tragen, sodass beide den Stoss gemeinsam aufnahmen.

Ursprung

Man nimmt an, dass der Kettenpanzer von den Kelten der La-Tene-Kultur um das 4. Jahrhundert v. Chr. zuerst gefertigt wurde, doch woher der Gedanke kam, ist nicht klar. Rom sah den Wert dieser Ruestung und uebernahm sie in den Legionen weithin unter dem Namen Lorica hamata (geringelte Ruestung) und verbreitete den Kettenpanzer ueber den Mittelmeerraum und Europa. Er ueberdauerte den Untergang Roms und wurde das ganze Mittelalter hindurch als Standardruestung des Ritters und Kriegers ueber tausend Jahre getragen. Der Name 'Chainmail' ist eine spaetere Praegung; in der Geschichte hiess diese Ruestung schlicht 'Mail'.

Merkmale

  • Netzartiger Aufbau aus zehntausenden verbundener Metallringe
  • Am festesten, wenn jeder Ring durchstochen und vernietet ist
  • Gewoehnliches Vier-in-eins-Muster, jeder Ring durch vier andere
  • Etwa 10 bis 15 kg, leichter als der Plattenpanzer
  • Biegsam wie ein Netz, kaum die Bewegung behindernd
  • Hervorragender Schutz gegen schneidende Hiebe

Geschichten

Der Kettenpanzer war die Standardruestung des mittelalterlichen Kriegers, ueber einem gepolsterten Gewand (dem Gambeson) in die Schlacht getragen. Die lange, bis zu den Knien reichende Form (der Haubert) hatte Aermel und deckte Rumpf und Arme, waehrend eine Kettenkapuze (die Coif) ueber dem Kopf und Kettenbeinlinge an den Beinen den ganzen Koerper in ein Netz huellten. Dank seiner netzartigen Biegsamkeit wehrte er schneidende und hauende Klingen sehr gut ab und liess doch die Glieder frei sich bewegen. Doch Kettengeflecht allein konnte den Stoss einer stumpfen Waffe nicht aufhalten, daher war es Regel, stets ein gepolstertes Gewand darunter zu tragen, um den Stoss aufzunehmen.

Schwäche

Die Schwaechen des Kettenpanzers sind der Stich und der Stoss einer stumpfen Waffe. Das Netz gewobener Ringe wehrt eine schneidende Schneide gut ab, doch eine schmale Spitze oder ein Pfeil von einem starken Bogen oder einer Armbrust konnte sich zwischen die Ringe zwaengen oder sie sprengen und hindurchtreiben. Auch kann Kettengeflecht den Stoss nicht verteilen, sodass ein stumpfer Schlag die Ringe heil lassen und doch seinen vollen Stoss an den Koerper geben und Knochen brechen konnte. Darum musste er stets mit einem gepolsterten Gewand getragen werden, und als spaeter schmale Stichwaffen und Schlagwaffen aufkamen, wich der Kettenpanzer dem haerteren Plattenpanzer.

Kulturelle Bedeutung

Der Kettenpanzer ist eine der langlebigsten aller Ruestungen und schuetzte die Koerper europaeischer Krieger ueber tausend Jahre von der Antike ins Mittelalter. Wie bei den normannischen Rittern auf dem Teppich von Bayeux wurde der in Ketten gehuellte Krieger zum klassischen Bild des mittelalterlichen Ritters. Es war eine kostspielige Ruestung, die gewaltige Arbeit erforderte, zehntausende Ringe zu verbinden und jeden zu vernieten, doch ihre Biegsamkeit und ihr Schutz gegen Hiebe waren schwer zu uebertreffen. Selbst nachdem der Plattenpanzer um das 15. Jahrhundert die Hauptrolle uebernahm, fuellte der Kettenpanzer weiter die Luecken, die die Platte nicht decken konnte, etwa Achseln und Hals, und im Osten, in Indien und Persien, blieb er weit laenger im aktiven Dienst.

In der Popkultur

Der Kettenpanzer erscheint als die Grundruestung von Rittern und Soldaten in beinahe jedem Film, Drama und Spiel ueber das Mittelalter. In Werken ueber die Kreuzzuege oder die normannische Eroberung wird oft der lange Haubert mit Kapuze gezeichnet, und in Spielen hat er sich als Ruestung mittlerer Stufe zwischen Leder und Platte eingebuergert. In der Fiktion wird er jedoch meist mit dem spaeteren Namen 'Chainmail' genannt, und seine wirklichen Grenzen, die Schwaeche gegen stumpfen Stoss und der Umstand, dass er stets mit einem gepolsterten Gewand getragen werden musste, werden oft nicht deutlich.

Trivia

  • Der heute gebraeuchliche Begriff 'Chain Mail' ist eine spaetere Praegung; in der Geschichte hiess diese Ruestung schlicht 'Mail'.
  • Der Kettenpanzer wurde, wie man annimmt, von den Kelten um das 4. Jahrhundert v. Chr. gefertigt, und nachdem Rom ihn als Lorica hamata uebernahm und ueber Europa verbreitete, wurde er ueber tausend Jahre getragen.
  • Kettengeflecht ist stark gegen Hiebe, kann aber stumpfen Stoss nicht aufhalten, sodass selbst bei heilen Ringen der Stoss an den Koerper ging, weshalb es stets ueber einem gepolsterten Gewand getragen werden musste.