
Dugeonggap
Koreanische Stoffrüstung mit eingelassenen Metallplatten
Der Dujeong-gap ('Kopf-Nagel-Ruestung') ist die oestliche Brigandine, eine der eigentuemlichsten Gestalten der Militaerruestung der Joseon-Dynastie Koreas, gemacht, indem kleine Eisenplatten dicht zwischen zwei Schichten Tuch gelegt und von aussen mit Messingnieten festgeschlagen wurden. Von aussen gesehen, auf einer Flaeche aus blauem oder rotem Tuch, stehen die runden Koepfe der Messingnieten in geraden Reihen, die ein deutliches Muster aus Punkten bilden, und daher nahm die Ruestung ihren Namen, Kopf-Nagel-Ruestung. Innen ist eine Eisenplatte von der Groesse einer Handflaeche an jedem Niet befestigt, und so bleibt, auch wenn ein Niet an einer Stelle locker wird, die Platte an einer anderen am Leben, und das Ganze bildet ein weiches und doch zaehes Geflecht. Aeusserlich ist sie der westlichen Brigandine sehr aehnlich, aber ihre Mutterlinie liegt naeher an der Baumwollruestung (mian-jia) der mongolischen und der Ming-Qing-Zeit Chinas, und so wird sie als Frucht eines eigenen Wachstums der ostasiatischen Linie der genieteten Ruestung gesehen. Vom spaeten 16. Jahrhundert an, nachdem der Imjin-Krieg (1592-1598) das Heer von Joseon erschuettert hatte, nahm sie als Standard ihren Platz ein, und bis zum spaeten 19. Jahrhundert wurde sie vom Fussvolk, von der Reiterei und der koeniglichen Wache getragen.
Ursprung
Die Mutter des Dujeong-gap liegt in der Linie der genieteten Ruestung, welche die Mongolen seit dem 13. Jahrhundert ueber ganz Ostasien verbreiteten. Unter dem mongolischen Yuan und der nachfolgenden Ming wurde eine Baumwollruestung (mian-jia) mit zwischen zwei Tuchlagen vernieteten Eisenplatten zum Zeichen von Fussvolk und Reiter gleichermassen, und dieselbe Linie wuchs in der Qing-Zeit in den Acht Bannern noch praechtiger und wurde ihr bekanntestes Antlitz. Joseon war mit dieser ostasiatischen Linie von frueh an in Beruehrung, doch der grosse Anlass, der den Dujeong-gap zum Standard des Heeres erhob, war der Schock des Imjin-Krieges (1592-1598). Nach jenem Krieg, als Joseon seine verlorene Staerke neu webte, ging es von der schweren und arbeitsaufwendigen Lamellenruestung (chal-gap) zum Dujeong-gap ueber, und vom spaeten 17. Jahrhundert an wurden die Zentraltruppen wie das Hullyeon Dogam und das Eoyeong-cheong als Maenner im Dujeong-gap festgelegt. Vom 18. bis zum 19. Jahrhundert wurden, gegen die Feuerwaffen, die Eisenplatten dicker gelegt oder verdoppelt, und die Ruestung immer wieder verbessert.
Merkmale
- Bau aus kleinen Eisenplatten, zwischen zwei Tuchlagen mit Messingnieten vernietet
- Klares Punktmuster auf der Aussenflaeche durch die Koepfe der Messingnieten
- Ein zaehes Gewebe, in dem der Verlust einer Platte die anderen am Leben laesst
- Leichter zu machen als die Lamellenruestung und so fuer die Massenfertigung geeignet
- Etwa zehn bis fuenfzehn Kilogramm Gewicht, ein Ausgleich von Beweglichkeit und Verteidigung
- Verschiedene Farben nach Stand: rot fuer die koenigliche Wache, blau oder schwarz fuer die gemeine Truppe
Geschichten
Der Dujeong-gap war die kernhafte Ruestung des Militaersystems des spaeten Joseon, getragen vom Fussvolk, von der Reiterei und von der koeniglichen Wache an der Seite des Koenigs. Der Fussmann zog die Heerestracht, die Hoeui, unter dem Dujeong-gap an, schloss die Ruestung dann darueber, setzte auf den Kopf einen Helm oder den breitkrempigen Jeollip, und so war ein voller Aufzug vollendet. Der Reiter brachte denselben Dujeong-gap in eine leichtere Form, indem er nur Schulter, Brust und Ruecken deckte, und hielt so die Bewegung des Sattels lebendig. Als Joseon nach dem Imjin-Krieg sich durch das Zeitalter der Feuerwaffen arbeitete, stand der Dujeong-gap in gutem Ruf, denn er konnte nicht nur Pfeile und Schwerthiebe abwehren, sondern auch, in einer gewissen Entfernung, den Schuss der Luntenschloss-Muskete zur Seite ablenken, und die Ruestungen der Qing und Japans desselben Zeitalters folgten einer aehnlichen Bahn. Als im 19. Jahrhundert die neuen westlichen Heere kamen, trat der Dujeong-gap leise zurueck, blieb aber bis fast zur Gabo-Reform von 1894 ein Zeichen des Heeres von Joseon.
Schwäche
Die groesste Schwaeche des Dujeong-gap wuchs aus seinem eigentlichen Bau aus kleinen, als Punkte gesetzten Eisenplatten. Da jede Platte klein war, lag dort, wo nur das Tuch zwischen ihnen blieb, die Deckung gegen einen starken Stich oder Hieb duenn, und eine gerade gefuehrte Lanze oder ein Schwert, das aus der Naehe gestossen wurde, durchstiess oft das Tuch und drang bis zur Wattierung und zum Fleisch im Inneren. Gegen die aeusseren Feuerwaffen, besonders das neue Gewehr des 19. Jahrhunderts mit seinem schnelleren Schloss und seiner staerkeren Kugel, machten das Tuch und die vernieteten Platten keine ausreichende Wand mehr. Gegen einen Plattenharnisch desselben Gewichts war seine Flaeche an jedem Punkt duenn, und seine Kraft, einen schweren Stoss an einer Stelle aufzunehmen, war gering. Vor allem trug sich das Tuch an den Stellen der Niete langsam ab, und ein lange getragener Dujeong-gap verlor oft die inneren Platten, wenn die Niete locker wurden. So war der Dujeong-gap eine Ruestung, die regelmaessige Pflege verlangte, mit frisch eingeschlagenen Nieten und neu eingesetztem Tuch.
Kulturelle Bedeutung
Der Dujeong-gap ist das klarste visuelle Sinnbild des Militaersystems, das Joseon nach der Bitterkeit des Imjin-Krieges neu webte, und steht als ein Zweig des ostasiatischen Hauses der genieteten Ruestung. Waehrend die Baumwollruestung der Acht Banner der Qing auf derselben Linie ueppiger wuchs, hielt der Dujeong-gap von Joseon ein einfacheres und besser ausgewogenes Geflecht, und so wurde er zu einem Erbstueck, das die militaerische Aesthetik von Joseon zeigt, wie sie war. In den amtlichen Niederschriften der Regierungszeit des Koenigs Jeongjo (1776-1800), im Hwaseong Seongyeok Uigwe und im Muye Dobo Tongji, sind Maenner im Dujeong-gap klar gezeichnet, und im Nationalmuseum von Korea, im Kriegsgedenkmuseum von Korea und im Nationalmuseum des Palastes von Korea werden viele echte Dujeong-gap des 17. bis 19. Jahrhunderts bewahrt. Dasselbe Punktmuster aus Nieten wurde zum vertrautesten Antlitz des Joseon-Soldaten in den koreanischen Historiendramen und an den Schaufensterpuppen der Museen, und nahm seinen Platz als das visuelle Zeichen ein, das Joseon-Heer auf einen Blick aufruft.
In der Popkultur
Der Dujeong-gap erscheint ohne Ausnahme in fast jedem koreanischen Historiendrama, Film und Spiel ueber das spaete Joseon. Die Ruestung der Joseon-Maenner im Film The Fortress (Namhansanseong, 2017), die des Joseon-Offiziers in War of the Arrows (2011) und die der Joseon-Flotte unter Yi Sun-sin in The Admiral: Roaring Currents (Myeongnyang, 2014) ist derselbe Dujeong-gap. In Historiendramen wie Dae Jang Geum, Hur Jun, Chuno und dem juengsten Kingdom, in denen eine Szene des Joseon-Heeres vorkommt, fehlt der Dujeong-gap kaum je, und sein Punktmuster ist zum Zeichen geworden, an dem der Zuschauer das Joseon-Heer auf einen Blick erkennt. In chinesischen und japanischen Historiendramen und Spielen, welche die Baumwollruestung der Ming-Qing derselben ostasiatischen Linie zeichnen, erscheint eine aehnliche genietete Ruestung, und die Naehe von Dujeong-gap und Baumwollruestung wird am selben Platz sichtbar.
Trivia
- Der Name Dujeong-gap kam mehr von den Koepfen der Messingnieten, die aussen eingeschlagen waren, als von der Ruestung selbst. Er heisst schlicht 'Ruestung der Kopf-Nagel', und so wird dieselbe Ruestung auch die 'genagelte Ruestung' genannt.
- Der Joseon-Dujeong-gap wird oft mit der westlichen Brigandine verglichen, doch seine Mutter liegt naeher an der Linie der genieteten Ruestung, welche die Mongolen seit dem 13. Jahrhundert ueber Ostasien verbreiteten, und so wird er als Frucht zweier eigener Wege gesehen, die zum gleichen Gewebe gelangten.
- Der Dujeong-gap hatte die Schwaeche, dass das Tuch an den Stellen der Niete sich langsam abtrug und die inneren Platten locker wurden, sodass er eine Ruestung war, die regelmaessige Pflege verlangte, mit frisch eingeschlagenen Nieten und neu eingesetztem Tuch.