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Olive

Olive · Der Zweig der Taube Noahs, das Geschenk Athenas, das Zeichen des Friedens

Der immergruene Laubbaum, der die Mittelmeerzivilisation trug. In Genesis 8,11 kehrt die Taube aus der Arche Noah mit einem frischen Olivenblatt zurueck, und so wurde die Olive Sinnbild des Friedens. In der griechischen Sage gewann Athena die Schirmherrschaft Athens, als sie der Stadt im Wettstreit mit Poseidon den Olivenbaum schenkte (Pausanias Beschreibung Griechenlands 1,24,5). Und der Ort, an dem Jesus vor seiner Verhaftung betete, war Gethsemane, aramaeisch gat shemane, die Olivenpresse (Matthaeus 26,36).

Ursprung

Das hebraeische zayit, Olive, kommt im Alten Testament achtunddreissigmal vor. In Genesis 8,11 bringt die aus der Arche Noahs ausgesandte Taube ein Olivenblatt im Schnabel zurueck, und Noah erkennt, dass das Wasser sich verlaufen hat. Deuteronomium 8,8 nennt Kanaan ein Land des Olivenoels, und Psalm 92,8 singt, ich bin wie ein gruener Olivenbaum im Hause Gottes. In der griechischen Sage erzaehlen Apollodor Bibliotheke 3,14 und Pausanias Beschreibung Griechenlands 1,24,5 den Wettstreit um Athen: Poseidon schlug mit dem Dreizack auf den Felsen und liess eine Salzquelle entspringen, Athena aber liess einen Olivenbaum wachsen und versprach Speise, Oel, Licht und Heilkraft. Die Buerger waehlten Athenas Gabe, und der heilige Oelbaum wuchs am Erechtheion auf der Akropolis. Auch die Passion Christi ist an die Olive gebunden: Matthaeus 26,36 und Markus 14,32 sagen, dass Jesus vor seiner Verhaftung nach Gethsemane ging, aramaeisch gat shemane, die Olivenpresse.

Merkmale

  • Immergruener Kleinbaum der Oleaceae, Olea europaea
  • Schmale silbergraue Blaetter, kleine weisse Blueten und im Herbst dunkelviolette Steinfruechte, die Olive
  • Lebt mehr als tausend Jahre; aus dem Stumpf treiben immer wieder neue Schoesslinge
  • Das nie welkende Blatt gab das Sinnbild des unwandelbaren Friedens und des ewigen Lebens
  • Fast jede Mittelmeerzivilisation nahm die Olive als Massstab der Kultur (Plinius Naturalis Historia Buch 15,1)

Geschichten

In der antiken Mittelmeerwelt diente das Olivenoel als Speise, Lampenoel, Heilmittel, Seife und Salboel. Exodus 27,20 gebietet, fuer das Licht des Heiligtums gestossenes Olivenoel zu verwenden, und in 1 Samuel 16,13 salbt Samuel David mit Olivenoel zum Koenig. In Griechenland wurde der Olympiasieger mit dem Kotinos gekroent, einem Kranz aus Zweigen der heiligen Olive der Akropolis; Pindar Olympische Oden des 5. Jahrhunderts v. Chr. besingen den Brauch. In Rom behandelt Cato De Agri Cultura des 2. Jahrhunderts v. Chr. die Pflege der Olivenpflanzung, und Columella De Re Rustica des 1. Jahrhunderts schreibt, die Olive will Mutterhand. In der christlichen Kirche fuehrte die Salboelweihe an Gruendonnerstag in Jerusalem ab dem 4. Jahrhundert zur heutigen Chrisammesse der lateinischen und der Ostkirchen. Der Koran in Sure 24,35, der Licht-Sure, singt, Gott Licht leuchtet aus dem Oel eines gesegneten Oelbaumes, weder von Osten noch von Westen.

Schwäche

Die Olive braucht sieben bis fuenfzehn Jahre bis zur ersten Frucht, und die volle Ernte kommt erst nach dreissig Jahren. Columella schrieb: die Olive pflanzt man nicht fuer ein Geschlecht. Sie traegt zudem genetisch alternierend, sodass auf ein reiches Jahr ein duerftiges folgt. Sie vertraegt keinen strengen Frost; die Knospen sterben unter zehn Grad minus. Wie Homer Odyssee 23 Odysseus Penelope offenbaren laesst, dass er ihr Bett aus dem lebenden Olivenstumpf als Pfeiler erbaut hat, ist der unverrueckte Stamm der Olive zugleich ihre Grenze, sie laesst sich nicht versetzen. Auch der Name Gethsemane, Olivenpresse, ist Bild der Pressung, die das Oel hervorbringt, die dunkle Seite, die dem Friedenszeichen Olive entspricht.

Kulturelle Bedeutung

Auf der athenischen Tetradrachme des 5. Jahrhunderts v. Chr. steht der Olivenzweig neben Athenas Haupt und ihrer Eule. Auch die Rueckseite der griechischen 1-, 2- und 5-Cent-Muenze tragen einen Olivenzweig. Die 1947 angenommene Flagge der Vereinten Nationen umkraenzt die Weltkarte mit Olivenzweigen als Friedenszeichen. In der katholischen Palmsonntagsfeier werden Olivenzweige neben Palmen gesegnet und an die Glaeubigen verteilt, ein Erbe der Jerusalemer Liturgie des 4. Jahrhunderts. Vincent van Gogh malte 1889 seine Reihe Olivenbaeume (im MoMA), und der italienische Regisseur Roberto Rossellini drehte 1956 Die Olivenpresse. Die acht alten Oelbaeume des Garten Gethsemane in Jerusalem wurden 2012 radiokarbon datiert als Nachfahren des 12. Jahrhunderts, doch ihre Wurzeln reichen bis ins 1. Jahrhundert zurueck.

In der Popkultur

Genesis 8,11 zur Taube und dem Olivenblatt, um 13. Jahrhundert v. Chr.Exodus 27,20 zum Lampenoel des Heiligtums, um 13. Jahrhundert v. Chr.1 Samuel 16,13 zur Salbung Davids, um 10. Jahrhundert v. Chr.Psalm 92,8 zum gruenen Olivenbaum im Hause Gottes, 10.-5. Jahrhundert v. Chr.Homer Odyssee Buch 23 zum Bett aus lebender Olive, 8. Jahrhundert v. Chr.Pindar Olympische Oden zum Kotinos-Kranz, 5. Jahrhundert v. Chr.Columella De Re Rustica Buch 5, 1. JahrhundertMatthaeus 26,36 zum Garten Gethsemane, 1. JahrhundertPausanias Beschreibung Griechenlands 1,24,5 zu Athena und Poseidon, 2. JahrhundertKoran Sure 24,35 zum Oel des Olivenbaums, 7. Jahrhundert