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Bodhibaum

Bodhi Tree · Der Pippal, unter dem der Buddha erwachte

Der heilige Feigenbaum der Gattung Ficus, unter dem Siddhartha Gautama im 6. Jahrhundert v. Chr. in Bodhgaya mit fuenfunddreissig Jahren das Erwachen fand. Sanskrit bodhi heisst Erwachen, der Artname Ficus religiosa heisst religioese Feige. Der heute beim Mahabodhi-Tempel in Bodhgaya stehende Baum ist ein Nachfahre des ursprunglichen, und sein aelteste Enkelbaum ist die Jaya Sri Maha Bodhi, die die Nonne Sanghamitta 288 v. Chr. in Anuradhapura, Sri Lanka, pflanzte.

Ursprung

Nach dem Pali-Vinaya Mahavagga Buch 1 Kapitel 1, muendlich kompiliert um das 1. Jahrhundert v. Chr., trat Gautama Siddhartha unter einen Pippalbaum (Ficus religiosa) am Ufer des Nairanjana bei Uruvela, dem heutigen Bodhgaya, in tiefe Meditation und gelobte: "Ich werde von diesem Sitz nicht aufstehen, bis ich erwacht bin." Er ertrug alle Verlockungen und Angriffe Maras, und bei Tagesanbruch erkannte er die Vier Edlen Wahrheiten und wurde der Buddha, der Erwachte. Seither nennt man den Baum Bodhi vrksa, den Baum des Erwachens. 288 v. Chr. nahm die Nonne Sanghamitta, Tochter des Mauryakaisers Ashoka, einen Zweig von der Suedseite des Bodhgaya-Baumes und pflanzte ihn in Anuradhapura auf Sri Lanka; dieser Baum, die Jaya Sri Maha Bodhi, traegt die laengste dokumentierte Lebensspanne eines von Menschen gepflanzten Baumes.

Merkmale

  • Immergruener Laubbaum der Familie der Maulbeergewaechse, Ficus religiosa
  • Herzfoermiges Blatt mit einer langen feinen Spitze, der Trauftraufe
  • Die Blaetter zittern im leisesten Wind, was die Tradition als Predigt des Buddha durch den Wind liest
  • Ein Baum lebt mehrere tausend Jahre und entwickelt Luftwurzeln, die zu vielen Staemmen verzweigen
  • Der haeufigste heilige Baum, der in Indien, Sri Lanka und Suedostasien an Tempeln gepflanzt wird

Geschichten

Neben der Jaya Sri Maha Bodhi von 288 v. Chr. ist der heutige Baum in Bodhgaya der, den der britische Archaologe Alexander Cunningham 1881 beim Wiederaufbau des Mahabodhi-Tempels aus den Ruinen als Enkelreis vom Lankabaum pflanzte. Im Buddhismus dienen Bodhiblaetter als Amulette, als Decken von Handschriften und als Schnuere der Gebetsketten, und das ausgekochte Blattgerippe mit nur den Adern, das Bodhiblatt-Bild, ist eine typische Tempelgabe in Suedostasien. Fuer die Medizin verschrieben die um 600 v. Chr. entstandenen Susruta Samhita und Caraka Samhita die Rinde des Pippal bei Asthma, Diabetes und Verdauungsstoerungen. In Korea und Japan steht in den Tempelhofen ein Baum, den man Bodhibaum nennt, doch da der indische Pippal das dortige Klima nicht ertraegt, pflanzten die meisten Tempel statt seiner die Linde, Tilia, oder verwandte Arten.

Schwäche

Der urspruengliche Bodhgaya-Baum wurde mehrmals zerstoert. Nach den Mauryas verbrannte der Sungakoenig Pushyamitra zwischen 185 und 149 v. Chr. den Bodhibaum, wie die Divyavadana berichtet, und der koreanische Pilger Hyecho des 7. Jahrhunderts vermerkte Brandspuren. 1876 fiel der Baum erneut bei einem Sturm, und Cunningham setzte als Ersatz ein Reis vom srilankischen Enkelbaum. Der Bodhibaum lasst sich ausserhalb des tropischen Klimas Indiens und Sri Lankas nur schwer halten, und die so genannten Bodhibaeume Koreas, Japans und Chinas sind meist andere Arten. Auch koennen die Luftwurzeln des Ficus religiosa Tempelmauern aufbrechen, weshalb der Baum am Mahabodhi-Tempel in einem Achthundert-Jahre-Zyklus beschnitten wird.

Kulturelle Bedeutung

Die Jaya Sri Maha Bodhi in Anuradhapura, seit 288 v. Chr. gehuetet, gilt als der Baum mit der laengsten dokumentierten Lebensspanne eines von Menschen gepflanzten Baumes und wurde 1991 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Das Poson-Fest im Mai oder Juni bringt jaehrlich Hunderttausende Pilger. Der Mahabodhi-Tempel in Bodhgaya wurde 2002 in das Weltkulturerbe aufgenommen, und neben dem Bodhibaum steht der Sandstein-Vajrasana, der Diamantthron, der den Sitz des Erwachens des Buddha bezeichnet. In Korea berichtet das Samguk Yusa, dass im Silla-Reich ein Bodhibaum am Bunhwangsa-Tempel als Sitz des rechten Erwachens gepflanzt wurde, doch der Baum selbst verging. Der Qing-Kaiser Yongzheng pflanzte 1727 einen Zweig des Bodhgaya-Baumes neben dem Pekinger Palast, doch er erfror im Winter, wie das Qing Shi Gao berichtet.

In der Popkultur

Pali-Vinaya Mahavagga Buch 1 Kapitel 1 zum Erwachen des Buddha, muendlich um 1. Jahrhundert v. Chr.Mahaprajnaparamita Sutra zum Bodhibaum, um 1. JahrhundertSusruta Samhita zur Heilkunde des Pippal, um 6. Jahrhundert v. Chr.Divyavadana zur Verbrennung des Bodhibaums durch Pushyamitra, um 2. JahrhundertHyecho Wang ocheonchukgukjeon zur Beobachtung von Bodhgaya, 727Xuanzang Da Tang Xiyu Ji Buch 9 zum Bodhibaum, 646Samguk Yusa zur Bodhi-Pflanzung am Bunhwangsa-Tempel, 1281Qing Shi Gao zum Pflanzversuch des Yongzheng-Kaisers, kompiliert 1928Alexander Cunningham Bericht zum Wiederaufbau des Mahabodhi-Tempels, 1881UNESCO Eintragung des Mahabodhi-Komplexes, 2002

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