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Brigantine

Rüstung mit Eisenplatten zwischen Stofflagen

Eine Brigantine ist eine Ruestung, die kleine Stahlplatten zwischen zwei Lagen Tuch oder Leder legt und mit Nieten befestigt. Die Platten liegen verborgen im Inneren, und nur die Koepfe der Nieten, die sie halten, zeigen sich aussen in regelmaessigen Reihen, was das auffaelligste aeussere Merkmal der Brigantine ist. Eine Weiterentwicklung des Plattenrocks des 13. Jahrhunderts, gebrauchte sie kleinere und zahlreichere Platten, um Schutz und Tragekomfort zugleich zu heben, und ihre reife Form bildete sich im 14. Jahrhundert heraus. Weit billiger und biegsamer als der volle Plattenpanzer, war sie im Europa des 14. bis 16. Jahrhunderts bei vielen Truppengattungen beliebt, bei Fussvolk, niederrangigen Rittern und Schuetzen gleichermassen. Groesse und Anordnung der Platten liessen das Gleichgewicht von Schutz und Biegsamkeit einstellen, und der aeussere Stoff konnte in feinem Tuch wie Samt ausgefuehrt werden zur Zierde. Auch in Ostasien entwickelte sich unabhaengig eine Ruestung desselben Prinzips, mit innen ins Tuch genieteten Eisenplatten.

Ursprung

Die Brigantine gilt als Weiterentwicklung des im Europa des 13. Jahrhunderts gebrauchten Plattenrocks. Der Plattenrock war eine fruehe Form, die einige grosse Eisenplatten mit Nieten innen an einem Tuchgewand befestigte; mit der Zeit wurden die Platten kleiner und zahlreicher, verfeinert zur biegsameren Brigantine, deren Form sich im 14. Jahrhundert festigte. Der Name 'Brigantine' leitet sich von 'Brigant' her, der damals einen leicht bewaffneten Fusssoldaten meinte und nicht einen Raeuber. In Ostasien entwickelte sich gesondert eine Ruestung desselben Prinzips, etwa die stoffbespannte Ruestung (Bumianjia) des China der Ming und Qing, sodass zwei ferne Zivilisationen zu einer aehnlichen Antwort kamen.

Merkmale

  • Stahlplatten zwischen zwei Lagen Tuch oder Leder genietet
  • Regelmaessige Reihen von Nietkoepfen als auffaelliges Aussehen
  • Billiger und biegsamer als der Plattenpanzer
  • Eine aus dem Plattenrock entwickelte verbesserte Form
  • Schutz und Biegsamkeit durch Groesse und Anordnung der Platten
  • Aeussere Flaeche in feinem Tuch wie Samt ausfuehrbar

Geschichten

Die Brigantine war eine Hauptruestung des Fussvolks und niederrangiger Ritter, ueber einem gepolsterten Gewand (dem Gambeson) oder Kettengeflecht getragen, um den Rumpf zu schuetzen. Die innen dicht genieteten kleinen Platten wehrten Hiebe und ein gewisses Mass an Stichen ab, waehrend ihre Teilung in kleine Stuecke den Koerper sich verhaeltnismaessig frei beugen und drehen liess. Fuer einen Soldaten, der sich keinen vollen Plattenharnisch leisten konnte, war sie ein billiger und doch verlaesslicher Rumpfschutz, waehrend der Wohlhabende eine praechtige, mit Samt bespannte und mit vergoldeten Nieten beschlagene Brigantine tragen mochte, um seinen Stand zu zeigen. So wurde eine Ruestung derselben Art von allen getragen, vom gemeinen Soldaten bis zum Adligen.

Schwäche

Die Schwaeche der Brigantine ist die Grenze ihres Schutzes verglichen mit einem vollen Plattenharnisch. Weil die inneren Platten in kleine Stuecke geteilt sind, mit Luecken und Nietloechern dazwischen, hielt sie einem beharrlichen Stich von einer ahlenartigen Spitze oder einem starken Bogen oder einer Armbrust nicht so gut stand wie glatte, durchgehende Platte. Brachen die Nieten, die eine Platte hielten, so konnte diese Platte verrutschen und den Schutz schwaechen. Und wie Kettengeflecht konnten Tuch und Platten allein den Stoss einer stumpfen Waffe nicht ganz aufhalten, daher war es ueblich, sie mit einem gepolsterten Gewand zu tragen. Doch dies ist nur eine Grenze gegenueber der feinsten Platte; wiegt man Kosten und Biegsamkeit zusammen, war sie eine vortreffliche Ruestung.

Kulturelle Bedeutung

Die Brigantine ist eine Ruestung, die auf den Schlachtfeldern des spaeten Mittelalters und der Renaissance um ihrer Zweckmaessigkeit willen geliebt wurde. War die praechtige weisse Platte das Sinnbild des Ritters, so war die Brigantine die wirklichkeitsnahe Wahl der vielen Soldaten, die diese Kosten nicht tragen konnten. Dank ihres Aufbaus, Platten unter einem aeusseren Tuch zu verbergen, umspannte dasselbe Prinzip eine weite Spanne von Staenden, von der groben Leinwand-Brigantine eines gemeinen Soldaten bis zur Samt- und Goldnieten-Brigantine eines Adligen. Bemerkenswert ist, dass sich eine Ruestung derselben Idee unabhaengig in Ostasien entwickelte, etwa die stoffbespannte Ruestung des China der Ming und Qing, was zeigt, dass das Verbergen von Metallplatten im Tuch eine getrennt von Ost und West erreichte allgemeine Loesung war.

In der Popkultur

Die Brigantine erscheint haeufig als Ruestung von Soldaten und Soeldnern in Filmen, Dramen und Spielen ueber das spaete Mittelalter und die Renaissance. Die regelmaessigen Reihen von Nieten auf ihrer Oberflaeche sind augenfaellig, daher wird sie mit einem Aussehen gezeichnet, das sie vom Plattenpanzer abhebt, und in Spielen dient sie oft als Ruestung mittlerer Stufe zwischen Kettengeflecht und Platte. In der Fiktion wird die Brigantine jedoch bisweilen als blosse Leder- oder Tuchruestung dargestellt, wobei die wesentliche Tatsache uebersehen wird, dass Platten im Inneren liegen, oder sie wird nicht von der ostasiatischen stoffbespannten Ruestung unterschieden.

Trivia

  • Der Name 'Brigantine' leitet sich von 'Brigant' her, der damals einen leicht bewaffneten Fusssoldaten meinte; den Sinn von 'Raeuber' nahm das Wort erst spaeter an.
  • Die Brigantine entwickelte sich aus dem Plattenrock, der grosse Eisenplatten gebrauchte, zu einer verbesserten Form, die mit kleineren, dichteren Platten Schutz und Biegsamkeit zugleich hob.
  • Das Verbergen von Metallplatten im Tuch durch Nieten war eine getrennt von Ost und West erreichte Loesung, wobei die stoffbespannte Ruestung (Bumianjia) des China der Ming und Qing ihre ostasiatische Fassung ist.