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Baum der Erkenntnis

Tree of Knowledge · Der verbotene Baum in der Mitte Edens

Einer der beiden heiligen Baeume in der Mitte des Gartens Eden in Genesis 2,9, genannt der Baum der Erkenntnis von Gut und Boese. Gott gebot Adam: "Von der Frucht dieses Baumes sollst du nicht essen, denn am Tag, an dem du davon issest, wirst du gewiss sterben," Genesis 2,17. Doch die Schlange verfuehrte Eva, die ass und Adam gab, und sogleich gingen ihre Augen auf und sie erkannten ihre Nacktheit und nahten Feigenblaetter zur Bedeckung, Genesis 3,1-7. Das Bild eines Apfels stammt aus dem lateinischen Wortspiel von malum, Boeses, und malum, Apfel.

Ursprung

Das hebraeische Genesis 2,9 nennt in der Mitte Edens zwei Baeume: den Baum des Lebens (etz ha-hayyim) und den Baum der Erkenntnis von Gut und Boese (etz ha-da at tov va-ra). In 2,17 verbietet Gott Adam, von letzterem zu essen. In 3,1-7 verfuehrt die Schlange Eva mit den Worten: "An dem Tag, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgehen, und ihr werdet sein wie Gott und Gutes und Boeses erkennen," und sie nimmt eine Frucht, die "gut zum Essen, eine Lust fuer die Augen und begehrenswert, klug zu machen" ist, und gibt auch ihrem Mann. Die Augen beider werden geoeffnet, sie erkennen ihre Nacktheit und nahen Feigenblaetter. In 3,22-24 spricht Gott: "Nun wird er, womoeglich, seine Hand ausstrecken und auch vom Baum des Lebens nehmen und ewig leben," und treibt das Paar aus Eden, stellt Cherubim und das flammende Schwert vor den Weg zum Baum des Lebens. Das Bild des Apfels setzt sich mit der lateinischen Vulgata des 4. Jahrhunderts durch, in der malum sowohl Boeses als auch Apfel heisst, und prsgt das ganze Mittelalter.

Merkmale

  • Hebraeisch etz ha-da at tov va-ra, Baum der Erkenntnis von Gut und Boese
  • Einer von nur zwei heiligen Baeumen in der Mitte Edens, neben dem Baum des Lebens
  • Die Frucht oeffnet die Augen fuer die Erkenntnis von Gut und Boese
  • Der biblische Text nennt die Art des Baumes nicht
  • Das Bild des Apfels setzt sich im 4. Jahrhundert durch das lateinische Wortspiel auf malum durch

Geschichten

In juedischer und christlicher Theologie ist der Baum der Erkenntnis der Ausgangspunkt der Erbsuende und die Probe des menschlichen freien Willens. Augustinus Bekenntnisse Buch 2 um 397 bis 400 schreibt: "Erst weil Gott es verboten hatte, wurde das Tun zur Suende," und verknuepft Gesetz und Suende. Thomas von Aquin Summa Theologiae Erster Teil Frage 102 von 1265 bis 1274 erwaegt, ob der Baum ein wirklicher Baum oder eine Figur war, und schliesst, beide Lesarten seien rechtmaessig. Mit der Vulgata, von Hieronymus 405 vollendet, wird das Bild des Apfels durch das Wortspiel auf malum festgesetzt. Auf der Sistinischen Decke Michelangelos zeigt der Suendenfall von 1509 bis 1512 einen Feigenbaum. Martin Luthers Genesis-Vorlesungen von 1535 lesen das Ereignis als Hochmut, sein zu wollen wie Gott. Das kabbalistische Sefer ha-Zohar des 13. Jahrhunderts liest den Baum als Bild der Trennung der Sefirot.

Schwäche

Im Kern des Baumes der Erkenntnis steht das Paradox, dass das, was er weiss, vor dem Essen nicht zu wissen ist. Eva isst, weil die Schlange ihr Weisheit verheisst, doch die Weisheit ist die der eigenen Nacktheit und Scham und enthuellt sich erst nach der Tat. Der Akt schneidet die Menschheit zugleich vom ewigen Leben ab. In Genesis 3,22-24 spricht Gott: "Lass ihn nicht auch vom Baum des Lebens nehmen und ewig leben," und treibt das Paar aus Eden, stellt Cherubim und das flammende Schwert vor den Weg. Der Preis der Erkenntnis war der Verlust des Baumes des Lebens. Weil der Text die Art nicht nennt, lasen spaetere Traditionen die Frucht verschieden als Apfel, Feige, Weintraube, Granatapfel oder Weizen.

Kulturelle Bedeutung

Michelangelos Suendenfall und Vertreibung auf der Sistinischen Decke von 1509 bis 1512 malt einen Feigenbaum, waehrend Albrecht Duerer Adam und Eva von 1504 und Lucas Cranach der Aeltere Adam und Eva von 1526 den Apfel zeigen. Der englische Dichter John Milton Paradise Lost von 1667 laesst in Buch 9 Zeile 781 Eva "mit eiliger Hand" die Frucht nehmen und gestaltet den Fall zum Grundbild des menschlichen freien Willens. Die Wendung der King-James-Bibel von 1611 in Genesis 3,6, "good for food, pleasant to the eyes, and a tree to be desired to make one wise," wurde zu einem der am meisten zitierten Saetze der englischen Literatur. Der englische Adam apple, der Adamsapfel, geht auf eine mittelalterliche Sage zurueck, ein Stueck des Apfels sei in Adams Kehle stecken geblieben. In der koreanischen katholischen Schoepfungs-Ikonographie loest sich das Apfelmotiv vom 17. Jahrhundert an als Standard durch.

In der Popkultur

Genesis 2,9 zum Baum der Erkenntnis von Gut und Boese, um 13. Jahrhundert v. Chr.Genesis 2,17 zum Verbot zu essen, um 13. Jahrhundert v. Chr.Genesis 3,1-7 zur Schlange und zum Fall, um 13. Jahrhundert v. Chr.Genesis 3,22-24 zur Vertreibung aus Eden, um 13. Jahrhundert v. Chr.Augustinus Bekenntnisse Buch 2 zur Theologie des Baumes, 397-400Lateinische Vulgata von Hieronymus mit dem Wortspiel malum, vollendet 405Thomas von Aquin Summa Theologiae Erster Teil Frage 102, 1265-1274Michelangelo Suendenfall auf der Sistinischen Decke, 1509-1512Albrecht Duerer Adam und Eva, Kupferstich, 1504John Milton Paradise Lost, 1667